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Schwabach: Mit Bier und Kunst zur Kulturhauptstadt 2025 | BR24

© BR/Olga Henich

Für den Titel "Kulturhauptstadt 2025" legt sich neben Nürnberg auch die Metropolregion ins Zeug. Die Nachbarstadt Schwabach geht mit zwei Traditionshandwerken ins Rennen: der berühmten Blattgoldherstellung und der fast vergessenen Braukultur.

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Schwabach: Mit Bier und Kunst zur Kulturhauptstadt 2025

Für den Titel "Kulturhauptstadt 2025" legt sich neben Nürnberg auch die Metropolregion ins Zeug. Die Nachbarstadt Schwabach geht mit zwei Traditionshandwerken ins Rennen: der berühmten Blattgoldherstellung und der fast vergessenen Braukultur.

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Dass die kleinste kreisfreie Stadt Bayerns beim Thema Gold ganz besonders glänzt, ist den meisten bereits bekannt. Seit über 500 Jahren ist Schwabach für sein Goldschläger-Handwerk berühmt. Das hauchdünne Blattgold wird heute noch weltweit exportiert und schmückt zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie den Buckingham Palace in London, den Pariser Invalidendom oder die Palastkuppeln der Emirate. Dass die Goldschlägerstadt aber auch eine jahrhundertealte Braugeschichte besitzt, ist mittlerweile nur wenigen bekannt. Das könnte sich mit etwas Glück ändern, sagt die Leiterin des Kulturamts in Schwabach Sandra Hoffmann-Rivero.

Blühende Braukultur seit dem Mittelalter

Unscheinbar und doch mitten in der Innenstadt Schwabachs gelegen, verstecken sich im riesigen Gebäudekomplex der ehemaligen Brauerei Leitner die Überreste einer alten Braukultur. Die ersten Anzeichen, dass in Schwabach Bier gebraut wurde, reichen bis ins Mittelalter zurück. "Spätestens seit der Gründung der Stadt im 14. Jahrhundert weisen auch schriftliche Einträge auf die große Bedeutung des Brauwesens hin", erklärt die Kunsthistorikerin und Kulturamtsleiterin Sandra Hoffman-Rivero. „Das sieht man schon daran, dass das ehemalige Stadtwappen Bierschöpfen aufweist. Damals wurde das Schwabacher Bier bis nach Ungarn und Frankreich exportiert und war wegen seiner Qualität sehr bekannt.“

Brauwesen in Schwabach verschollen

Heute ist von der blühenden Braukultur nicht mehr viel übrig. Haben in den 1920er Jahren noch mehrere Brauer über 40.000 Hektorliter Bier pro Jahr hergestellt, so zählt die Stadt heute rund 40.000 Einwohner, aber keine einzige Brauerei mehr. Seitdem auch die Brauerei Leitner im Jahr 2010 als letzte schloss, steht das rund 3.000 Quadratmeter große Areal verlassen da. Zwei Sudkessel aus Kupfer erinnern an das verschollene Gewerbe.

Kulturbrauerei soll Braugeschichte und Kunst verknüpfen

Die Stadt Schwabach möchte das ändern und getreu dem Motto der Bewerbung „Past Forward“ das Gelände der ehemaligen Brauerei kulturell neu erschließen. "Die Kulturbrauerei soll zum einen an die Tradition des Bierbrauens in Schwabach erinnern, zum anderen aber auch als Zentrum für Kunst und Kultur in Zukunft neue Wege gehen", sagt Sandra Hoffmann-Rivero. Geplant ist zum Beispiel eine museale Dauerausstellung zur Schwabacher Braugeschichte in den alten Räumen mit den historischen Sudkesseln. Eine mobile Brauanlage, wo Bürger einige Male im Jahr ihr eigenes Bier brauen dürften, würde den Bezug zur Gegenwart schaffen.

Die restliche Fläche des Areals soll in ein kreatives Zentrum verwandelt werden. Jeder Raum sollte je nach Beschaffenheit funktional genutzt werden. Ateliers, Handwerk, aber auch Veranstaltungsflächen könnten Künstlern und Bürgern als Begegnungsstätte dienen. Auch ein Gastronomieangebot mit Bierausschank wäre laut Sandra Hoffmann-Rivero denkbar.

© BR/Olga Henich

Zwei Sudkessel aus Kupfer erinnern an das verschollene Gewerbe.

Künstler unterstützen und Viertel beleben

Für Kunstschaffende wie den Bildhauer Clemens Heinl ist jede zusätzliche Fläche für seine Figuren eine große Unterstützung: "Es gibt leider zu wenig Räume, wo man arbeiten kann. Da ist jeder Quadratmeter viel wert. Ein extra Lager für 2.000 Euro zu mieten, ist gerade für Künstler immer ein Problem." Im Projekt sieht er die Chance, ein neues Kulturzentrum für die Region zu schaffen, das Künstler und Zuschauer nach Schwabach ziehen und gleichzeitig das verwaiste Areal mitten in der Stadt beleben könnte. Bisher ist die Kulturbrauerei noch eine Idee. Wie genau ihre Umsetzung in den kommenden Jahren konkret aussehen soll, ist noch offen. Mit dem Konzept, das durch die Bewerbung ins Rollen kam, ist der erste Schritt aber bereits getan.

Mit Gold und Bier ins Finale

Neben der Kulturbrauerei geht Schwabach selbstverständlich auch mit seinem bereits erfolgreich etablierten Goldstück – dem Kunstevent „Ortung“ – ins Bewerbungsfinale. Seit 1999 entdecken Tausende Besucher während der mehrtägigen Veranstaltung im Zentrum der Goldschlägerstadt versteckte Kunstwerke im Zeichen des Goldes. Demnächst steht ihnen dafür vielleicht auch die Kulturbrauerei als Ort der Begegnung offen.

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