Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Schriftstellerin Leonie Ossowski ist tot | BR24

© ARD

Ihre Romane handelten meist von Menschen am Rande der Gesellschaft. Die Schriftstellerin Leonie Ossowski wollte mit ihren Texten nicht nur unterhalten, sondern auch aufklären. Nun ist sie im Alter von 93 Jahren gestorben.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Schriftstellerin Leonie Ossowski ist tot

Ihre Romane handelten meist von Menschen am Rande der Gesellschaft. Die Schriftstellerin Leonie Ossowski wollte mit ihren Texten nicht nur unterhalten, sondern auch aufklären. Nun ist sie im Alter von 93 Jahren gestorben.

Per Mail sharen

Die Schriftstellerin Leonie Ossowski ist tot. Sie sei an diesem Montag im Alter von 93 Jahren in Berlin gestorben, teilte der Piper Verlag in München mit. Ossowski wurde am 15. August 1925 im niederschlesischen Ober-Röhrsdorf im heutigen Polen geboren. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs floh sie nach Thüringen und von dort nach Oberschwaben. Anschließend verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt als Fabrikarbeiterin, Verkäuferin, Sprechstundenhilfe eines Landarztes und als Fotolaborantin. Nebenbei schrieb sie Kurzgeschichten.

Anfang der 50er Jahre bekam Ossowski von der DDR-Filmgesellschaft DEFA Aufträge für Filmdrehbücher. Dabei entstand auch eines ihrer bekanntesten Werke: "Stern ohne Himmel" über die letzten Kriegstage im Internat einer mitteldeutschen Kleinstadt. Das Stück wurde jedoch letztlich nicht verfilmt, sondern kam als Roman auf den Markt.

Sie wollte unterhalten – und aufklären

Ebenfalls auf große Resonanz stieß ihre Schlesien-Buchreihe "Weichselkirschen", "Wolfsbeeren" und "Holunderzeit". Die Arbeit an diesen Büchern begann sie im Jahr 1974, nachdem sie ihren Geburtsort in Polen besucht hatte. In der Reihe schildert sie die dortige Kriegs- und Nachkriegsgeschichte mit viel Empathie für die polnische Seite, was ihr harsche Kritik der Vertriebenen-Verbände eintrug. Ein Bestseller wurde auch der Jugendroman "Die große Flatter", der die Geschichte zweier Jungen aus dem Mannheimer Obdachlosenmilieu erzählt und 1979 mit Richy Müller als preisgekrönter Dreiteiler in der ARD zu sehen war. In fast 50 Jahren hatte die Mutter von sieben Kindern zahlreiche Romane, Stücke, Dreh- und Jugendbücher geschrieben. "Stern ohne Himmel" ist bis heute Schullektüre.

Ossowskis Romane handelten meist von Menschen am Rande der Gesellschaft: Obdachlose und Heimkinder, misshandelte Frauen und Zwangsarbeiterinnen. Mit ihren Texten habe sie immer etwas bewegen wollen, sagte sie in einem Interview zu ihrem 90. Geburtstag. "Sie sollten spannend sein, aber – etwas altmodisch ausgedrückt – auch aufklärerisch." Als Tochter eines ehemaligen Gutsbesitzers erfuhr sie durch den Krieg das Leid schon in jungen Jahren. "Plötzlich stand ich selbst auf der anderen Seite des Lebens, da schaut man die Dinge anders an."

Soziales Engagement war ihr wichtig

Ihre Anregungen holte sich Ossowski aus dem richtigen Leben: Jahrelang war sie Sozialarbeiterin und Bewährungshelferin, leitete eine Jugendgruppe im Gefängnis und gründete in den 70er Jahren in Mannheim das Jugendzentrum "Die Kippe". Sie selbst betonte: "Ich habe Unterhaltungsliteratur geschrieben, aber meine Texte gehören nicht zu den Verdummungsromanen".

Ausgezeichnet wurde Ossowski unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber, dem Schillerpreis der Stadt Mannheim und der Hermann-Kesten-Medaille des PEN-Zentrums.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!