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Dudelsack-Spieler
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Autoren

Carlo Schindhelm
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Dudelsack-Spieler

Jeden Montagabend treffen sich in Forchheim Dudelsackspieler. Sie nennen sich die "Glen Regnitz Pipe Band". Der Anspruch der Hobbymusiker: Die traditionelle schottische Musik so gut wie möglich zu spielen. Die wenigsten Spieler stammen aus den USA, Schottland oder Irland – die meisten kommen aus Franken.

Dudelsackspieler aus Oberfranken

Einer von ihnen ist Horst Blank, eigentlich Kundenberater in einer Bank. Mit dem Dudelsack unter dem Arm wirkt er plötzlich wie ein Hochleistungssportler – das Instrument mit seiner Lautstärke wirkt wie eine Waffe. Vor mehr als 30 Jahren hat er begonnen, die schottische Great Highland Pipe zu spielen.

"Als ich das erste Mal meinen ersten Dudelsack in der Hand hatte und mal aufgeblasen habe – da war ich irgendwo auf einer Wiese gestanden, auf einem Berg über das Tal blickend und habe den ersten Ton erzeugt. Vor Schreck habe ich erstmal alles wieder ausgemacht und habe gedacht – war ich das jetzt? Es ist schon sehr laut und man muss sich schon überlegen, wo man spielt. Man braucht nette Nachbarn." Horst Blank, Mitglied der "Glen Regnitz Pipe Band"

"Glen Regnitz Pipe Band" hat 17 Mitglieder

Blank lernte bei einem schottischen Dudelsackspieler in Erlangen. Noch heute lässt er sich über das Internet per Skype unterrichten – weil der Lehrer in seine Heimat zurückgekehrt ist. Aber inzwischen ist Horst Blank mit seiner Begeisterung längst nicht mehr allein. Die "Glen Regnitz Pipe Band" zählt an die 17 Mitglieder. Vier davon kommen aus den USA und Irland – doch die meisten sind aus Franken.

"Der Klang diese Fülle, das fasziniert mich einfach. Ich weiß nicht, wie ich es in Worte fassen soll, es ist einfach gigantisch." Olaf Wolte, Mitglied der "Glen Regnitz Pipe Band"
"Ich habe das als Kind eigentlich schon gerne gehört. Zu meiner Zeit gab es aber noch kein Internet. Die einzige Möglichkeit war, Beiträge über die königliche Familie im Fernsehen anzuschauen. Da wurde meistens Dudelsack gespielt." Gudrun Einwich, Mitglied der "Glen Regnitz Pipe Band"

Interesse am Dudelsack in Deutschland ist groß

Olaf Wolte spielt seit zwei Jahren – Gudrun Einwich bereits seit 13 Jahren. Der Bandleiter Horst Blank ist sich sicher: In den vergangenen 30 Jahren hat das Interesse am Dudelsackspiel in Deutschland zugenommen. Das spüre man auf bundesweiten Treffen:

"Es gibt immer mehr Bands, die immer mehr Nachwuchsarbeit machen. Viele Rock- und Punkbands haben einen Dudelsack dabei. Das spricht die jungen Leute an." Horst Blank, Mitglied der "Glen Regnitz Pipe Band"

Traditionelles schottisches Liedgut im Mittelpunkt

Die Forchheimer Dudelsack-Band hat sich dem traditionellen schottischen Liedgut verschrieben – ganz ohne fränkische Interpretationen. Dominik Murphy, Dudelsacklehrer, Ire und Bandmitglied, ist bemüht, das die Band ihrem Anspruch auch gerecht wird.

"Sonst ist es keine schottische Dudelsack-Band – sondern nur eine Band, die Musik macht. Wenn eine fränkische Blaskapelle nach Schottland gehen würde, um den Menschen Blasmusik beizubringen, wäre es auch schwierig. Es ist nicht deren Kultur. Musik machen ist immer eine Interpretation von Noten. Es ist schwierig, die schottische Musik nach Franken zu bringen. Aber wir kommen langsam dahin." Dominik Murphy, Dudelsacklehrer

Um die Faszination von Dudelsackmusik verstehen zu können, muss man sie wohl tatsächlich live erleben. Es ist ein gigantischer Klangschwall der sich über den Zuhörer ergießt und einen mit seiner Lautstärke völlig gefangen nimmt. Man kann gar nicht anders als abtauchen in die Musik.