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"Erfolgreichster Loser" der Republik: Tilo Prückner gestorben | BR24

© Audio: BR /Bild: Henning Kaiser/Picture Alliance

Schauspieler Tilo Prückner ist gestorben.

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"Erfolgreichster Loser" der Republik: Tilo Prückner gestorben

Schrullige Typen am Rande der Gesellschaft waren sein Markenzeichen: Viele Jahre glänzte Tilo Prückner in Film und Fernsehen mal als "eingebildeter Kranker" in der Krimi-Parodie "Adelheid und ihre Mörder", mal als mürrischer "Rentercop".

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Vor Langeweile im Ruhestand hatte er keine Angst - eher fürchtete Tilo Prückner nach eigenen Worten, im Alter zu "verblöden", aber letztlich hatte er weder für das eine noch das andere Zeit, denn auch mit 79 Jahren eilte der Schauspieler noch von Dreh zu Dreh, war gefragt wie nie. Seine Spezialität: der etwas schrullige, aber immer liebenswerte Kollege, der grundsätzlich versagt, nicht weiterkommt, von den anderen belächelt wird.

So war er als Kriminalhauptkommissar Gernot Schubert in der Krimi-Parodie "Adelheid und ihre Mörder" zu erleben, wo er sich mehr mit seinen eingebildeten Krankheiten befasste als mit den Mordfällen. Und auch als "Rentnercop" Edwin Bremer durfte er recht mürrisch an die Arbeit gehen. Speziell die Frauen im Polizeirevier gingen ihm in dieser Rolle gehörig auf die Nerven.

"Ich bin der erfolgreichste Loser der Bundesrepublik"

Sympathisch machte ihn das offene Wort, seine Ehrlichkeit, im wirklichen Leben wie in seinen Fernsehauftritten. Und dass er allzu oft als kauziger, schräger "Loser" zu erleben war, damit hatte Tilo Prückner längst seinen Frieden gemacht, wie er in einer Talkshow verriet: "Ich versuche, jetzt im Alter etwas davon wegzukommen, aber es stimmt schon, bei mir zu Hause kam das gar nicht gut an, meine Söhne haben das gehasst, den Vater immer überlebensgroß als Loser zu sehen. Dann habe ich immer gesagt, ich bin der erfolgreichste Loser der Bundesrepublik."

© Wolfgang Langenstrassen/Picture Allliance

Gelassen auch gegenüber Medien

Geboren als Sohn eines Kinderarztes in Augsburg, ging Prückner in Nürnberg zur Schule und versuchte es zunächst mit einem Jurastudium. Doch eine Schauspielausbildung lockte ihn mehr. 1962 das erste Engagement am Theater der Jugend in München, später in Oberhausen und am Schauspielhaus Zürich. In Berlin war er Mitbegründer der Schaubühne am Halleschen Ufer und trat häufig auch am Bayerischen Staatsschauspiel in München auf.

Im Film war er bald auf Außenseiter spezialisiert, Sonderlinge und vermeintlich oder tatsächlich kranke Menschen. 1976 wurde er mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet, für die Rolle des Stehgeigers Hännschen Wurlitzer in der Gaunerkomödie "Bomber und Paganini", wo er an der Seite von Mario Adorf spielte. 43 Jahre danach folgte eine Fortsetzung, unter dem Titel "Alte Bande". Prückner und Adorf wurden gute Kollegen, wenn auch keine echten Freunde, dazu fehlte beiden die Zeit, und dazu waren sie wohl auch zu eigenwillig.

Im Alter noch viel gedreht

Richtig populär wurde Prückner mit seinen Serien-Rollen, in den 90er-Jahren in "Adelheid und ihre Mörder", seit 2015 in den "Rentnercops". Was für ein Un-Ruhestand: "Ich habe tatsächlich soviel gedreht, wie noch nie in meinem Leben. Das ist schon etwas merkwürdig, ich bin ja jetzt schon 79. Ich kam aber nicht mehr raus, durch gewisse Veränderungen. Bei 'Rentnercops' gab es Veränderungen, da ist jemand raus, dann mussten sie mehr Drehtage mit mir machen, die konnte ich nicht hängen lassen. Dann hatte ich andere Verpflichtungen, das war alles geplant, aber es lief völlig aus dem Ruder. Ich musste wie so ein Jungspund hierhin und dahin fliegen, alle haben mir prophezeit, das hältst du nicht durch."

© Eventpress

Tilo Prückner (rechts) mit Kollege Wolfgang Winkler in der Serie "Rentnercops"

In zwei Wochen sollten die Dreharbeiten für die nächste Staffel der "Rentnercops" beginnen. Darüber muss nun neu nachgedacht werden. Der "Charakterkopf" Tilo Prückner wird von den ARD-Verantwortlichen schon jetzt sehr vermisst. Programmdirektor Volker Herres nannte ihn einen "echten Typen", andere sprachen von einem "Vollblut-Schauspieler".

Kein Blatt vor dem Mund

Übrigens hatte Prückner auch vor Medienleuten wenig übertriebenen Respekt, er nahm gerade in den letzten Jahren alles von der gelassenen Seite: "Im Alter habe ich den Vorteil, dass ich mit meiner Meinung weniger Rücksichten nehme als früher", sagte er bei einem Interview für die "Goldene Kamera". "Ich rede, wie ich denke. Die Konsequenzen sind mir egal, davor muss ich keine Angst mehr haben. Ich bekomme meine Rente und habe meinen Verdienst. Die jungen Kollegen agieren oft stromlinienförmig aus nackter Angst, den Job zu verlieren. Wenn ich eine Sendung trotz hoher Einschaltquote für Mist halte, dann sage ich das. Das will niemand hören, aber das ist mir egal. Das ist der Vorteil des Alters. Der Druck ist weg."

Null Interesse an Politikern

Das galt auch für hitzige weltanschauliche Debatten, die gerade unter Journalisten und Künstlern oft erbittert geführt werden. Mit Politikern konnte Prückner seit Jahren wenig anfangen: "Gewisse Sachen sind nicht mehr so wichtig. Ich kann mich zum Beispiel nicht über die politischen Parteien erregen, da meine ich aber, dass das vielen so geht wie mir. Spätestens seit der Banken-Krise ist bei mir auch das letzte Interesse für die Parteien fast erloschen, muss ich sagen, und wenn ich irgendwo rumfrage, denken fast alle so."

Zum 80. wollte er nicht groß feiern

Am vergangenen Donnerstag ist Tilo Prückner nach Angaben seiner Familie gestorben. Er wäre im Oktober achtzig geworden, war allerdings nicht dazu aufgelegt, groß zu feiern. Dabei hatte er sich diesbezüglich zu seinem 79. im vergangenen Jahr noch überwunden: "Ich habe damals komischer Weise etwas gefeiert, da kann ich den 80. ja nicht besinnlich begehen oder übergehen. Ich bin aber ein Feier-Muffel, bin nicht so interessiert daran, eine große Feier zu machen."

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