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Er war häufiger Gast auf Boulevardbühnen und im Fernsehen. Der Sohn des Schauspielers Willy Fritsch ist dem TV-Publikum aus "Derrick" und "Der Alte" ebenso bekannt wie aus Serien wie "Rivalen der Rennbahn" oder "Meine wunderbare Familie".

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Er konnte "Stimmung zaubern": Schauspieler Thomas Fritsch tot

Er war häufiger Gast auf Boulevardbühnen und im Fernsehen. Der Sohn des Schauspielers Willy Fritsch ist dem TV-Publikum aus "Derrick" und "Der Alte" ebenso bekannt wie aus Serien wie "Rivalen der Rennbahn" oder "Meine wunderbare Familie".

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Von
  • Peter Jungblut

"Es ist die Möglichkeit den Leuten etwas geben zu können, eine Stimmung zu zaubern", begründete Thomas Fritsch 1984 seine Entscheidung, Schauspieler zu werden. Und die Stimmung, die er vermittelte, war überwiegend eine heiter-entspannte: "Ich lebe eigentlich ganz normal, ich rauche, ich trinke, ich lebe eigentlich ganz intensiv, das kommt von innen, und ich habe einen Beruf, der Freude macht." Letzteres war offenkundig der Grund, dass Fritsch auch noch in vorgerückten Jahren beneidenswert jugendlich aussah.

Als Synchronstimme von so populären, aber auch höchst unterschiedlichen Superstars wie Russell Crowe, Burt Reynolds, Kris Kristoffersen und Jeremy Irons beeindruckte Fritsch das große Publikum, und für die legendäre Passage von Marlon Brandos Rolle als Colonel Walter E. Kurtz in "Apokalypse Now" mit dem berühmten Ausspruch "The Horror" legte sich Fritsch sogar auf den Boden des Studios, um angemessen gruselig zu klingen.

Er lieh gern animierten Tieren seine Stimme

Häufig bereicherte er mit seiner Stimme auch Disney-Filme: "Ich versuche denen gerecht zu werden, das ist schon sauschwer. Aber man muss aufpassen, dass man nicht festgelegt wird, dass man nur noch animierte Tiere spricht." So war er in "Ice Age" und in der Zeichentrickadaption von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" zu hören. In Krimi-Serien wie "Derrick" und "Der Alte" war er regelmäßig in Episodenrollen präsent, und in der ZDF-Jockey-Serie "Rivalen der Rennbahn" (1989) war er sogar mit der Hauptrolle betraut. Vor lauter Begeisterung kaufte sich Fritsch das Pferd, das ihn bei den Dreharbeiten mustergültig diszipliniert begleitet hatte.

Auf Boulevardbühnen gehörte Fritsch zu den beliebtesten Darstellern und in den sechziger Jahren versuchte er sich sogar kurzzeitig als Tänzer und Schlagersänger an der Seite von Heidi Brühl und Liedermacherin Suzanne Doucet ("Du bist zu jung", "Ich hab mich so darauf gefreut"). Zum Theater wurde er übrigens hauptsächlich vom Kollegen Wolfgang Spier "verführt", was er im Nachhinein überhaupt nicht bereute, obwohl er freimütig gestand, seine Bühnenpräsenz sei natürlich zwangsläufig meist nur eine "regionale" gewesen. Hörspiele waren ihm so wenig fremd wie Auftritte in Computerspielen ("Civilization IV").

Er sprach zitternd Gustaf Gründgens vor

Geboren wurde Fritsch im Januar 1944 in Dresden. Sein Vater Willy gehörte zu den berühmtesten UFA-Stars: "Die Beziehung zu meinem Vater war eher eine etwas schwierige, weil er nie da war. Und wenn er dann da war, hatte ich eigentlich nie den Mut, ihm etwas zu erzählen oder etwas zu beichten, weil die Mutter auch immer gesagt hat, lass ihn jetzt in Ruhe, der muss sich ausruhen, der hat gearbeitet, der muss wieder arbeiten. Also habe ich diese Dinge eher mit meiner Mutter besprochen." Über die Kunst wurde bei Familie Fritsch zuhause übrigens wenig gesprochen, denn der Vater begeisterte sich privat angeblich vor allem für Autos und Boxkämpfe. "Das mochte ich allerdings nicht so gern", erinnerte sich Fritsch.

In der Schauspielklasse der Hamburger Hochschule für Musik begann er schließlich seine Ausbildung und musste sich keinem Geringeren als Gustaf Gründgens vorstellen, und zwar mit dem Monolog des Moritz Stiefel aus Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen": "Ich habe ihm zitternd vorgesprochen."

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Früher Ruhm: Fritsch (links) mit Gustav Knuth (Mitte) und Gertraud Jesserer

Schon mit 17 Jahren wurde Fritsch erstmals für den Film verpflichtet: "Julia, du bist zauberhaft". Dort war er als Filmsohn Roger an der Seite von Lilli Palmer zu sehen. Auf der Bühne war er 1963 erstmals in "Candida" von George Bernard Shaw in Heidelberg zu erleben. Es folgten viele weitere Premieren an der Kleinen Komödie München, in Berlin, Stuttgart und Hamburg. Fritsch selbst hielt seinen frühen Ruhm für "gefährlich", kam er doch schnell zu "Bravo"- und "Bambi"-Ehren.

Karriereknick und Auszeit in Mykonos

"Ich habe keinen sehr guten Eindruck hinterlassen", bilanzierte Fritsch seine Probeaufnahmen in Hollywood, wo er für einen Film mit Julie Andrews im Gespräch war: "Ich flog zurück und dachte, es geht weiter mit der Karriere und dann musste ich zur Bundeswehr, weil ich schon vier Mal zurückgestellt war und noch keinen festen Vertrag hatte." Ein Korvettenkapitän habe ihn persönlich von der Haustür abgeholt. Als er dann später abermals nach Hollywood gekommen sei, habe er nur noch "Sekretärinnen" ans Telefon bekommen und sei "so klein mit Hut" zurück nach Deutschland gereist: "Ich weiß nicht, ob ich der richtige Mensch für Hollywood gewesen wäre. Das verlangt einfach mehr Kraft und mehr Willen. Aber die Ausbildung hätte mich gereizt."

Nach seinem Karriereknick zog er sich vorübergehend auf die griechische Insel Mykonos zurück, eine Insel, die er über Dreharbeiten kennen gelernt hatte: "Das ist manchmal etwas bitter, wenn Du das Telefon anguckst", so Thomas Fritsch in der Bayern-2-Sendung "Eins zu Eins - der Talk", "und dann das, was so an Drehbüchern vor Dir liegt, was eh nicht mehr soviel ist. Wenn doch da mal was Interessanteres dabei wäre, ein Stück Fleisch zwischen die Zähne, eine schöne Arbeit, eine geile Rolle, wo Du sagen kannst, das ist einfach gut."

Immerhin: Über seine Synchron-Verpflichtungen war er in "Blockbustern" dann immerhin regelmäßig zu hören.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa ist Thomas Fritsch "friedlich eingeschlafen". Er wurde 77 Jahre alt.

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