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Schauspieler Bruno Ganz gestorben | BR24

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Der Schauspieler Bruno Ganz ist tot. Auf der Leinwand und Bühne merkte man ihm selten an, dass er gebürtiger Schweizer war. Aber Interviewfragen beantwortete er auf Schweizerdeutsch, auch die nach Zukunftsängsten und dem Tod.

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Schauspieler Bruno Ganz gestorben

Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz ist tot. Er starb im Alter von 77 Jahren in Zürich, wie sein Management am Vormittag mitteilte. Mit ihm hat die Film- und Theaterwelt einen ihrer größten Darsteller verloren.

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Bruno Ganz war einer der wichtigsten Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Zuletzt war er im vergangenen Kinoherbst als gealterter Sigmund Freud zu sehen - in der Verfilmung des "Trafikanten" nach dem Roman von Robert Seethaler. Ein Sigmund Freud, der sich sowohl rührend um seinen in Liebesnöte geratenen jungen Zigarrenverkäufer kümmert und ihn an seinen Lebenserfahrungen teilhaben lässt, der aber ebenso ungnädig wird, wenn ihm eine aus der Form geratene Amerikanerin auf der Couch vorjammert, sie sei zu fett geworden. Beide Seiten vereint Bruno Ganz zu einem glaubwürdigen Protagonisten.

Fähigkeit, Gegensätze zu vereinen

Es war eine seiner Fähigkeiten, seinen Figuren Tiefe zu verleihen, und das heißt immer auch, Gegensätzliches zu vereinen und Brüchigkeit von Identität sichtbar zu machen. Eine der größten Herausforderungen dürfte für ihn gewesen sein, den in seinem Wahn gefangenen Adolf Hitler in den letzten Tagen des Krieges zu verkörpern ("Der Untergang", 2004). Wir Nachgeborenen sehen in dem belfernden Diktator eine oft nahezu idiotisch wirkende Karikatur und müssen uns das Lachen verkneifen. Bruno Ganz hat es geschafft, dass uns dieses Lachen im Halse stecken blieb und der Bestürzung wich.

Ehrung für "Der Ignorant und der Wahnsinnige"

Der gebürtige Schweizer Bruno Ganz schaffte wie wenige den Spagat zwischen Theater und Film. Er drehte mit Filmregisseuren wie Eric Rohmer, Wim Wenders ("Der Himmel über Berlin"), Peter Stein, Werner Herzog oder Lars von Trier ("The House That Jack Built") und gab zugleich auf der Bühne den Tasso, Hamlet, Odysseus, Prometheus, Faust oder Peer Gynt, spielte an der Berliner Schaubühne oder bei den Salzburger Festspielen, wo er für Thomas Bernhards "Der Ignorant und der Wahnsinnige" 1973 zum Schauspieler des Jahres gekürt wurde. In dem österreichischen Dramatiker Thomas Bernhard hatte er ohnehin einen großen Verehrer, der ihm seine "Jagdgesellschaft" mit den Worten "wem sonst" widmete.

Vom Schüchternen zum großen Mimen

Als Kind war Bruno Ganz schüchtern, wie er später gestand. Vielleicht deshalb war er von den Inszenierungen des Zürcher Schauspielhauses magisch angezogen. Ein befreundeter Beleuchter verschaffte ihm Zutritt, und der Wunsch, selbst in Rollen zu schlüpfen, wurde von Aufführung zu Aufführung größer. Er besuchte Abendkurse und nahm Schauspielunterricht. 1962 kam er dann ans Theater Göttingen - der Beginn einer Karriere.

Träger des "Iffland-Ringes"

1996 vererbte ihm Josef Meinrad den "Iffland-Ring", der den würdigsten Bühnenkünstler im deutschsprachigen Raum ehrt und per Testament weitervererbt wird. Heute Vormittag ist dieser Ring wieder für einen neuen Träger frei geworden: Bruno Ganz ist im Alter von 77 Jahren nach den Worten seiner Agentin an seinem Krebsleiden gestorben.

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Einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler, der auch in Hollywood Karriere machte: Bruno Ganz ist im Alter von 77 Jahren in Zürich gestorben.

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Autor
  • Ulrich Trebbin
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