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Streit um Salzburger Osterfestspiele geht in neue Runde | BR24

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Seit Monaten tobt eine Auseinandersetzung zwischen dem künstlerischen Leiter Christian Thielemann und dem designierten Intendanten Nikolaus Bachler um die Zukunft der Osterfestspiele. Das Orchester will davon ausdrücklich "unabhängig" bleiben.

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Streit um Salzburger Osterfestspiele geht in neue Runde

Seit Monaten tobt eine Auseinandersetzung um die Zukunft der Salzburger Osterfestspiele. Das sächsische Orchester will ausdrücklich "unabhängig" bleiben von Personalquerelen, die Festspiele widersprechen öffentlich. Der Zoff geht in eine neue Runde.

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Schlagabtausch auf offener Bühne: Der Krach um die Salzburger Osterfestspiele wird immer lautstärker. Inzwischen widersprechen sich die Beteiligten in wechselseitigen Pressemitteilungen. Zunächst hatte sich der Vorstand der Staatskapelle Dresden, die Jahr für Jahr in Salzburg gastiert, veranlasst gesehen, sich zu Wort zu melden. Grund dafür ist eine heftige Auseinandersetzung des Führungspersonals, und so, wie es aussah, wollten sich die Musiker da nicht hineinziehen lassen. Die Streithähne sind Christian Thielemann, der Chefdirigent der Staatskapelle und künstlerische Leiter der Festspiele, und Nikolaus Bachler, Noch-Intendant an der Bayerischen Staatsoper in München. Er soll ab 2022 in Salzburg als Intendant arbeiten, doch Thielemann will erklärtermaßen weiterhin das Programm bestimmen. Da ist der Konflikt vorprogrammiert.

Von wem ist die Staatskapelle "unabhängig"?

In der aktuellen Pressemitteilung der Staatskapelle heißt es nun, der Vertrag des Orchesters sei "direkt mit den Osterfestspielen" getroffen und "unabhängig". Dieses Wort ist brisant, denn wovon der Vertrag der Musiker eigentlich "unabhängig" sein soll, wird nicht näher erläutert. Eine entsprechende Nachfrage in der Pressestelle blieb zunächst unbeantwortet. So, wie die Dinge liegen, konnte damit nur gemeint sein, dass die Staatskapelle unabhängig von ihrem Chefdirigenten Christian Thielemann an Salzburg festhält, zumal die Formulierung auffällt, die Musiker seien den Festspielen "nach vielen erfolgreichen Jahren treu verbunden".

Festspiele widersprechen öffentlich

Doch genau dieser Sichtweise widerspricht die Geschäftsführung der Osterfestspiele Salzburg in einer weiteren Pressemitteilung, die die Äußerungen aus Dresden als "sachlich unzutreffend" bezeichnet. So heißt es aus Salzburg wörtlich, der Vertrag des Dresdener Orchesters ende 2020, und sei nicht, wie zunächst von dort behauptet, bis 2022 "automatisch verlängert" worden. Zu seiner Verlängerung müsse vielmehr zunächst ein auslaufender Rahmenvertrag erneuert werden. Dieser wiederum, und das birgt reichlich Zündstoff, sei "verknüpft mit dem Chefdirigentenvertrag von Christian Thielemann". Von einer "unabhängigen Wirksamkeit des Orchestervertrags" könne also "nicht die Rede sein". Das alles wirkt wie ein offener Streit zwischen Christian Thielemann und seinem Orchester.

Dazu passt, dass das Orchester nach eigenen Worten "mit großer Zuversicht und Freude auf die kommenden Festspieljahre" blickt. Das kann nur heißen: Die Sächsische Staatskapelle ist fest entschlossen, auch weiterhin regelmäßig über Ostern an die Salzach zu reisen. Allein die Tatsache, dass sich der Orchestervorstand öffentlich zu Wort meldet, ohne gleichzeitig den Chefdirigenten zu zitieren bzw. unterzeichnen zu lassen, spricht für sich. Damit ist die Verhandlungsposition von Christian Thielemann erheblich geschwächt, denn sollte er im Streit hinwerfen, heißt das augenscheinlich nicht, dass ihm sein Orchester folgt.

© Tobias Hase/dpa

Nikolaus Bachler

Thielemann wird nicht namentlich erwähnt

Konkret geht es derzeit darum, welche Opern 2022 und 2023 in Salzburg auf dem Spielplan stehen sollen. Den "Salzburger Nachrichten" zufolge will Thielemann "Lohengrin" und "Elektra" ansetzen, Bachler jedoch den "Freischütz" und den "Fliegenden Holländer". Zu diesem Streit heißt es nun in der Pressemitteilung, alle künstlerischen und planerischen Entscheidungen für die Osterfestspiele Salzburg würden von den drei Parteien Intendant, künstlerischer Leiter und der Geschäftsführung der Staatskapelle Dresden gemeinsam getroffen. Dieses Gremium habe sich zuletzt im Hinblick auf die Jahre 2022 und 2023, bereits gemeinsam mit dem zukünftigen Intendanten Nikolaus Bachler, im vergangenen Juli in Bayreuth getroffen. Thielemann wird nicht namentlich erwähnt, Interviewanfragen lehnt die Staatskapelle zum jetzigen Zeitpunkt ausdrücklich ab. Das klingt nicht gerade nach einer baldigen Beilegung des Konflikts. Die Chancen, dass Thielemann Salzburg erhalten bleibt, sind vielmehr deutlich gesunken.

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