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Die Salzburger Festspiele auf Tour | BR24

© Bayern 2

Paris, New York, Seoul sind nur einige Stationen der diesjährigen Roadshow der Salzburger Festspiele. Vor dem 100. Geburtstag stellt das teuerste Klassik-Festival der Welt sein Jubiläumsprogramm den Klassik-Fans vor – und finanzstarken Gönnern.

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Die Salzburger Festspiele auf Tour

Paris, New York, Seoul sind nur einige Stationen der diesjährigen Roadshow der Salzburger Festspiele. Vor dem 100. Geburtstag stellt das teuerste Klassik-Festival der Welt sein Jubiläumsprogramm den Klassik-Fans vor – und finanzstarken Gönnern.

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"Oper und Theater, von beiden das Höchste", so stellte sich der Dichter Hugo von Hofmannsthal als einer der drei Gründerväter die Salzburger Festspiele vor, ein Festival auf höchstem künstlerischen Niveau, das als Friedensprojekt und kulturelle Utopie nach dem Inferno des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren bewusst für eine Kleinstadt abseits der Ablenkungen der Metropolen erdacht wurde. Und so reisen nun Kunst- und Glamour-sinnige jedes Jahr im Sommer zu dem längst renommiertesten und – by the way – teuersten Klassik-Festival der Welt, das seinem internationalen Publikum über 230.000 Karten offeriert. Nur konsequent also, dass die Festspiele gelegentlich auch zu ihrem Publikum reisen, in ausgesuchte Städte rund um den Globus und in Gestalt ihrer Präsidentin Helga Rabl-Stadler und ihres Intendanten Markus Hinterhäuser.

"Wir versuchen, diese Ernsthaftigkeit zu kommunizieren, dass es um etwas geht," erklärt Markus Hinterhäuser das Anliegen dieser Reisen. "Das ist etwas Schönes, zumindest für mich als Intendanten, zu kommunizieren, dass die Salzburger Festspiele ein Festspiel der Künste sind, mit dieser riesigen Tradition und der Hinwendung zur Moderne. Wir setzen uns damit auseinander und ich glaube, wir müssen auch diesen Schritt tun, dass wir die Salzburger Festspiele immer in eine neue Gegenwart führen." Diese Gegenwart einer internationalen Presse und den langjährigen sowie potentiellen Sponsoren und vor allem einem interessierten Publikum näher zu bringen, dazu reisen Markus Hinterhäuser und Helga Rabl-Stadler einmal im Jahr um die Welt.

Exquisite Fans an exquisiten Orten

Wobei es auch darum geht, neue Förderer zu finden, wie Rabl-Stadler erzählt: "Wir haben einen wunderbaren Freundesverein – ich wage zu behaupten einen der besten der Welt – für die wir während des Jahres bereits viele Veranstaltungen machen. Und dieser Freundeskreis ist das Biotop, aus dem man größere Förderer gewinnen kann." Als Förderer ist man mit 1.300 Euro Jahresbeitrag dabei, wer sogenanntes "Silver Club Mitglied" werden will, muss sich das 10.000 Euro kosten lassen. Bei einem Jahresetat von 60 Millionen Euro und nur 16,5 Millionen Euro öffentlicher Subventionen sind die Festspiele gerade auch auf dieses großzügige Publikum angewiesen.

© SF/Ruth Walz

Shooting Star der letzten Festspiel-Saison: Asmik Grigorian als Salome 2019

Da kann man schon einmal die persönliche Aufwartung machen, und – entsprechend zum Programm: "von allem das Höchste" – natürlich auch an exquisitem Ort. Wie etwa diese Woche in Paris dem Salle des Tirages im Hôtel d'Évreux: im 17. Jahrhundert erbaut, mit einer Raumhöhe von drei Stockwerken unter edlem Glasdach direkt am noblen Place Vendôme. Hier präsentiert man einem ausgesuchten Publikum exklusiv das Jubiläumsprogramm 2020 und belohnt das Erscheinen mit dem Auftritt der litauischen Sopranistin Asmik Grigorian, die mit ihrer Festspiel-Salome im letzten Jahr zum Weltstar avancierte, sowie mit einem Glas Champagner des Festspiel-Sponsors Roederer.

Dessen Kulturgeneralsekretär, der weltgewitzte Michel Janneau, begründet das Engagement seines Arbeitgebers für die Salzburger Festspiele auf unnachahmliche Weise: "All diese Menschen geben das Letzte, um die unglaublichste Ausstattung zu organisieren, die besten Musiker zu finden und in dieser unglaublichen Atmosphäre zu arbeiten, nur um dann oft einen sehr durchschnittlichen Champagner zu trinken und auszuschenken."

Klassik als Gemeinschaftserlebnis

Dass sich nicht nur großer Wein und große Oper gegenseitig prickelnd befruchten können, sondern auch moderne Kunst und modernes Theater, weiß auch der Salzburger Galerist Thaddaeus Ropac, der Donnerstagabend in London seine Dependance im Ely House, einem ehemaligen Bischofssitz in der mondänen Dover Street für die Festspieljubiläumspräsentation zur Verfügung stellte: "Was Salzburg für mich wirklich darstellt, ist dieser Gegenwartsbezug. Weil das auch etwas ist, was mich interessiert als Galerist, der mit Künstlern arbeitet. Was ich in vielen Jahren bei den Salzburger Festspielen gelernt habe, ist, wie man Musik in die Gegenwart führt."

Und das genau ist es, was Markus Hinterhäuser mit den Festspielen immer wieder vermitteln will, ein Intendant der mit seinem Programm nach Gerard Mortier in den 1990 Jahren erstmals wieder dafür einsteht, dass die Salzburger Festspiele nicht nur ein Festival für die Reichen und Schönen ist: "Das ist an sich wunderbar, dass wir noch in der Lage sind, das soziale Phänomen herzustellen, dass sich Menschen ohne sich zu kennen verabreden, an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort einer bestimmten Musik zuzuhören. Das hat eine hohe soziale Komponente, eine Komponente der Gemeinschaft."

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