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Szenenfoto aus der Netflix-Serie: “Salz. Fett. Säure. Hitze.”

Nudelteig wird in Zeitlupe geknetet, die Schärfentiefe beim Parmesanreiben ist so gering, dass man die einzelnen Flocken im Gegenlicht rieseln sieht und während das Soffritto im Topf brutzelt, läuft klassische Musik. Effekte wie diese kennt man eventuell von der Serie "Chef's Table" – die neue Netflix-Serie "Salz. Fett. Säure. Hitze." ist aber viel besser.

Denn hier nimmt Köchin und Autorin Samin Nosrat den Zuschauer mit auf eine Reise zu den vier Elementen, die – ihrer Meinung nach – gutes Kochen ausmachen, eben: Salz, Fett, Säure und Hitze. Jede Folge widmet sich einem der Elemente: Nosrat besucht einen Olivenhain und zerlegt – Achtung, nix für Vegetarier! – Schweinehälften in Italien (Fett), sie zeigt das Geheimnis guter Sojasauce in Japan (Salz) und spaziert über einen Zitrus-Markt in Mexiko (Säure). Das Element Hitze führt sie am Ende schließlich zurück an den kalifornischen Herd, an dem sie zusammen mit ihrer Mutter persischen Reis kocht.

Szenenfoto aus der Netflix-Serie: “Salz. Fett. Säure. Hitze.”

Szenenfoto aus der Netflix-Serie: “Salz. Fett. Säure. Hitze.”

Hochglanz-Serie fürs Herz

Optisch steht "Salz. Fett. Säure. Hitze." anderen erfolgreichen Food-Formaten wie "Chef's Table" oder Anthony Bourdains "Parts Unknown" in nichts nach. Viele appetitliche Details hier, wunderschöne Drohnenaufnahmen über leuchtende Landschaften dort. Aber es gibt durchaus Unterschiede: "Das Ziel von 'Chef's Table' ist, dass die Geschichte den Zuschauer so bewegt, dass man unbedingt ins Restaurant des Kochs gehen möchte, um sein Essen zu probieren. Ich wollte, dass man nach meiner Sendung loszieht und die Gerichte selbst kocht", erklärt Samin Nosrat im Interview mit dem Guardian.

Das ist aber nicht der einzige Unterschied: Denn "Salz. Fett. Säure. Hitze." ist nicht nur was fürs Auge und für den Magen, sondern auch fürs Herz. Und das liegt vor allem an der Gastgeberin selbst: Samin Nosrat wächst in Kalifornien als Kind iranischer Einwanderer auf. Eigentlich soll sie Ärztin werden – so wie alle iranischen Kinder, wie sie selbst sagt. Aber sie interessiert sich für Poesie und studiert Literatur. Durch einen Nebenjob im kalifornischen Sternelokal "Chez Panisse" landet sie schließlich in der Küche. Als Außenseiterin muss sie alles, was für die Köche dort selbstverständlich ist, erst lernen. Und sie beschließt, das Gelernte aufzuschreiben.

Von der Bestseller-Liste ins Fernsehen

Ihr Buch "Salt, Fat, Acid, Heat" ist kein gewöhnliches Kochbuch, sondern ein Lehrbuch. Der Inhalt so einfach wie revolutionär: Wer die vier Elemente Salz, Fett, Säure und Hitze versteht und beherrscht, kann laut Nosrat alles kochen – und zwar köstlich. Das Buch wird ein voller Erfolg, wochenlang steht es in den USA auf den Bestsellerlisten. Seit August ist es auch auf Deutsch erhältlich.

Szenenfoto aus der Netflix-Serie: “Salz. Fett. Säure. Hitze.”

Szenenfoto aus der Netflix-Serie: “Salz. Fett. Säure. Hitze.”

Während das Buch erklärt, wann was gesalzen werden muss (Fleisch etwa mindestens ein bis zwei Tage vor dem Kochen) und welches Fett man für welches Gericht verwendet (z.B. kein Olivenöl, wenn man ein koreanisches Gericht kocht), bleibt die Serie näher an der Autorin. Man sieht, wie Samin Nosrat alles genießt, was sie probiert, wie herzlich sie lacht und wie sie die italienische Nonna mit echter Neugier und in fließendem Italienisch nach den Zutaten für ligurisches Pesto fragt. Ab und an fließt auch mal ein Tränchen, wenn zum Beispiel Parmesan besonders gut schmeckt oder sie Zwiebeln schneidet und dabei lachend kommentiert, dass Weinen und Lachen nun mal die Geschichte ihres Lebens sei.

Badass Ladies statt weißer Männer

Dass in der Serie vor allem farbige Frauen, ältere Frauen und Hausfrauen, die für ihre Arbeit normalerweise keinen Ruhm erhalten, gezeigt werden und zu Wort kommen, ist Absicht. Und harte Arbeit. "Natürlich wäre es einfacher gewesen einfach den ersten Google-Treffer zu kontaktieren. Nur war das meistens ein Mann. Ein weißer Mann", sagt Samit Nosrat gegenüber dem Guardian.

Szenenfoto aus der Netflix-Serie: “Salz. Fett. Säure. Hitze.”

Szenenfoto aus der Netflix-Serie: “Salz. Fett. Säure. Hitze.”

Sie überzeugte ihr Team davon, mehr Telefonate zu führen, um all die "badass ladies of different ages and colours" zu finden, die man nun in der Serie sieht. In den vier Folgen gibt es keine Egomanen und Platzhirsche, keine Primadonnen und keine Küchen-Künstler, sondern nur echte und sympathische Menschen, die für gute Produkte schwärmen und gutes Essen lieben. Und die man am liebsten alle selbst besucht hätte.