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Sakrales Erbe: Wo Rosenkränze und Heiligenfiguren landen | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Sakrale Erbstücke: Rosenkranz und Heiligenbildchen

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    Sakrales Erbe: Wo Rosenkränze und Heiligenfiguren landen

    Geld zu vererben, ist relativ unkompliziert. Aber oft geht es auch darum, ein Haus mit einer jahrzehntelangen Geschichte auszuräumen. Schon das alte Service will aber keiner haben. Doch was geschieht mit sakralen Gegenständen, die keiner haben will?

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    Ein kleines Gebetsbuch mit Bildern und persönlichen Notizen der Schwester, der Rosenkranz, mit dem die Oma schwere Stunden überstand, das Heiligenbild des Onkels im Schlafzimmer, das Kreuz in der Essecke der Eltern. Die meisten Angehörigen haben für solche Erbstücke keine Verwendung. Doch ein Gebetbuch wirft man nicht so einfach in den Papiercontainer und eine Heiligenstatue nicht auf den Sperrmüll. Was also passiert mit all den kleinen und großen persönlichen Heiligtümern?

    Heilige Gegenstände entsorgen?

    Laut römisch-katholischem Kirchenrecht sind diese Gegenstände weder Kunst- noch Kitschobjekte. Es sind besondere Andachtsgegenstände, sogenannte Devotionalien. Sind sie von einem Pfarrer gesegnet worden, gelten sie als Sakramentalien und haben eine besondere Wirkung. Sie stehen als Verweise auf die Kirche, auf Gott und das Jenseits und sind damit laut Kirchenrecht "Res sacrae" - Heilige Dinge. Damit ist auch die Aufforderung verbunden, sie vor einer allzu weltlichen Verwendung zu schützen.

    In diversen Internet-Foren diskutieren und beraten sich Angehörige über mögliche Optionen: im Garten vergraben etwa, im Osterfeuer verbrennen oder mit dem Zug auf die Reise schicken, das sind Ideen, über die sich Erben austauschen. Doch es gibt auch die Möglichkeit, die Gegenstände abzugeben oder zu spenden.

    Das Diözesanmuseum in Freising: ein Ort für Devotionalien

    Dr. Christoph Kürzeder, Leiter des Diözesanmuseums in Freising, bekommt wöchentlich Anrufe von Erben. Bilder, Skulpturen, Wachsstöcke, Weihwasserkessel - es sind Dokumente des religiösen Alltagslebens, die hier aufbewahrt werden. "Natürlich sind wir ein Ort, an dem man die Dinge abgibt, die einem selber nichts mehr sagen. Wo man aber weiß, dass die Großmutter dazu noch eine enge Bindung hatte", erzählt Kürzeder. In seinem Museum bewahrt er tausende Rosenkränze auf, in den unterschiedlichsten Formen und Qualitäten. Die Scheu, solche Hinterlassenschaften wegzuwerfen, sei sehr groß, sagt der Museumsleiter: "Die Entsorgung heiliger Dinge ist ein großes Problem, ein großes psychologisches Problem." In der Geschichte hat man oftmals Dinge anderweitig verwendet. Für ihn ist eine Umarbeitung und Neuinterpretation von Rosenkränzen deshalb durchaus legitim. Manche Menschen tragen einen Rosenkranz heute sogar als Mode-Accessoire, oder hängen ihn als Erinnerung und heiligen Schutzbringer an den Rückspiegel ihres Autos.

    Alles annehmen könne das Diözesanmuseum nicht. Der Theologe und Volkskundler rät deshalb: "Die Dinge an Menschen weitergeben, die sie schätzen. Oder manchmal müssen religiöse Gegenstände ein, zwei Generationen überdauern. Dann werden sie auch wieder als gut befunden."

    Loslassen lernen

    Auch Richard Steiner, Priester im Ruhestand im oberbayerischen Kochel, stehen solche wichtigen Entscheidungen bevor. Es geht um seine eigenen heiligen Dinge, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Er will sich selbst darum kümmern, was mit ihnen geschieht. Bei den Texten seiner alten Predigten fällt ihm der Abschied nicht so schwer, vieles sei veraltet und würde er so nicht mehr sagen. Was aber ist mit der großen Heiligenstatue, dem Abschiedsgeschenk einer Pfarrei? "Wo soll ich das hinbringen? Da bin ich im Grunde hilflos", sagt Steiner. Alles was ihm wichtig ist, will er in guten Händen wissen und gezielt verschenken. Für seinen Primizkelch aus Silber und Gold, mit dem er 55 Jahre lang die Messe feierte, hat er bereits einen Platz in Kochel gefunden. Er bleibt in der Pfarrei.

    Das sei das Grundthema: loslassen, abgeben, weggeben, ausatmen, meint Steiner: "Das ist so schwer, weil das ist unmittelbar mit dem Tod konfrontiert, weshalb ich mir sage: Ich muss das regeln. So überlege ich halt ein bisschen. Hoffentlich bleibt mir noch die Zeit, dass ich alles loswerde." Die Idee, die in den Internet-Foren diskutiert wird, hat auch er: Die sakralen Gegenstände, die keiner braucht oder will, will er zum Osterfeuer in Kochel bringen und verbrennen. Denn das sei das Schönste, sagt der Priester im Ruhestand: "Das Heilige zum Heiligen."

    Mehr zum Thema "Sakrales Erbe" erfahren Sie in STATIONEN am Mittwoch, den 9. September, um 19 Uhr im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.