Sonnwendfeuer am Irschenberg über der Autobahn München-Salzburg.
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Zu Johannis lodern vielerorts in Bayern Feuer - wie hier am Irschenberg.

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Johannis am 24. Juni: Täufergedenken und Lostag

Der Johannistag, sechs Monate vor Weihnachten, erinnert an Johannes den Täufer. Das ist kein Zufall: Johannes war der Alten Kirche sehr wichtig. Die Sommersonnenwende auch. In Bayern brennen Johannisfeuer. Und traditionell endet die Spargelernte.

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Nicht durch Zufall liegt der Johannistag zu Ehren Johannes des Täufers genau sechs Monate vor Weihnachten. Die Bibel schildert den jüdischen Bußprediger, der als Asket in der Wüste von Galiläa gelebt haben soll, als wichtigen "Vorläufer", als Wegbereiter Jesu.

So sagt Johannes in einer biblischen Geschichte in Bezug auf Jesus: "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen." Außerdem soll Johannes ein halbes Jahr älter als Jesus gewesen sein. Für die Theologen der Alten Kirche lag daher die Idee nahe, den Geburtstag Jesu zur Wintersonnenwende, den des Johannes zur Sommersonnenwende zu datieren. Denn für die damals junge christliche Religion war es wichtig, dass die Lebensgeschichten Jesu sich auch in einem Festkreis das ganze Jahr über wiederfinden und feiern lassen.

Johannistag - genau ein halbes Jahr vor Weihnachten

Ursprünglich lagen sowohl Weihnachten als auch der Johannistag genau auf der Winter- bzw. Sommersonnenwende, also zur längsten Nacht und dem längsten Tag des Jahres, eigentlich dem 21. Dezember und dem 21. Juni. Dass sowohl Weihnachten als auch der Johannistag heute ein paar Tage nach der kalendarischen Sonnenwende liegen, hat seinen Grund in der Kalenderreform und der Umstellung auf den gregorianischen Kalender im 16. Jahrhundert.

Daher gibt es auch eine gewisse Unschärfe in der Tradition: Johannisfeuer oder Sonnwendfeuer meinen eigentlich dasselbe. Entgegen landläufiger Behauptungen ist das Brauchtum, zu diesem Termin ein großes Feuer zu entfachen wohl eher nicht heidnischen Ursprungs und dann christlich vereinnahmt worden, so Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege im Gespräch mit dem BR.

Feuerbräuche zum Sonnwendtermin keineswegs uralt

Zwar wurde der Termin der Sonnwende schon vor Jahrtausenden rituell gefeiert wie unter anderem archäologische Stätten wie das berühmte Stonehenge zeigen, für Feuerbräuche zur Sonnwende in vorchristlicher Zeit aber gebe es zumindest keine Belege, sagt der Historiker und Volkskundler. "Nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand meint man, dass diese Feuerbräuche tatsächlich erst zur Zeit des frühen Christentums aus dem Orient allmählich hier nach Europa eingewandert sind."

Auch passte die Symbolik des Feuers wiederum zu Johannes, der als Vorläufer Jesu seine Anhänger am Jordan mit Wasser getauft haben soll, während er ankündigte, es werde einer kommen, der stärker sei als er, Johannes. In der Bibel heißt es: "Ich taufe euch mit Wasser (...), er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen."

Johannisfeuer und Waldbrandgefahr

Seit dem Mittelalter ist die Tradition der Johannisfeuer belegt. Früher fanden sie auch in Städten statt, doch wegen der Brandgefahr wurden Johannisfeuer nach und nach eher zu einer Tradition des ländlichen Raums. Wegen der zunehmenden Trockenheit und der damit einhergehenden Waldbrandgefahr haben in den vergangenen Jahren allerdings auch immer wieder Gemeinden ihre Johannisfeuer auf den Feldern oder Berggipfeln abgesagt.

Lostag und wichtiger Termin für Landwirte

Als Lostag gilt Johannis traditionell auch als wichtige Marke für langfristige Wetterbestimmung. Davon zeugen Bauernregeln wie: "Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen" oder "Kirschen rot, Spargel tot". Traditionell markiert der Johannistag das Ende der Spargelsaison. Danach sollen die Spargelpflanzen sich erholen dürfen.

Oder: "Wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst du richten deine Sensen" Gemeint sind mit "Johanniswürmern" Glühwürmchen, die Ende Juni besonders gut zu beobachten sind. Dieser Termin steht in der Landwirtschaft traditionell für den Beginn der Heuernte. Doch auch das hat sich natürlich heute alles verschoben: die meisten Wiesen sind schon längst gemäht, Johannis hin oder her.

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