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Ertan Toprak von der "Initiative Säkulare Muslime"
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Marie Wildermann
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Ertan Toprak von der "Initiative Säkulare Muslime"

Wenn die Deutsche Islam Konferenz (DIK) am 28. November in die 4. Runde startet, ist erstmals eine Organisation aus säkularen Muslimen dabei. Die Mitgliedernamen der "Initiative Säkularer Islam" lesen sich wie das Who ist Who der deutschen Islamkritik: Hamed Abdel-Samad, Lale Akgün, Seyran Ates, Ralph Ghadban, Necla Kelek, Mouhanad Khourchid, Ahmad Mansour, Susanne Schröter, Bassam Tibi. Und als Hauptinitiator Ali Ertan Toprak.

In den vergangenen Jahren waren säkulare Muslime in den Islamkonferenzen nur als Einzelstimmen vertreten. Gegenüber den Islamverbänden hatten sie wenig Gewicht. Aber man müsse den konservativen und reaktionären Kräften, die die öffentliche Debatte bestimmten, etwas entgegensetzen, sagt der Alevit Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland.

"Achtzig Prozent der Menschen sind nicht in diesen Verbänden organisiert und es ist an der Zeit, dass auch die Politik diese Nicht-Organisierten, und ihre Anliegen vor allen Dingen, wahrnimmt, und dass die Deutungshoheit nicht alleine den Islamverbänden überlassen wird." Ali Ertan Toprak

"Initiative Säkularer Islam" heißt die Organisation, die unter seiner Federführung an der diesjährigen Deutschen Islamkonferenz teilnimmt. Warum sich die Initiative "säkularer Islam" nennt, nicht "liberale oder progressive Muslime", erklärt Toprak so

Unter diesem Begriff Säkularität können sich unterschiedliche Gruppen wiederfinden, auch gläubige konservative Menschen, die einfach ihren Glauben leben, aber auch ein Problem mit dem Verbands-Islam haben oder mit dem politischen Islam haben. Die für sich im Privaten ihren Glauben leben, aber nicht wollen, dass Glaube mit Politik vermischt wird.

Staat und Religion sollen getrennt sein

Toprak hat als Referent für Cem Özdemir gearbeitet. Wegen der Islampolitik der Grünen verließ er 2011 die Partei und wechselte 2014 zur CDU. Die Bezeichnung "Säkularer Islam" ist ihm auch deswegen wichtig. Sie zeige die Trennung von Politik und Staat und die Neutralität des Staates. Auch im Hinblick auf Moscheen und Koranschulen sei Neutralität wichtig. Aber bislang sei das Gegenteil der Fall, sagt Toprak

"Wir kritisieren ja die Verbände und vor allem DITIB vorneweg, die aus dem Ausland dirigiert wird, aus der Türkei. Und DITIB hat in erster Linie eine politische Funktion, auch wenn sie sich immer als Religionsgemeinschaft darstellt, möchte die DITIB die Türkei stämmigen Migranten bis in alle Ewigkeit an sich binden und dort eine nationalislamistische Politik-Agenda umsetzen und wir sehen ja die Ergebnisse dieser Politik in den letzten Jahren zunehmend. Ich rede nicht mehr von Parallelgesellschaften, sondern von Gegengesellschaften, die aktiv und aggressiv unsere Werte in Frage stellen."

Die Initiative vertritt die Werte der Aufklärung

So unterschiedlich die Mitglieder der "Initiative Säkularer Islam" auch sind: den Werten der Aufklärung wissen sich alle verpflichtet, und dazu gehört vor allem die Religionskritik. Selbstverständlich auch: die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die sexuelle Selbstbestimmung und die Meinungsfreiheit. "Viele von uns leben unter Polizeischutz, und das ist doch einer der größten Skandale dieser Zeit, dass das einfach so hingenommen wird."

Die diesjährige Islamkonferenz hat keine speziellen Themen auf der Agenda, sondern will den Rahmen bieten für – wie es auf der Webseite heißt – "Dialog und Austausch von und mit Muslimen über die übergeordnete Frage, wie ein Islam in, aus und für Deutschland entstehen kann und aussieht"

Diese Frage sei aber schon längst zugunsten eines reaktionären Islam in Deutschland entschieden, kritisiert die "Initiative Säkularer Islam" und hofft, dass sie die Islamkonferenz von einem Kurswechsel überzeugen kann. Und auch für die schweigende Mehrheit der Kulturmuslime in Deutschland will sie ein Signal setzen.