| BR24

 
 

Bild

Rymden-Trio
© Egil Hansen

Autoren

Markus Mayer
© Egil Hansen

Rymden-Trio

Das Esbjörn Svensson Trio war eines der erfolgreichsten Jazz-Trios der letzten 50 Jahre. Als der Bandleader Esbjörn Svensson 2008 überraschend bei einem Tauchunfall starb, war keine Formation absehbar, die es hätte beerben können. Jetzt hat sich die verbliebene Rhythmusgruppe aus Schlagzeuger Magnus Öström und Bassist Dan Berglund mit dem norwegischen Pianisten Bugge Wesseltoft zusammengetan.

Keine Esbjörn Svensson-Wiederauflage

Es hätte auch eine abgefeimte, lustlose All-Star-Band werden können, die durchaus naheliegende, überaus reizvolle Kombination der Schweden aus dem Esbjörn Svensson Trio mit dem norwegischen Tastenkünstler Bugge Wesseltoft. Wurde es aber nicht, auch weil die Künstler bestimmte Prinzipien beachtet haben, die die Glaubwürdigkeit fördern. Da wäre die Tatsache zu nennen, dass es sich bei den drei Musikern um Gleichaltrige handelt. Man gehört derselben Generation an, wurde durch ähnliche Ereignisse und Künstler geprägt. Was auch bedeutet: Hier herrscht kein Lehrer-Schüler-Verhältnis, kein "hier ist oben und ihr seid unten", sondern hier sind drei gleichberechtigte Geister am Werk, die einander entsprechenden Raum geben. "Rymden", der Gruppenname bedeutet "Raum" im Nordischen.

Rymden - Reflections and Odysseys

Rymden - Reflections and Odysseys

"Musikalisch können wir uns auf viele ähnliche Bezüge berufen", erzählt Bandleader Bugge Wesseltoft. "Wir sind gleich alt und haben, unterstelle ich mal, einen ähnlichen Humor." Und natürlich versucht Wesseltoft erst gar nicht, Esbjörn Svensson, diesen im Grunde Klavier spielenden Rockmusiker, zu kopieren oder sich an dessen Spiel anzupassen. Wesseltoft, der bei Konzerten immer wieder überrascht mit einem "Habt Ihr gerade diesen Wahnsinnsakkord gehört?"-Blick ins Publikum schaut, ist, verglichen mit Svensson, eher ein Klangdesigner, ein Wenig-Spieler, ein Weniger-ist-mehr-Virtuose.

Der Groove des Nordens

Er setzt auch Synthesizer ein und spielt bei drei Stücken auf "Reflections & Odysseys" ein impressionistisch wirkendes Fender Rhodes-Piano, was vollkommen andere, weiche Klangfarben wie aus den 70er-Jahren ins Spiel bringt. Auf dem Promotion-Video zum Debütalbum geben die Fifty-Somethings, Bugge Wesseltoft und Bassist Dan Berglund sowie Schlagzeuger Magnus Öström, Auskunft über ihr Projekt. Wesseltoft sagt, was er immer sagt in Interviews, was aber auch wirklich wichtig ist: "Ich finde, dass wir Skandinavier auch grooven können, halt nicht so wie die Afro-Amerikaner. Wir betonen eben die Eins, bei afrikanischer Musik liegt der rhythmische Schwerpunkt auf der Zwei und der Vier. So funktioniert die Soul Music. Als ich jung war, hab' ich immer versucht, so wie amerikanische Musiker zu klingen, die afroamerikanische Soul Music und dieses tolle Erbe in mich aufzunehmen, aber je älter ich wurde, desto mehr wurde mir klar, dass ich von hier bin und ich begann, diese solide Art des Musizierens zu schätzen. Mir gefällt das jetzt."

Und so verwendet das Rymden Trio auf seinem Debüt diverse Liedformen der skandinavischen Folklore, zweckentfremdet im Titel "Homegrown" Kirchenlied-Ästhetik. Dass Schlagzeuger Öström manchmal etwas schwerfällig agiert, ist ein Manko, das sich noch ändern kann. Alles in allem haben die drei Skandinavier ein wirklich gutes Debüt als Trio vorgelegt, kein Meisterwerk, aber eine ziemlich tolle Platte mit inspiriertem Euro-Jazz.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!

Autoren

Markus Mayer

Sendung

kulturWelt vom 12.02.2019 - 08:30 Uhr