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Ruhrtriennale-Chefin Stefanie Carp bekommt "starken Vize" | BR24

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Stefanie Carp

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    Ruhrtriennale-Chefin Stefanie Carp bekommt "starken Vize"

    Eine klare Botschaft vom Aufsichtsrat: Nach der Krise um die Einladung einer israelkritischen Band wird die unglücklich taktierende Festivalchefin mit Jürgen Reitzler eine "erfahrene Spitzenkraft" als Stellvertreter und Manager beigestellt bekommen.

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    Schon nach ihrem ersten Sommer auf der Ruhrtriennale, dem Festival, das alte Industriehallen im Ruhrgebiet bespielt, schien Intendantin Stefanie Carp nicht mehr an der Spitze zu halten zu sein. Sie hatte die schottische Band "Young Fathers" eingeladen, die sich ausdrücklich nicht von der israelkritischen BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestment, Sanktionen) distanzieren wollte. Nach öffentlichem Druck hatte Carp die Musiker schließlich aus-, dann abermals eingeladen, doch die Band sagte ab. Die Empörung war groß, im August gab es eine lautstarke Podiumsdiskussion über Antisemitismus, bei der die Intendantin äußerst ungeschickt formulierte und zahlreiche Israelfreunde im Publikum gegen sich aufbrachte. Es hagelte Rücktrittsforderungen, wenige rechneten damit, dass Carp im Amt blieb, obwohl die parteilose nordrhein-westfälische Kulturministerin Isabell Pfeiffer-Poensgen der Intendantin halbherzig den Rücken stärkte. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erschien demonstrativ nicht zur Festivaleröffnung, der Landtag diskutierte den Fall.

    Schallende Ohrfeige für Stefanie Carp

    Damit war Stefanie Carp angezählt. Nun entschied der Aufsichtsrat: Die teilweise überforderte Festival-Macherin darf ihre restlichen zwei Jahre bleiben, bekommt jedoch eine Art Aufpasser. Als "Stellvertreter der Intendantin mit Prokura" soll der bisherige künstlerische Betriebsdirektor Jürgen Reitzler dafür sorgen, dass "die Geschäftsabläufe im künstlerischen Betrieb verbessert und die internen Verantwortlichkeiten präzise festgelegt" werden.

    Eine schallende Ohrfeige für Carp, wie auch die Formulierung in der Pressemitteilung des Aufsichtsrats, es sei gelungen, eine "hervorragende und erfahrene Spitzenkraft zur Stärkung der Intendanz der Ruhrtriennale" zu finden: "Der Aufsichtsrat ist übereingekommen, dass diese personelle Verstärkung der Intendanz und die damit einhergehende Neuorganisation eine bessere Vorbereitung der beiden kommenden Spielzeiten gewährleistet. Bezogen auf den künftigen Umgang mit der BDS-Bewegung hat der Aufsichtsrat die zwischenzeitlich erfolgte einvernehmliche Beschlussfassung des Landtages Nordrhein-Westfalen zu diesem Thema diskutiert. Er erwartet, dass dieser Beschluss von der Geschäftsführung beachtet wird. Die Intendantin Dr. Stefanie Carp hat das zugesichert."

    2019 soll über Nachfolge entschieden werden

    Schon im Frühjahr nächsten Jahres will der Aufsichtsrat entscheiden, wer ab 2021 für die üblichen drei Jahre die nächste Ruhrtriennale übernimmt. Mit Stefanie Carp war eine langjährige, sehr erfolgreiche Dramaturgin verpflichtet worden, die allerdings keinerlei Führungsverantwortung vorzuweisen hatte und der jede Erfahrung im Umgang mit Großinstitutionen fehlte. Dafür hatte sie wegweisende Theater-Arbeiten mit dem Regisseur Christoph Marthaler verwirklicht und gilt als eine der profiliertesten Theoretikerinnen in Dramaturgie-Fragen.