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Rufus Wainwright ist wieder da! | BR24

© Bild: MPIFS capitalpictures / Audio: BR

Er ist wieder da: Rufus Wainwright mit seinem ersten Pop-Album nach 8 Jahren

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Rufus Wainwright ist wieder da!

Nach zwei Opern und Interpretationen von Shakespeare-Sonetten kehrt Rufus Wainwright in die Pop-Familie zurück: Sein neues Werk "Unfollow The Rules" ist charmante Abrechnung mit seinen Kritikern aus der Hochkultur.

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Irgendwann werden sie alle rückfällig – eine Weisheit der Unterhaltungsindustrie, die auch für Rufus Wainwright gilt. Der gebürtige Kanadier hatte sich 2012 aus der Pop-Welt verabschiedet, um sich der Klassik zu widmen. Jetzt hat er doch wieder ein Pop-Album gemacht, mit dem passenden Titel "Unfollow The Rules". Der Grund: Er habe feststellen müssen, dass Kritiker aus der Klassik kein Verständnis für Melodie haben. "Fast so, als wären sie dagegen geimpft – oder zu intellektuell dafür. Jedes Mal, wenn sie eine hören, denken sie: 'Das passt doch nicht wirklich.' Dabei ist es so: Wenn man heutzutage in die Oper geht, laufen da nur Stücke aus dem 19. Jahrhundert – mit exakt den Melodien, auf die ich mich beziehe."

Rückbesinnung auf die Ursprünge

Der Frust hat ihn kreativ werden lassen. In "Unfollow The Rules" besinnt er sich auf das, womit ihm Ende der 90er-Jahre der große Durchbruch gelang: Warme, harmonische Klänge, basierend auf Klavier, Streichern, Gitarren und komplexen Vokalarrangements. Mit einem Hang zum Bombastischen und oft auch Sakralen. Und mit Anleihen bei Vaudeville, Jazz, Country und dem Folk-Rock der frühen 70er. Kein Zufall, wie Wainwright zugibt: "Ich bin wieder nach Kalifornien gezogen, habe viel Zeit mit Joni Mitchell verbracht und den 20. Geburtstag meines Debüts gefeiert. In meinem Kopf schwirrte also viel von dieser Laurel Canyon-Songwriter-Tradition herum – und deswegen hat das Album nichts mit dem zu tun, was gerade angesagt ist. Aber: es ist kein großes Statement. Ich bin der Meinung, dass alles, was als bewusster Gegenpol angelegt ist, sich zwangsläufig als Reinfall erweist. Es klappt nur, wenn man nicht groß darüber nachdenkt."

Die Kraft des Unterbewussten

Wainwright setzt auf das Intuitive, das Direkte der Musik. Genau das macht die zwölf Stücke so packend – sie wirken ehrlich und natürlich. Das gilt auch für die Texte, die keine große Botschaft enthalten, sondern einfach nette Einsichten in des Künstlers Privatleben als Ehemann wie Vater sind - die Wainwright als geläutertes Enfant terrible zeigen, das oft nostalgisch und gelegentlich auch mal kokett ist. Etwa im Stück "Trouble In Paradise", das er Vogue-Chefin Anna Wintour widmet. "Es ist als Kompliment gedacht. Also weniger an sie, als an das Image, das sie für sich kreiert hat und das mich sehr beeinflusst hat. Wobei ich denke, dass ihr so etwas ständig passiert. Sie zählt zu den einflussreichsten Frauen der Welt. Da gehört es quasi dazu, dass andere über dich schreiben. Und ich hoffe, sie hat kein Problem damit. Zumal mein Song ziemlich positiv ist. Als Opern-Queen liebe ich Bösewichte. Sie sind meine absoluten Favoriten."

Das Album eines gereiften Songwriters

Mit 46 hat Rufus Wainwright seine Sturm- und Drangphase überwunden und den Bad Boy abgestreift. Auf "Unfollow The Rules" präsentiert er sich als reifer Songwriter, der seinen Hörern genau das vermitteln will, was er im modernen Amerika so schmerzlich vermisst: Ein bisschen Empathie, ein bisschen Weitsicht und Menschlichkeit. Bei den kommenden Präsidentschaftswahlen, so witzelt er, würde er alles wählen, was blau ist – selbst einen Türknopf. "Wahrscheinlich schafft es Biden. Und auch ich werde für ihn stimmen. Einfach, weil ich genug von Trump habe. Wahrscheinlich sollte die gesamte Welt aber besser von Frauen regiert werden. Einfach, weil das jahrelang Männern vorbehalten war und nicht funktioniert hat. Also lasst es uns mit Frauen probieren. Einfach als Versuch – als Experiment."

© BMG Rigths / BR Media

Rufus Wainwright: "Unfollow The Rules"

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