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Roland Emmerich: Pandemie ist wie "Katastrophenfilm in Zeitlupe" | BR24

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Bildrechte: Richard Shotwell/Picture Alliance

Roland Emmerich

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    Roland Emmerich: Pandemie ist wie "Katastrophenfilm in Zeitlupe"

    Gerade hat er seinen Science-Fiction-Film "Moonfall" abgedreht - unter schwierigsten Bedingungen. Die Mitwirkenden wurden drei Mal die Woche getestet, Kameraleute saßen in Plexiglas-Kabinen - und Corona erinnert Emmerich an seine Weltuntergangs-Epen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Er ist der Inbegriff des Mega-Katastrophen-Filmers: "Jeder sagt mir, dass sich die Pandemie anfühlt wie ein nicht enden wollender Roland-Emmerich-Film", so der berühmte Regisseur mit Sinn für Selbstironie im Interview mit dem Branchen-Portal "Deadline". Und dabei hat ihn die Corona-Krise selbst heftig getroffen. Kurz vor Beginn der Dreharbeiten seines neuen Science-Fiction-Films "Moonfall" im Frühjahr letzten Jahres kam der Lockdown, damals steckten er und sein Team gerade in Kanada mitten in den Vorbereitungen und hatten bereits "sechs bis sieben Millionen Dollar" ausgegeben, so Emmerich, der an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen studiert hat und seit 1992 in Hollywood erfolgreich ist.

    Im Budget war plötzlich "ein großes Loch"

    Das Projekt hätte durchaus scheitern können, wären nicht nervenstarke chinesische Geldgeber gewesen und Banken und Versicherungen, die dann doch irgendwie mitmachten. Drei bis vier Monate sei alles in der Schwebe gewesen, so Emmerich, und die fünf bis sechs Millionen Dollar, die allein die Hygienemaßnahmen am Set verschlangen, seien natürlich auch nicht budgetiert gewesen: "Das ist ein großes Loch." Letztlich sei es ein "großes Wunder" gewesen, dass die unabhängige Produktion überhaupt abgeschlossen werden konnte. Die 140 Millionen Dollar Gesamtkosten finanzierten weder große Studios, noch ein Streamingdienst, sondern ein Konglomerat von Finanziers, darunter Fred Kogels "Leonine-Holding" mit Sitz in München, der kanadisch-amerikanische Konzern "Lionsgate" und die Huayi Brothers, der größte chinesische Medienkonzern in privater Hand.

    © 20th Fox/Picture Alliance
    Bildrechte: 20th Fox/Picture Alliance

    Lieblingspose: Welt retten

    Glück im Unglück hatte Emmerich nach eigener Aussage mit dem Drehort Montreal in Kanada, weil dort die Infektionszahlen im vergangenen Sommer deutlich niedriger waren als in Los Angeles. Das gesamte Produktionsteam sei drei Mal die Woche durchgetest worden, Masken und Brillen am Set verpflichtend gewesen, um alle Monitore und Kameras Plexiglas-Kabinen aufgebaut worden, die Schauspieler hätten bei den Proben ebenfalls Masken tragen müssen und bei all dem seien tonnenweise Protokolle geschrieben worden. Trotzdem gab es vier Tage vor Drehschluss ein positives Testergebnis, das sich allerdings später als falsch herausstellte. Dennoch verzögerte der Vorfall die Beendigung der Arbeiten.

    Beim Rohschnitt hat er "Selbstmordgedanken"

    In den vergangenen zehn Tagen überließ Emmerich, der "Master of Desaster", den ersten Rohschnitt seinen Cuttern und will sich demnächst das Ergebnis ansehen, dabei habe er immer "Selbstmordgedanken", so der Regisseur, aber er werde ja noch unzählige Versionen des Films sehen, der vertragsgemäß bis zum 22. Oktober fertiggestellt sein soll. Wann er dann in die Kinos kommt, steht noch nicht fest, aber die große Leinwand ist für Emmerich auf jeden Fall ein Muss, auch, wenn er prinzipiell nichts gegen Streamingdienste hat, zumal viele Leute inzwischen hervorragende Fernseher hätten.

    Zu den Stars von "Moonfall" gehören Halle Berry, Patrick Wilson, Donald Sutherland, Charlie Plummer und John Bradley. Auch Michael Peña ist dabei, nachdem Stanley Tucci wegen Reisebeschränkungen nicht an den Drehort kommen konnte. Bei der Rolle soll es sich um einen reichen Autoverkäufer namens Tom Lopez handeln. Im Film geht es um einen Asteroiden-Einschlag auf dem Mond, der daraufhin Richtung Erde geschleudert wird. Die ganze Hoffnung liegt auf einem in Ungnade gefallenen Astronauten (Patrick Wilson, 47) und seiner frühere Kollegin (Halle Berry, 54), die erstens die Katastrophe verhindern und zweitens die Ursache ermitteln sollen. Dabei müssen sie mit ihrem Team erst mal die geologischen Geheimnisse des Mondes ergründen.

    Dreh in Mexiko angedacht

    Unter den möglichen künftigen Projekten von Roland Emmerich ist die Verfilmung von John Coe Robbins' historischem Roman "Maya Lord" über den spanischen Schiffbrüchigen Gonzalo Guerrero, der 1511 von einem Mayastamm gefangen genommen wird, sich mit der fremden Kultur anfreundet und zum Kriegshelden der Ureinwohner im Kampf gegen die spanischen Eroberer unter der Führung von Hernán Cortés wird. Guerrero, der trotz dürftiger Quellenlage wirklich gelebt haben soll, heiratete die Tochter eines Maya-Häuptlings und gilt als der Urvater von Mischlingsfamilien in Mittelamerika. Derzeit lässt Emmerich von einem mexikanischen Produzenten prüfen, ob Mexiko den Dreh mit Steuernachlässen unterstützen kann.

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