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Rock ohne Aggression: das neue Album "Life After" von Palace | BR24

© Jono White

Die Londoner Indie-Band Palace – soeben ist das zweite Album "Life After" erschienen.

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Rock ohne Aggression: das neue Album "Life After" von Palace

Die Mitglieder der Londoner Indierock-Band Palace sind große Romantiker: Auf ihrem zweiten Album "Life After" ergehen sie sich in würdevoller Melancholie. Doch ein bisschen mehr Wut würde ihnen gut tun.

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Pop und Rock werden zunehmend interessant für kreative Nachkommen der Upper-Class. Kamen die meisten Rockmusiker der 60-er und 70-er Jahre noch aus der Arbeiterschaft, so haben jetzt immer mehr Songautoren und Sängerinnen einen gutbürgerlichen Background: Die Schweizer Diplomatentochter Sophie Hunger etwa, die durch höchst beeindruckende Konzerte auffiel. Oder das Londoner Indie-Rock-Trio Palace. Es wird von Leo Wyndham angeführt, der aus einer alten Adelsfamilie des Königreichs stammt.

Adel verpflichtet: Der Sound von Palace ist majestätisch

Palace aus Londons Multikulti-Stadtteil Tottenham nehmen ihren Namen jedenfalls sehr ernst. Palastgleich soll ihre Musik sein, erhaben, großzügig, bezaubernd, Schutz gewährend. Für ihren zweiten Longplayer haben die drei an einer Rockmusik ohne Aggression gefeilt – was einem Paradoxon gleichkommt, einem Widerspruch in sich, der aber möglich scheint. Zudem versucht die Gruppe, den Eindruck zu erwecken, als hätte sie alles alleine inszeniert. Tatsächlich fungierten die ausgezeichnete Produzentin Catherine Marks sowie ein weiterer Kollege namens Luke Smith als Geburtshelfer des majestätischen Palace-Zweitlings. Auf dem Cover wird ihre Funktion nicht gewürdigt. Offenbar will man autonomer scheinen, als man in Wirklichkeit ist.

© Jono White

Majestätische Melancholie: Leo Wyndham von Palace und Band

Leo Wyndham und seine Begleiter ergehen sich auf "Life After" in erlesener Gravitas und würdevoller Melancholie – Zustände, die, glaubt man den Interview-Aussagen des Sängers, aus dem Ende einer Liebesbeziehung resultieren. Das Scheitern und die sich daran anschließende Krise haben den Songschreiber Wyndham zu den neuen Liedtexten inspiriert. In "Life After" etwa, Opener und Titelsong, könnte es um eine verstorbene Freundin gehen oder um die Schwester oder die Mutter, die das Zeitliche gesegnet haben.

Palace sind große Romantiker, die ganz ohne verzerrte Gitarrentöne auskommen. Von Ferne erinnern sie an die New-Wave-Band Echo & The Bunnymen, ohne je deren klangliche Wucht und Bestimmtheit zu erreichen. Ein Gitarrist wie Bunnymen-Klangtupfer Will Sergeant würde den Palace-Jungs jedenfalls gut tun.

Erlesene Schwermut

Wyndhams Lyrics kreisen um Begriffspaare wie Licht und Schatten, Tag und Nacht, Leben und Tod. Die Musik des Albums vermittelt zwischen diesen nicht sonderlich originellen Antagonismen, transzendiert die einzelnen Bereiche – elektroakustisches Morgengrauen gleichsam, das der tiefschwarzen Nacht folgt. Auf Gitarre, Gesang und Schlagzeug wurde massenhaft Hall gelegt – als wären die klanglichen Grundfarben mit zu viel Weiß vermischt, was zu einem schwammigen, auf Dauer faden, spannungslosen Sound führt.

Nein, ein Meisterwerk ist "Life After", das zweite Palace-Album nicht, trotzdem verheißt es Großes. Einige Songs ragen hervor aus dem Einerlei: Das in einem umsichtigen Sechs-Achtel tänzelnde "Bones" etwa, das mit Cello und Geige aufwartet. Oder "Heaven Up There", der Schluss-Titel – eine zerbrechliche Hymne, die mit rückwärts eingespielten Gitarrentönen beginnt und ungewohnte Klangfarben ins Spiel bringt.

Auch wenn ein gelegentliches Aufblitzen von Wut und Zorn Palace nicht schaden dürfte: Mal sehen, wie die talentierten Palastwächter an Gitarre, Bass und Schlagzeug das Album live umsetzen. Am 24. Oktober kommen Palace übrigens nach München. Bis dahin bleibt nur dieses etwas zu lang geratene Studio-Album über Hoffnung und Neubeginn.

© CD Cover Life After, Palace

Das Album "Life After" von Palace ist bei Fiction Records erschienen.

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