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Kämpferisch unterwegs: Rita Süßmuth
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Autoren

Peter Jungblut
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Kämpferisch unterwegs: Rita Süßmuth

"Damenwahl" heißt die heute eröffnete Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt über 100 Jahre Frauen-Wahlrecht, die noch bis 20. Januar 2019 zu sehen ist. Aus diesem Anlass sprach in der kulturWelt auf Bayern 2 die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesfamilienministerin Rita Süßmuth (CDU) über ihren langjährigen Kampf um Anerkennung und politische Mehrheiten. Die gleichberechtigte Verteilung von Führungspositionen, Ämtern und Mandaten ist ihrer Meinung nur durch gesetzliche Maßnahmen erreichbar:

Ich bin nicht mehr für Quoten. Die brauchten wir, aber es geht heute darum, wie wir schrittweise zur Parität kommen, und zwar über gesetzliche Regelungen, die dann ausgefüllt werden müssen. Denn nur darauf zu warten, bis wir uns freiwillig dahin bewegen, wohin uns das Grundgesetz eigentlich führt, das reicht nicht aus. – Rita Süßmuth

"Das war mein Schlüsselerlebnis"

Als liberale Stimme innerhalb der CDU hatte es Rita Süßmuth oft sehr schwer, nicht nur mit der CSU, sondern auch im Umgang mit dem damaligen CDU-Parteivorsitzenden und Kanzler Helmut Kohl. Aber auch an Universitäten, also im akademischen Milieu, machte sie wenig ermutigende Erfahrungen.

Als ich meine eigene Bewerbung um ein Dozentenamt an einer Universität durchlief, da ist mir klar geworden, nach welchen Maßstäben Frauen beurteilt werden - immer mit der Frage konfrontiert: Was passiert, wenn sie vor ihrem Mann Professorin wird, was passiert, wenn sie gar ein Kind bekommt? Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. – Rita Süßmuth

Aufbruch in der Weimarer Republik

Aufbruch in der Weimarer Republik

"Kooperation statt Konfrontation"

Für die CDU-Politikerin gibt es durchaus einen "weiblichen Führungsstil", der auf "Zuhören und Argumentieren" beruhe, kooperativ statt konfrontativ sei. Allein auf die Unterstützung durch Männer zu warten, bringe Frauen nicht weiter, auch, wenn sie selbst diesbezüglich auch gute Erfahrungen gemacht habe.

Ich bin ja von Männern hauptsächlich gefördert worden. Aber es gehörten dazu immer die Frauen-Initiativen, und um die geht's auch heute wieder. Frauen auch in den ärmsten Entwicklungsländern leisten so viel für ein humanitäreres Miteinander leben. Kooperation statt Konfrontation. – Rita Süßmuth

Plakat zum "Frauen-Tag 1914"

Plakat zum "Frauen-Tag 1914"

"Ich habe empfindliche Verletzungen erfahren"

Es reiche nicht, nur wählen zu gehen, gerade in der aktuellen politischen Auseinandersetzung um das Wiedererstarken von Nationalismus und Populismus gelte es auch, "aufzustehen". Politik heiße Kampf, so Rita Süßmuth – und setze die Bereitschaft voraus, sich auch heftig attackieren zu lassen, Beleidigungen und Intrigen auszuhalten.

Es mögen ja wissenschaftliche Studien vorliegen en masse, aber davon hat die Frau, die Rita Süßmuth, ja noch keine Mehrheit. Um Mehrheiten muss man kämpfen. Ganz empfindliche Verletzungen habe ich erfahren, damals, als ich als "Mörderin" bezeichnet wurde, bei der Suche nach einer menschlicheren Regelung des Paragraphen 218. – Rita Süßmuth

Autoren

Peter Jungblut

Sendung

kulturWelt vom 30.08.2018 - 08:30 Uhr