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Bildrechte: Manuel Balce Ceneta/Picture Alliance

Abrechnung mit Trump: Der Ex-Präsident beim Golfen.

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    "Richtiger Trip": Böhmermann sucht nach Trumps "Spurenelementen"

    Kaum ist der hoch umstrittene US-Präsident in Rente, verteilte der ZDF-Satiriker ein neues Gütesiegel, den "Orangen Engel" für Verdienste um Trumpismus: Friedrich Merz und Gerhard Schröder wurden ebenso "ausgezeichnet" wie AfD-Politiker.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Vier Jahre Donald Trump, das war für Jan Böhmermann ein "richtiger Trip mit Adrenalin und Steroiden": "Der Wechsel von Biden zu Trump ist genauso krass, als würde jemand sagen, dieses Jahr keinen MDMA-Urlaub auf Ibiza, sondern stattdessen Sanddorn-Marmelade auf Spiekeroog. Auch gut, aber ungewohnt." Auch seien es "vier Jahre gewesen, in denen wir Deutsche uns den doofen Amerikanern endlich mal überlegen fühlen durften“. Und damit diese Euphorie noch etwas anhält, erfand Böhmermann zum Neustart seines "Magazin Royale" im ZDF nach der Weihnachtspause ein neues "Gütezeichen" – den "Orangen Engel", wohl in Anspielung auf Trumps karottenartigen Teint: "Wo dieses Zeichen drauf ist, sind ganz viele Trump-Spurenelemente drin."

    Briefwahl-Kritiker auch in Deutschland

    Diese Trump-"Rückstände" fanden Böhmermann und sein Team in zahlreichen bekannten Persönlichkeiten Deutschlands, die deshalb allesamt mit dem Siegel "ausgezeichnet" wurden. So äußerten mehrere AfD-Politiker ebenso wie Trump massive Kritik an der Briefwahl, die von AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla als "Einfallstor zur Manipulation" bezeichnet wurde. Andere AfD-Mandatsträger fürchteten durch die Briefwahl gar den "größten Wahlbetrug dieses Landes". Dafür gab es einen "Orangen Engel". Auch der stellvertretende Bundessprecher der AfD, Stephan Brandner, wurde berücksichtigt: Er schloss sich bei einer Masken-Kontrolle im Zug einfach auf dem WC ein. Dazu Böhmermann: "Die ICE-Bordtoilette ist das Mar-a-Lago für deutsche Rechtsextremisten. Da kann man sogar Minigolf spielen, wenn man sich geschickt anstellt."

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    Bildrechte: Matthias Balk/Picture Alliance

    Jan Böhmermann

    Den "schamlosen, durch absolut nichts gerechtfertigten Größenwahn" von Trump sah Böhmermann bei Friedrich Merz, dem "Wirtschaftsminister der weißen, alten, kalten Herzen" verkörpert. Dass sich Merz nach eigener Aussage nicht zur reichen Oberschicht zählt, sondern zur "gehobenen Mittelschicht", kommentierte der Satiriker: "Friedrich Merz ist ein Mann der deutschen Wirtschaft, der saß im Aufsichtsrat der Deutschen Börse, bei AXA, Blackrock, pendelt mit dem Privatflugzeug zwischen Sauerland und Berlin hin und her, aber auf den letzten Metern stand ihm einfach seine eigene Bescheidenheit im Weg."

    Auch Gerhard Schröder und Manuela Schwesig bekamen einen "Orangen Engel", weil sie sich für die Nordstream 2-Pipeline engagieren: "Das Putin-Kuscheln ist eine Erfindung aus Niedersachsen." Schwesig wurde mit einem Zitat gewürdigt, wonach das russische Erdgas eine "Überbrückung" hin zur sauberen Zukunft aus erneuerbaren Energien sein soll.

    Laschets "rechte Hand" ist streng katholisch

    Schließlich kam der nordrhein-westfälische Staatskanzleichef Nathanael Liminski an die Reihe: "Die rechte Hand von Armin Laschet ist die linke Hand Gottes." Das bezog sich darauf, dass Liminski als "streng katholischer Konservativer" gilt, was durch seine diversen Auftritte in TV-Talkshows und bei Kirchentagen bestätigt wurde. Dem "Spiegel" sagte der damals 21-jährige Liminski bei einem Interview im November 2007: "Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern." Böhmermann verwies darauf, dass sich der enge Mitarbeiter von Armin Laschet schon in jungen Jahren als "Generation Benedikt" bezeichnete und darüber ein Buch geschrieben habe.

    Über Abtreibung hatte Liminski, der alle "Glaubenszweifel" bereits im Alter von 15 Jahren abgeschüttelt haben will, dem "Spiegel" gesagt: "Finde ich ethisch nicht vertretbar, aber ich kann es noch verstehen, wenn es um Gesundheitsgefahren für die Mutter oder um eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung geht. Aber die allermeisten Abbrüche haben mit persönlicher Lebensplanung zu tun, darüber muss man reden."

    Und ohne ein paar Gags zum Thema Lockdown ging es bei Böhmermanns Neustart natürlich auch nicht ab: "Ich gehe so viel spazieren, wenn der Lockdown vorbei ist, dann bin ich ganz froh, mal wieder in der Wohnung zu bleiben." Was die Frisuren-Krise in Deutschland angeht, klagte er: "Es gibt Babys, die noch nie gesehen haben, wie ihr Vater unter den Haaren wirklich aussieht." Vermutlich müsse eine "Frisuren-Triage mit Fachkommission" eingesetzt werden, sobald die Coiffeure wieder öffneten – "beraten von Doktor Drosten".

    Für alle, die immer absolut auf der Höhe der Zeit sein wollen, hatte Böhmermann ein paar Bemerkungen zum Hype um die soziale Plattform "Clubhouse" parat, auf der Live-Diskussionen stattfinden: Die App sei "gratis, man bezahlt nur mit seiner Selbstachtung", so der Moderator: "Gehen Sie schnell rein, bevor die App in zwei Wochen out ist. Endlich eine Gelegenheit, Philipp Amthor das Pommernlied singen zu hören, ohne ihm vorher zwei Fanta-Korn ausgeben zu müssen."

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