BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Respekt ist schon mal gut: So klingen Trumps Tweets als Songs | BR24

© BR

Der Australier Tom Woods, Kapellmeister am Theater Regensburg, vertonte einige Textnachrichten des US-Präsidenten zu eingängigen Songs. Mal geht´s um "Verlierertypen", mal um kalorienreduzierte Cola - und natürlich um seinen "Respekt vor Frauen".

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Respekt ist schon mal gut: So klingen Trumps Tweets als Songs

Der Australier Tom Woods, Kapellmeister am Theater Regensburg, vertonte einige Textnachrichten des US-Präsidenten zu eingängigen Songs. Mal geht's um "Verlierertypen", mal um kalorienreduzierte Cola - und natürlich um seinen "Respekt vor Frauen".

Per Mail sharen

Er hält Trumps Tweets für "extrem gehässig" und "giftig", und suchte im Herbst 2017 nach einer Art "Gegengift": Damals begann der Regensburger Dirigent und Komponist Tom Woods regelmäßig die Textnachrichten des US-Präsidenten zu lesen und kam irgendwann auf den Gedanken, dass sie "gedichtartige Qualität" haben. Eine Art Hass-Poesie also, und die lässt sich nach Woods Auffassung bestens vertonen. Von der Uraufführung im April 2019 gibt es leider keinen Mitschnitt, aber eigens für den BR nahm der Komponist rechtzeitig zum US-Wahltag noch mal einige Passagen seines Werks auf. Wer selbst reinhören will: Einfach auf den Lautsprecher-Button klicken!

"Trump hält das Feuer am Lodern"

Unter den Songs ist auch "Losers and Haters", den Woods den "Kläglichen" widmete, den "Deplorables", ein Begriff, unter dem Trump seine zahlreichen Gegner zusammenfasst und die er allesamt verachtet. Woods macht aus dem aggressiven Text einen tanzbaren Country-Song, begleitet von Banjo und Geige. Ihn selbst erinnert der Tweet an die Wortwahl zu Zeiten der Sowjetunion, als es auch "Volksfeinde" gegeben habe. Woods verweist im Programmheft zu seinem Werk darauf, dass Trump sich nicht scheut, auch vulgäre, eigentlich abträgliche Spitznamen von ihm immer wieder selbst zu benutzen, um damit "das Feuer am Lodern zu halten".

© Gene J. Puskar/BR Bild

Der US-Präsident am Rednerpult

"Einer meiner absoluten Lieblings-Tweets ist 'Niemand hat mehr Respekt vor Frauen als Donald Trump'", so Tom Woods: "Dieser Satz bittet geradezu darum, verändert zu werden. So setzte ich ihm 'Grab them by the pussy' als Kontrapunkt entgegen, eine der extrem frauenfeindlichen und vulgären Äußerungen Trumps aus einem Interview, das er 2005 in der Unterhaltungsshow 'Access Hollywood' gab. Ich fand, dass das Wort 'Respekt' auf diese Weise ziemlich elegant seine Bedeutung verändert." Unerwartete Aktualität bekommt der Song durch eine Wahlkampf-Rede Trumps am 13. Oktober in Johnstown, Pennsylvania, in der er die "Vorstadtfrauen" anflehte, sie sollten ihm einen "Gefallen" tun: "Würdet ihr mich bitte mögen?"

© Theater Regensburg

Tom Woods

Trump auf der "Flucht"

Woods schrieb auch einen Kanon, "I use social media", in dem die "Zwanghaftigkeit" von Trumps Twitterverhalten thematisiert wird. Anders sei nicht zu erklären, warum der Präsident täglich morgens um fünf mit seinen Tweets loslege. Ein instrumentales "Zwischenspiel" widmete der Komponist dem Sonderermittler Robert Mueller, der untersuchte, ob Trump seine Politik gegenüber der Ukraine von persönlichen Gegenleistungen abhängig machte. Formell handelt es sich bei dem Intermezzo um eine "Fuge", wörtlich übersetzt eine "Flucht".

© Fabian Stoffers/BR Bild

Trumps Tweets

Mit einem Rap würdigte Tom Woods die Aussage von Trump, er habe "noch nie jemanden Diät-Cola" trinken gesehen. Der Tweet sei genial: "Doch wenn er von jemandem kommt, der nicht schlank ist und offensichtlich täglich acht Dosen von diesem Cola-Zeug trinkt, ist er außergewöhnlich." Gleichzeitig machte Woods die von Trump geplante Grenzmauer zu Mexiko zum Thema und nutzte dafür die Melodie von Beethovens Neunter, "An die Freude".

Tweet als Samba

Trumps legendärer Verschreiber "covfefe" für "covered" wird vom Australier Woods, der seit 2014 am Theater Regensburg als Kapellmeister arbeitet, als südamerikanischer "Macarena" vertont: "Ein Aspekt von Trumps Präsidentschaft, den ich festhalten wollte, ist die tiefe Erschütterung von Verhaltensnormen.Dieser Erschütterung steht eine Zivilgesellschaft gegenüber, die, davon scheinbar unberührt, einfach immer weitermacht, als wäre nichts geschehen. Ich konzipierte den 'covfefe'-Tweet als Samba, in den ich 'gegnerische' Musik hinein warf und abwartete, wie lange es dauert, ihn zu zerstören. In diesem Satz finden sich Zitate aus vielen unterschiedlichen Tweets wieder, da die Figur des Donald Trump an dieser Stelle der Komposition immer hysterischer wird."

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang