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Kommt der Religionsunterricht unter die Corona-Räder? | BR24

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Ausfälle und Homeschooling: Corona hat die Schule durcheinandergewirbelt. Auch Religionsunterricht fand im vergangenen Schuljahr nur teilweise statt. Wie wird es nun weitergehen? Bei Kirchenvertretern ist eine gewisse Hilflosigkeit zu spüren.

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Kommt der Religionsunterricht unter die Corona-Räder?

Ausfälle und Homeschooling: Corona hat unsere Schulen stark getroffen. Auch Religionsunterricht fand im vergangenen Schuljahr nur teilweise statt. Wie wird es nun weitergehen? Bei Kirchenvertretern ist eine gewisse Hilflosigkeit zu spüren.

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Nicht nur die Kirchen waren geschlossen, während der strengen Kontaktbeschränkungen durch Corona, auch der Religionsunterricht hat im vergangenen Corona-Schuljahr nur teilweise stattgefunden. Aufgefallen ist das vielleicht nur wenigen. Auch die Kirchen fanden es vielleicht gar nicht so schlimm oder zumindest verständlich.

Religionsunterricht gerade jetzt wichtig

Der Religionsunterricht - als "Laberfach" verschrien - ist ein Fremdkörper im Schulbetrieb: Denn da darf jede und jeder persönlich werden. Gerade in einer solchen Zeit sei das Fach Religion für die Schülerinnen und Schüler daher aber sehr wichtig, sagt Florian Walter, katholischer Religionslehrer in Garmisch-Partenkirchen. Seine Begründung: "Weil man drüber sprechen kann, was berührt mich, was belastet mich, wie wird das alles werden, wie mach ich meinen Abschluss, weil vielleicht grad im Fach Religion der Raum und die Zeit sein muss, über solche Dinge zu sprechen."

Florian Walter unterrichtet Religion am Gymnasium, der Realschule und der FOS. Als der Unterricht im Frühjahr nur Online stattfinden konnte, hat auch er sich wie viele andere in eine Vielzahl digitaler Plattformen einarbeiten müssen.

Digitale Plattformen kein Ersatz für echte Begegnung

Alles kein Ersatz für die echte Begegnung, die lebendige Diskussion, aber was sollte er machen? Immerhin hat sein Religionsunterricht stattgefunden, erzählt Walter. Für die Grund-, Mittel- und Förderschulen hatte das Kultusministerium empfohlen, sich auf die Schwerpunktfächer zu konzentrieren. Alles andere durfte wegfallen, wenn es nicht anders zu bewerkstelligen war. Dem Religionsunterricht ist es dabei zu allermeist so gegangen.

Aber es war eben eine Ausnahmesituation, sagt Margaretha Hackermeier vom katholischen Büro Bayern, der Kontaktstelle zur bayerischen Staatsregierung. "Es schmerzt uns auf jeden Fall", betont sie, aber es sei hinnehmbar gewesen, weil man die Herausforderungen vor der das ganze Schulsystem gestanden hätte, durchaus verstanden hätte.

"Wir waren natürlich mit dem Kultusministerium im Gespräch und haben auch wahrgenommen, dass Religionsunterricht nicht rausfallen soll, sondern viel Wertschätzung erfahren hat." Margaretha Hackermeier

Kultusministerium: schwierige Organisation kein Grund für Ausfall

Inzwischen habe das bayerische Kultusministerium auch klargemacht, dass rein organisatorische Schwierigkeiten kein Grund sein dürfen, dass der Religionsunterricht ausfällt: Werden doch oft mehrere Klassenverbände durchmischt, um die evangelischen und katholischen Schüler jeweils zusammenzufassen.

"Wir beginnen an den bayerischen Schulen das neue Schuljahr 2020/2021 mit einem Regelbetrieb unter bestimmten Hygieneauflagen", teilt das bayerische Kultusministerium auf BR-Anfage mit. "Die Lehrkräfte unterrichten alle Klassen mit Unterrichtsbeginn am 08.09.2020 nach den geltenden Stundentafeln und auf der Basis des LehrplanPLUS Grundschule. Der Religions- und Ethikunterricht findet demnach grundsätzlich gemäß Stundentafel statt."

Neue Kommunikationskanäle für Homeschooling erschließen

Und was, wenn es wegen einer verschärften Corona-Lage doch wieder zu Homeschooling kommt und kein Präsenzunterricht möglich ist? Dann müsse versucht werden, neue Kanäle zu erschließen, über die "Gespräche in Kleingruppen, oder Face to Face über Video oder mit den Eltern zu Hause möglich sind", sagt Stefan Blumtritt vom evangelischen Landeskirchenamt in München.

Es sei außerdem wichtig zu sehen, wie groß die Bereitschaft von Lehrern und Schülern sei, sich auf neue Kanäle einzulassen, so Blumtritt. Und natürlich müsse auch auf die technische Ausrüstung Rücksicht genommen werden, die nicht im jedem Haushalt gleich gut sei.

Gewisse Hilflosigkeit bei Kirchenvertretern

Eine gewisse Hilflosigkeit ist beim Thema Religionsunterricht seitens der Kirchenvertreter genauso zu spüren wie beim Thema Gottesdienste: Wie soll man denn die Nähe, das Persönliche, den Austausch als Stärke des Religionsunterrichts wirken lassen können, wenn man gerade möglichst nicht nah kommen soll.

Ob der Religionsunterricht dann in den kommenden Monaten tatsächlich einen besonderen Raum für die großen Fragen bietet, die durch die Pandemie und den Umgang mit ihr aufgeworfen werden - das bleibt freilich offen. Man habe ja einen festen Lehrplan, und den müsse man auch erfüllen.

Religionsunterricht wieder im neuen Schuljahr

Fest steht für Stefan Blumtritt: Der Religionsunterricht wird im nun beginnenden Schuljahr wieder stattfinden, genauso wie andere Nebenfächer, die zuletzt coronabedingt vernachlässigt werden mussten. "Ich gehe davon aus, dass jeder und jede das Mögliche tut, damit Religion in Präsenz oder auch digital stattfinden kann."

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