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Reisach: Wie eine Gemeinde für den Erhalt ihres Klosters kämpft | BR24

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Kloster Reisach, Niederaudorf im bayerischen Inntal

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    Reisach: Wie eine Gemeinde für den Erhalt ihres Klosters kämpft

    Über 3.000 Unterschriften haben die Oberaudorfer bereits für den Erhalt des Klosters Reisach gesammelt. Klar ist bisher nur: Die Karmelitermönche kehren in ihre polnische Heimat zurück. Was aber passiert mit dem Kloster, das dem Freistaat gehört?

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    Momentan leben noch drei Mönche in dem gelbgestrichenen Kloster im Inntal in Oberaudorf, das man von der Autobahn aus sieht, wenn man Richtung Süden fährt. Auf Wunsch ihres Provinzials kehren die drei Karmeliten der polnischen Provinz in ihre Heimat zurück, kommenden Sonntag werden sie offiziell verabschiedet. Das Kloster und das Kirchengebäude, die seit der Säkularisation im Besitz des Freistaats Bayerns sind, gibt der Karmeliterorden nach fast 200 Jahren zurück: Seit 1837 hatte er ein dauerhaftes Nutzungsrecht.

    Hoffen auf eine "vernünftige Lösung"

    Ist das das Aus für Kloster Reisach? Bisher ist nicht entschieden, was daraus wird. Die Oberaudorfer hoffen, "dass sich die bayerische Staatsregierung erbarmt" und auf eine "vernünftige Lösung", wie ein Anwohner sagt. Es sei ein Trauerspiel. "Das ist 300 Jahre Kulturbesitz, eine tolle Bibliothek, das gehört einfach zu unserer Kulturlandschaft dazu."

    Fast in allen Klöstern fehlt der Nachwuchs. Von den etwa 1.000 Klöstern im Freistaat werden nur noch rund 150 im eigentlichen Sinne genutzt.

    Evelyn Scriba, pensionierte Mathematikerin, gehört zur Laiengemeinschaft Karmel. Gemeinsam mit einem knappen Dutzend Mitstreitern nutzt sie das Kloster als Treffpunkt und zum Gebet. Das Kloster mitten in der Natur spreche auch Menschen aus der Großstadt an, sagt sie. Teile des Klosters sind unbewohnt und halb Ruine. Aber nicht alles. Die Gästezimmer zum Beispiel hat die Erzdiözese erst vor kurzem aufwändig renoviert. Scriba stellt sich vor, hier Exerzitien anzubieten, kombiniert mit Bergwandern. Referenten hätte sie schon, auch viele Ideen. Allein das Geld fehlt.

    Erzbistum will das Kloster nicht

    Die Erzdiözese München und Freising hat abgewunken. Der Freistaat hatte ihr – genauso wie dem Karmeliterorden – das Kloster sozusagen für einen Euro angeboten. Aber: "Die Einrichtung eines Hospizes, um das sich das Erzbistum gemeinsam mit sehr engagierten Menschen vor Ort bemüht hatte, war nicht umsetzbar, wie auch andere angedachte Nutzungsmöglichkeiten. Neben den hohen Auflagen für die Nutzung waren auch die zu erwartenden hohen Sanierungskosten, die den für die Renovierung von Kirchen, Kindergärten und pfarrlichen Räumen im Erzbistum verfügbaren Bauetat zusätzlich erheblich belastet hätten, ein Grund, weshalb das Erzbistum das Kaufangebot ablehnen musste."

    Bayerisches Bauministerium gibt keine Auskunft

    Ob man das Kloster retten kann? Mit der Frage der künftigen Nutzung beschäftigt sich jetzt das zuständige Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Über den Stand der Pläne gibt es derzeit keine Auskunft.