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"Reine Ausbeutung": Miese Stimmung im "New Museum" in New York | BR24

© Cover Images/Picture Alliance

New Museum: Kunst-Glanz in Mahattan

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    "Reine Ausbeutung": Miese Stimmung im "New Museum" in New York

    Es gehört zu den kleinen, aber feinen Kunsttempeln in Manhattan und hat wachsende Besucherzahlen – doch die Arbeitsbedingungen halten frühere Mitarbeiter und die Gewerkschaft für unzumutbar. Das Museum wittert einen Rache-Feldzug von Ex-Mitarbeitern.

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    Das wird der langjährigen Chefin Lisa Phillips gar nicht gefallen: Die "New York Times" berichtet über miese Arbeitsbedingungen und frustrierte Mitarbeiter im prestigeträchtigen "New Museum", einem Besuchermagneten mit weltweiter Ausstrahlung. Demnach gibt es dort "schlechte Bezahlung, schlechte Moral und fragwürdiges Finanzgebaren". Ein früherer Finanzchef soll der Zeitung zum Beispiel verraten haben, er sei von Lisa Phillips, die das Haus seit 21 Jahren leitet, gedrängt worden, den Aufsichtsrat über die wahre Kassenlage zu täuschen. Und ein leitender Kurator wird mit dem unglaublichen Satz zitiert, die Chefs hätten ihm vorgeschlagen, einfach eine Kopie anzufertigen, wenn ein bestimmtes Kunstwerk nicht auffindbar sei, natürlich ohne den Künstler darüber zu informieren. Die ehemalige Angestellte Derya Kovey sagte sogar, das Museum sei am Besten mit "Ausbeuter-Betrieb" umschrieben.

    18 Mitarbeiter mussten gehen

    Angesprochen auf die Vorwürfe, hieß es von Seiten des Museums, alle Kritikpunkte seien "unbegründet und unfair", es handle sich um Falschbehauptungen und Hörensagen enttäuschter Ex-Mitarbeiter. Lisa Phillips selbst verweigerte der "New York Times" ein Interview, meldete sich jedoch schriftlich zu Wort: "Meine Leistung, das New Museum zu einem vielfältigen, aufregenden und kreativen Ort zu machen, an dem Mitarbeiter und Besucher gleichermaßen experimentieren können, spricht für sich selbst." Weniger ausweichend ist eine Pressemitteilung vom 30. Juni, in der das Haus bekannt geben musste, dass in der Pandemie-Krise dreißig Prozent der Einnahmen weggebrochen sind.

    Zum 1. Juli wurden 18 Mitarbeiter entlassen, angeblich über alle Abteilungen und Hierarchie-Stufen hinweg, was die Gewerkschaft entschieden bestreitet. Sie vermutet, dass vor allem der Unternehmensleitung missliebige Kollegen, die sich dort im letzten Jahr organisiert hatten, gefeuert wurden. Als "besondere" soziale Leistung gewährte das Museum Betroffenen Abfindungen und bis Ende August Zuschüsse zur Krankenversicherung. Auch wenn das Haus als "gewerkschaftsfeindlich" verunglimpft werde, so das Statement von Ende Juni, bedeuteten "Meinungsverschiedenheiten" nicht "Feindseligkeiten".

    © Jenny Acheson/Picture Alliance

    Toller Blick von der Dachterrasse des New Museum

    Die "New York Times" will mit insgesamt dreißig früheren und jetzigen Mitarbeitern gesprochen haben und verweist darauf, dass das Museum in zehn Jahren insgesamt vier Geschäftsführer verschlissen habe. Einer der früheren Programmchefs, Timothy Walker, schickte sein Rücktrittsschreiben 2016 demnach an sämtliche Drucker im Gebäude, damit auch alle Kollegen über die Gründe seines Rückzugs informiert waren: "Ich war gezwungen, diesen Schritt zu gehen, aufgrund der feindseligen Arbeitsbedingungen und der schimpflichen Umgangsformen, die in diesem Museum vorherrschen, den fehlenden Mitteln und der fehlenden Kompetenz, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen."

    Eine "Nische" mit Entdeckungen

    Das "New Museum" gilt als eine der ersten Adressen für zeitgenössische Kunst. Gegründet 1977 von der renommierten Kunstkritikerin Marcia Tucker (1940 – 2006), widmet sich das Haus, das nach der Corona-bedingten Unterbrechung am 25. September wieder eröffnete, einer "Nische" des immensen New Yorker Kunstbetriebs. In den etwa sechs Ausstellungen jährlich sollen jeweils weniger bekannte Gegenwartskünstler mit Potential präsentiert werden. Es geht also um die Förderung von "Entdeckungen", die den größeren Museen noch nicht aufgefallen sind. Zur Zeit sind Arbeiten des Pop-Art-Vertreters Peter Saul, des amerikanischen Porträtmalers Jordan Casteel, der lettischen Bildhauerin Daiga Grantina und der Videokünstlerin Sharon Hayes zu sehen. Seit 2007 residiert das Museum in einem Neubau an der Bowery Street in Lower Manhattan, den die japanischen Star-Architekten Kazuyo Seijima und Ryue Nishizawa entwarfen.

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