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Reformstopp: Wie reagieren die Bischöfe auf das Vatikan-Papier? | BR24

© picture alliance/Arne Dedert/dpa

Zwei Bischöfe im Dom von Fulda.

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    Reformstopp: Wie reagieren die Bischöfe auf das Vatikan-Papier?

    War's das mit den Reformen? Am Montag treffen sich die deutschen Bischöfe in Würzburg. Auf der Tagesordnung dürfte auch das Papier aus dem Vatikan stehen, das seit Mitte Juli viele katholische Gemüter erzürnt. Was werden die Bischöfe dazu sagen?

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    Am Montag treffen sich die 27 katholischen deutschen Ortsbischöfe in Würzburg zum Ständigen Rat. Und auf der Tagesordnung dürfte auch das Papier der Kleruskongregation stehen.

    Schreiben aus Rom erzürnt deutsche Katholiken

    Seit Mitte Juli erzürnt das Schreiben aus Rom viele Gemüter – und löste in Deutschland heftige Reaktionen aus. Eine Instruktion des Vatikans mit dem Titel „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" befasst sich mit der Zukunft der Pfarreien. Wer soll Gemeinden leiten dürfen? Welche Rolle sollen Laien dabei einnehmen?

    In Opposition zum Weg vieler Bischöfe

    Der Text weist eine ganz andere Richtung als die, die einige deutsche Bischöfe eingeschlagen haben – nämlich Laien und Frauen mehr Verantwortung in den Pfarrgemeinden zu übertragen. Das Papier aus dem Vatikan schiebt dem einen Riegel vor: Laien dürfen keine Gemeinde leiten und auch Zusammenlegungen von Gemeinden soll es nicht geben – zumindest nicht aufgrund von Priestermangel.

    Das Schreiben wurde gleich in sieben Sprachen veröffentlicht. Das zeigt, wie wichtig der Kleruskongregation die weite Verbreitung der Instruktion ist. Beobachter, wie der Kirchenrechts-Professor Thomas Schüller von der Universität Münster, sehen das Papier jedoch vor allem an die katholische Kirche in Deutschland adressiert. Denn in vielen Bistümern hierzulande hat es in den letzten Jahren weitreichende Reformen gegeben.

    Viele Bistümer haben Laien in Leitungsaufgaben

    Eine Erhebung der Seite katholisch.de 2018 legt offen, dass in 12 von 27 deutschen Bistümern die Leitung von Pfarreien nicht allein von Priestern getragen wird. Anstatt dessen sind gemischte Leitungsteams aus Priestern und Laien, inklusive Frauen, im Einsatz. Das war nur mit einer liberalen Auslegung des Kirchenrechts möglich. Das Papier aus Rom legt geltendes Recht dafür so eng wie möglich aus und gibt eine verbindliche Auslegung vor.

    Synodaler Weg in Gefahr?

    Dazu kommt, dass die Kirche in Deutschland derzeit mit dem "Synodalen Weg" eine Reformdebatte wagt. Darin sollen Bischöfe zusammen mit Laien Antworten auf die aktuellen Herausforderungen finden: Priestermangel, die Verteilung von Macht und die künftige Rolle von Frauen in der Diensten und Ämtern in der Kirche. Am 4. September soll es in fünf Regionalforen – eines davon in München – mit dem "Synodalen Weg" weitergehen. Das Papier aus Rom sorgt sicher für zusätzlichen Gesprächsbedarf.

    Laien-Vertreter halten wenig von Vatikan-Papier

    Denn Laien-Vertreter, etwa der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, haben klargemacht, dass sie nicht viel halten von den Ideen aus dem Vatikan. Auch Christian Weisner von der Initiative "Wir sind Kirche" und Hiltrud Schönheit vom Katholikenrat der Region München sprechen von einem Realitätsverlust des Vatikans. Und von fehlenden Lösungsvorschlägen für drängende Probleme wie den Priestermangel.

    Auch von Bischöfen kommt Kritik

    Aber auch von einigen Bischöfen hagelte es Kritik. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode erklärte: "Leider ist diese ‚Instruktion‘ eine so starke Bremse der Motivation und Wertschätzung der Dienste von Laien, dass ich große Sorge habe, wie wir unter solchen Bedingungen neue engagierte Christen finden sollen."

    Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick kritisieren das Papier: "Es wäre besser gewesen, diese Instruktion so nicht zu veröffentlichen", findet Schick. Auch die Initiative "Ordensfrauen für Menschenrechte" stellt sich hinter die kritischen Bischöfe und fordert, dass Frauen und Laien in allen Bereichen der Amtskirche mehr einbezogen werden.

    Bischöfe von Augsburg und Köln auf Linie Roms

    Aber es gibt auch die Gegenseite: Die Bischöfe von Augsburg und Köln sind mit der Instruktion zufrieden. "Papst Franziskus rückt hier einiges zurecht", meint Kardinal Rainer Maria Woelki. Auch Bischof Bertram Meier sieht die Notwendigkeit zur Erneuerung nicht in den Strukturen, sondern das Ziel sei "eine geistliche Reform".

    Bischöfe diskutieren am Montag in Würzburg

    Es herrschen also grundlegend unterschiedliche Sichtweisen auf das Vatikan-Papier. Beobachter sind gespannt, ob sich die deutschen Bischöfe am Montag auf eine gemeinsame Erklärung einigen können oder ob sie über das Ergebnis ihrer Diskussion schweigen. Immerhin: Die Kleruskongregation hat den deutschen Bischöfen ein Gespräch angeboten.

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