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Reform des Online-Dudens: Streit ums Gendern | BR24

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Der Duden - ein zentrales Werkzeug der deutschen Sprache.

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    Reform des Online-Dudens: Streit ums Gendern

    Viel Gegenwind beim Thema "gendern": Der Duden will in seiner Online-Version tausende weibliche Formen aufnehmen. Das will ein Sprachverein verhindern - und will jetzt die deutsche Sprache vor dem wichtigsten deutschen Wörterbuch retten.

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    Von
    • Julia Ruhs

    Die deutsche Sprache vor dem Duden retten und damit vor dem Gendern - das will eine Initiative des "Vereins Deutsche Sprache". Mittlerweile hat der Aufruf, der in der vergangenen Woche gestartet ist, schon fast 12.000 Unterzeichner (Stand vom Donnerstag). Es ist ein Thema, das polarisiert - und auch prominente Namen finden sich unter den Unterstützern: Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, die Adelige Gloria von Thurn und Taxis, Kabarettist Dieter Nuhr, Sportmoderator Waldemar Hartmann und weitere Größen aus Politik, Kultur und Gesellschaft.

    Online-Duden will tausende weibliche Formen aufnehmen

    Hintergrund ist, dass die Duden-Redaktion seine Internet-Version überarbeiten will. Die Redaktion kündigte an, mehr als 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen mit weiblicher und männlicher Form in den Online-Duden aufzunehmen. Künftig soll es statt einem Wortartikel zwei geben - einen für die männliche und einen für die weibliche Form. Schon jetzt wird im Online-Duden "der Mieter" beispielsweise anders beschrieben: Er ist demnach nicht mehr "jemand, der etwas gemietet hat", sondern eine "männliche Person, die etwas gemietet hat". Andersherum lautet der Eintrag zur "Mieterin".

    Sprachverein warnt vor Verlust des "generischen Maskulinums"

    Der Verein Deutsche Sprache hält nichts von dieser Sprachreform und warnt vor einem Wegfall des "generischen Maskulinums", dessen Form eigentlich für alle gelte. Holger Klatte, Geschäftsführer des Vereins erklärt gegenüber dem BR: "Durch das ständige Betonen der weiblichen und männlichen Form wird das Problem erst geschaffen, weil sich Frauen tatsächlich irgendwann nicht mehr von der männlichen Form angesprochen fühlen." Die jetzige Debatte um das Nicht-Angesprochen-Sein sei schon eine Folge der letzten Jahre und Jahrzehnte des Genderns.

    Vorwurf: "Zwangs-Sexualisierung" der deutschen Sprache

    Der Duden betreibe "eine problematische Zwangs-Sexualisierung, die in der deutschen Sprache so nicht vorgesehen ist", so schreibt es Klattes Verein in seinem Aufruf. "Das biologische Geschlecht (Sexus) ist nicht mit dem grammatikalischen Geschlecht (Genus) gleichzusetzen. 'Der Engel' ist geschlechtslos, 'der Scherzkeks' kann auch eine Frau sein." Noch absurder werde das Vorgehen bei der Betrachtung des Plurals: "'Die Ärztekammer' vertritt Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen, ebenso wie das Finanzamt Geld vom 'Steuerzahler' einzieht - unabhängig vom Geschlecht."

    Sprachverein: Duden mache sich zur "Lokomotive des Zeitgeistes"

    Laut Holger Klatte verhilft der Duden durch sein Gender-Vorhaben diesen neuartigen Sprachregeln einen zu großen Schub: "Die Duden-Redaktion macht sich damit zur Lokomotive des Zeitgeistes. Sie versucht Regeln zu setzen, was ihr aber gar nicht zusteht. Das ist problematisch, da der Duden in unseren Augen ein maßgebliches Werk für die deutsche Sprache ist, woran sich viele Nutzer halten." Das Gendern habe jedoch nichts mit dem Sprachgefühl der meisten Menschen zu tun.

    Auch junge Frauen positionieren sich gegen Duden-Reform

    Genauso sieht das auch die 24-jährige Jura-Studentin Anna-Maria Auerhahn aus München, die ebenfalls den Aufruf des Vereins unterschrieben hat. "Für mich ist es Blödsinn, die Sprache mit so viel Geschlecht aufzuladen. Formen wie der 'Backende' statt der 'Bäcker' zu verwenden, finde ich, macht es auch nicht besser und verwirrt nur. Solche Eingriffe in die Sprache helfen gegen Diskriminierung gar nichts. Der Duden sollte mit seiner Sprache die Mehrheit der Gesellschaft widerspiegeln."

    Zwar streitet die Duden-Redaktion die Verwendung des generischen Maskulinums nicht ab, so Duden-Sprecherin Nicole Weiffen. "Es ist jedoch unstrittig, dass die generische Verwendung immer stärker hinterfragt, oft als nicht mehr zeitgemäß empfunden und häufig durch Formen wie zum Beispiel 'Die Ärztinnen und Ärzte' präzisiert wird", so Weiffen.

    Duden: Generisches Femininum keine Alternative

    Für eine Option ist aber auch die Duden-Redaktion nicht zu haben: Ein generisches Femininum anstelle des Maskulinums hält Duden-Sprecherin Weiffen nicht für tauglich. "Das generische Femininum ist keine im Sprachgebrauch verbreitete und genutzte Form. Deshalb ist das keine Alternative."

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