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Deutsche Museen sollen Raubkunst-Bestände offen legen | BR24

© Daniel Bockwoldt/dpa

Raubkunst aus dem afrikanischen Benin

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    Deutsche Museen sollen Raubkunst-Bestände offen legen

    Gibt es Raubkunst aus der Kolonialzeit in deutschen Museen? Offene Bestandslisten könnten helfen, solche Objekte zu identifizieren. Aber seit fast zwei Jahren passiert nichts. Jetzt machen Internationale Wissenschaftler und Künstler massiven Druck.

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    Wörtlich heißt es in einem Offenen Brief von zahlreichen Wissenschaftlern, darunter der Theaterregisseur Milo Rau und der Kameruner Historiker Achille Mbembe: "Es ist ein Skandal, dass es trotz dieser nunmehr zwei Jahre anhaltenden Debatte noch immer keinen freien Zugang zu den Bestandslisten der öffentlichen Museen in Deutschland gibt. Wie genau sehen die afrikanischen Sammlungen in deutschen Museen aus? Aus welchen Regionen kommen die Objekte? Welche Arten von Objekten sind es? Wir wollen und müssen das wissen, wenn wir die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit gemeinsam betreiben wollen. Wir brauchen unbeschränkten und unkontrollierten Zugang!"

    "Einfache Scans und Listen reichen"

    Die Erstunterzeichner fordern die "schnellstmögliche weltweite Verfügbarmachung" aller Bestandsverzeichnisse afrikanischer Kunst in deutschen Museen, und zwar "unabhängig vom Grad der Vollständigkeit und vermeintlichen Perfektion" dieser Inventare: "Einfache Scans und Listen reichen. Wir brauchen sie jetzt." Gleichzeitig loben die Wissenschaftler die Behörden und die Politik, die eine "Aufarbeitung des Kolonialismus" in den aktuellen Koalitionsvertrag aufgenommen habe.

    Es sei europaweit "einzigartig", dass zwei Millionen Euro zur Erforschung der Herkunft von Objekten aus "kolonialen Kontexten" bereit gestellt worden seien. Das reiche jedoch alles nicht aus, solange die nötige Transparenz nicht hergestellt sei.

    © André Held/Picture Alliance

    Nigerianische Kleidung im Berliner Museum

    Museum braucht noch "zwei bis drei Jahre"

    Die Stiftung preußischer Kulturbesitz, die zum, Beispiel für das Ethnologische Museum in Berlin zuständig ist, verteidigte ihr Verhalten in einer Pressemitteilung mit den Worten: "Es gehört seit Jahren zum Alltag der Kuratorinnen und Kuratoren des Ethnologischen Museums, alle Anfragen zu den Sammlungen zu beantworten und umfassend Auskunft zu geben. Besucher aus den Herkunftsländern und Ursprungsgesellschaften bekommen alles gezeigt und erhalten auch entsprechende Listen. Die Realität der Museen ist längst von intensiver Zusammenarbeit geprägt." Objekte der Stiftung preußischer Kulturbesitz sollen künftig auch im Neubau des Berliner Schlosses zu sehen sein.

    Bereits jetzt seien 75 000 Objekte "bearbeitete", mit der vollständigen Erfassung werde es jedoch noch dauern: "Das Ethnologische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin geht davon aus, dass seine Sammlungsverzeichnisse in zwei bis drei Jahren online verfügbar sind – vielleicht auch schon früher. Eines ist ganz klar: Wir könnten mit mehr Mitteln und Personal schneller sein!"

    Neue Kontaktstelle eingerichtet

    Bund und Länder hatten sich auf die Einrichtung einer zentralen "Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten" geeinigt, um die Rückgabe von Kolonialobjekten zu vereinfachen. Alle Interessierten, auch Institutionen aus den Herkunftsstaaten, überwiegend afrikanische und asiatische Länder, sollen sich dort über historische Bestände kolonialer Kunst in Deutschland informieren können. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es: «Zahlreiche deutsche Museen und andere Institutionen arbeiten bereits an einer Inventarisierung und Digitalisierung ihrer Bestände und stellen Daten zur Verfügung, die in die beratende und vernetzende Arbeit der Kontaktstelle einfließen können.»

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