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Raubkunst-Debatte: "Entführung" von Beuys-Werk war vorgetäuscht | BR24

© Frankfurter Hauptschule

Nur eine Kopie: Beuys-Nachbau in Tansania

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    Raubkunst-Debatte: "Entführung" von Beuys-Werk war vorgetäuscht

    Aktionskünstler des Kollektivs "Frankfurter Hauptschule" hatten behauptet, eine "Capri-Batterie" von Joseph Beuys aus dem Theater Oberhausen entwendet und als "Raubkunst" nach Afrika geflogen zu haben. Doch es handelte sich nur um eine Kopie.

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    Das Video von der "Entführung" war echt, der "Diebstahl" nur Fake: Die "Frankfurter Hauptschule", ein Zusammenschluss von Aktionskünstlern, stellte jetzt klar: Es gab keine kriminelle Handlung, die "Capri-Batterie" von Joseph Beuys, ein Kunstobjekt, das in einer Auflage von 200 Exemplaren angefertigt worden war, hat die Ausstellung im Theater Oberhausen nie verlassen. Stattdessen wollen die Künstler nur eine Kopie nach Tansania gebracht haben, um sie dort in einem Museum in Iringa als "Raubkunst" aus Deutschland auszustellen. Es handelt sich bei dem Kunstwerk um eine gelbe Glühbirne in einer schwarzen Fassung, deren Metallstifte in einer Zitrone stecken. Nach Beuys muss die Zitrone alle 1000 Stunden ausgetauscht werden, weil dann deren Energie verbraucht sei. Das Werk war eine Leihgabe des LWL-Museums in Münster und in Oberhausen Teil einer Schau, die an den Künstler Christoph Schlingensief erinnert, dessen 60. Geburtstag sich am 24. Oktober jährte.

    Aufmerksamkeit für koloniale Beutekunst

    In einer Pressemitteilung stellte die "Frankfurter Hauptschule" nun klar: "Die in Iringa entgegengenommene und ausgestellte Skulptur ist eine Fälschung der Frankfurter Hauptschule. Es ging dem Museum darum, Aufmerksamkeit für das Thema kolonialer Beutekunst und für ihre Forderung nach Restitution von geraubten Kunstgegenständen, Kulturgütern und insbesondere Schädeln und Gebeinen ihrer Vorfahren zu schaffen. Nach dem religiösen Verständnis vieler Tansanier finden die Toten keine Ruhe, wenn ihre Gebeine nicht vollständig beerdigt werden."

    © Frankfurter Hauptschule

    Ausgelassen auf dem Dach

    Die echte "Capri-Batterie" sei die ganze Zeit in den Galerie-Räumen der Ausstellung des Theaters Oberhausen geblieben, und zwar in einem Abstellraum, in der Originalverpackung. Kuratoren, Theater und Polizei hätten die Galerie nach dem Bekanntwerden des "Diebstahls" zwar durchsucht und Spuren gesichert, so die Künstler, "das naheliegende Versteck jedoch nicht gefunden".

    Leihgeber war "bestürzt"

    Vor der Aufklärung des Vorfalls hatte sich das LWL-Museum in Münster empört gezeigt: "Als Leihgeber des Kunstwerkes von Joseph Beuys sind wir über diesen Vorfall sehr bestürzt und erwarten eine zeitnahe Aufklärung der Geschehnisse. Wir erwarten von dem Stadttheater Oberhausen und den Kuratorinnen einen verantwortungsvollen Umgang mit den Kunstwerken der Ausstellung sowie eine aufrichtige und transparente Zusammenarbeit", sagte Hermann Arnold, Leiter des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster. Für den Fall, dass es ein "inszenierter Diebstahl" gewesen sei, sah er "rote Linien überschritten".

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