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Rammstein sind die deutschen Rolling Stones – leider | BR24

© dpa-Bildfunk/Jes Larsen

Ein ironischer Horrorfilm der billigen Sorte: Rammsteins neues Album "Rammstein"

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    Rammstein sind die deutschen Rolling Stones – leider

    Keine Experimente: Seit einem Vierteljahrhundert gibt es Rammstein – und auch auf Album Nr. 7 bleibt die Band beim etablierten Geschäftsmodell der leicht albernen Pseudo-Bedrohlichkeit. Hauptsache, Fans können bei der nächsten Pyro-Show mitgrölen.

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    Harter Rock und Provokation der schlichten Art – das war immer das Thema von Rammstein und hat die Band in ihrer allgemeinen Zugänglichkeit zum Welterfolg gemacht. Inzwischen sind fast alle Mitglieder über Fünfzig und hätten einen kleinen Imagewandel ins Auge fassen können, aber damit war schon nach den vorab veröffentlichten Songs "Radio" und "Deutschland" nicht mehr zu rechnen.

    Wohlgemerkt: "Meine Liebe kann ich dir nicht geben" singt Till Lindemann, was man ja wohl als klare Absage an einen immer wieder vermuteten Nationalismus der Band lesen kann. Nun ist es auf dem siebten Rammstein-Album aber auch nicht so, dass sie sich inzwischen auf Kuschelkurs in den moralischen Mainstream bewegen. Wenn hier ein Song "Ausländer" heißt, ist das weder Hetze noch ein Aufruf zur Völkerverständigung, sondern eine Karikatur europäischer Gigolos.

    So 90er: Rammsteins "Neue Deutsche Härte"

    Immerhin: Der Song "Zeig dich" ist eine sarkastische Abrechnung mit den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche. Aber das Thema ist ja auch morbid genug, um auf ein Rammstein-Album zu passen. "Sex" an sich ist nämlich eine feine Sache, wie wenig später im gleichnamigen Track nachgereicht wird, schön schmuddelig, natürlich. Ansonsten gibt’s mehrheitlich den typischen Rammstein-Sound, den heute sonst keiner mehr macht, diese "Neue Deutsche Härte" aus den 90ern, mit der Mischung aus Metal-Gitarren, monumentalen Drums und zackigen Synthesizern.

    "Tattoo" ist eine Hymne auf den schönen Schmerz der Hautgestaltung. Ja, das ging auch schon mal härter. Aber wenn eine Band 25 Jahre auf dem Buckel hat, dann besinnt man sich eben auf ein eingeführtes Geschäftsmodell, so wie das die Rolling Stones schon seit 40 Jahren pflegen. Also: Das übliche Pathos, das rrrollende Rrrr, Verletzungen von Tabus, die möglicherweise schon lange keine mehr sind. Hauptsache, die Fans können bei der nächsten Pyro-Show mitgrölen. Und das dürfte bei den neuen Songs kein Problem sein, so simpel sind die gehalten.

    Ein Nummer-Sicher-Album

    Rammstein lassen auch mit ihrem siebten Album einen ironischen Horrorfilm der billigen Sorte ablaufen. Noch immer verweigern sie sich jeder eindeutigen Zuordnung. Es darf aber weiterhin vermutet werden, dass die Rammsteiner schlauer sind, als sie sich geben. Aber in dieser immer leicht albernen Pseudo-Bedrohlichkeit gehen sie halt auf Nummer Sicher. Das wird alle die freuen, die mit der Band älter geworden sind, an schlichten Dingen Gefallen finden und denen Helene Fischer zu soft ist. Obendrein waren Rammstein auch immer ein Aushängeschild Ostdeutschlands und pflegen auch weiter das Image der Unverstandenen. Ob sich allerdings ein mit Gangsta-Rap – also mit viel derberen Tabubrüchen – sozialisierter Jugendlicher von heute von Rammstein zur Rockmusik bekehren lassen wird, das darf stark bezweifelt werden.

    © dpa Bildfunk /Universal Music

    Rammsteins Album "Rammstein" erscheint am 17. Mai bei Universal Music.

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