Blick von unten auf eine Dattelpalme und ihre frischen, orangefarbenen Früchte
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Datteln sind vor allem als Trockenfrüchte beliebt. Doch auch frisch geerntet sind sie sehr gesunde Nahrungsquelle, die zudem Wasser spendet.

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Frucht des Ramadan: Hat die Dattel wirklich reinigende Kräfte?

Die Dattel ist täglicher Begleiter der Muslime im Ramadan. Mit ihr brechen sie das Fasten, denn sie soll eine reinigende Wirkung auf Körper, Geist und Seele haben. Stimmt dieser Mythos?

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Am heutigen Mittwochabend beginnt der Fastenmonat Ramadan. Weltweit fasten dann Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Ab dem frühen Morgen verzichten die Gläubigen auf Essen und so gut es ihnen möglich ist auch auf das Trinken.

Nur Kinder bis zur Pubertät, Schwangere, Kranke und Alte müssen sich nicht an die Tradition des Fastens halten. Sahūr heißt das Frühstück vor Sonnenaufgang im Ramadan. Abends trifft man sich zum Iftar, dem Abendessen in der Gemeinschaft mit der Familie, Freunden und Nachbarn.

Fasten brechen mit der Dattel

In der Tradition des Propheten Mohammed wird das Fasten mit einer Dattel gebrochen. Der Palmenfrucht sagen Muslime die besondere Wirkung der inneren Reinigung zu. Imam Ahmad Popal steht der Gemeinde der unabhängigen Muslime in München vor: "Im Koran heißt es: 'Auf dass ihr gereinigt seid'. Die Vitamine, die wir bekommen, das Natürliche aus der Natur im Menschen, das ist der Gedanke der Reinheit, die uns im Ramadan immer begleitet."

Viele Muslime halten sich an diese Tradition und schmecken hungrig und durstig nach einer langen Pause zum ersten Mal die Frucht der Dattel zusammen mit einem Glas Wasser. "Sie haben mehr als zehn Stunden auf Essen und Trinken verzichtet, und dann bekommen sie das erste Mal diesen Schluck Wasser. Das ist die erste Mahlzeit, das erste Trinken, nach so vielen Stunden, nach einem Tag Verzicht", erzählt Popal.

Am besten geeignet sind frische Datteln, da sie dem Körper auch viel Flüssigkeit liefern. Doch auch getrocknete Datteln in Wasser oder Milch eingelegt, sind eine gute Mahlzeit, um das Fasten zu brechen. Der Magen kann sich so darauf einstimmen, dass er wieder aktiv werden muss. Außerdem liefern die Wüstenfrüchte schnelle und gesunde Energie, da sie zu etwa 70 Prozent aus Fruchtzucker bestehen.

Haben Datteln wirklich eine reinigende Wirkung auf Körper, Geist und Seele?

Datteln haben zwar viel Fruchtzucker, doch sie sind dafür bekannt, den Blutzucker nur langsam ansteigen zulassen. Das liegt daran, dass in ihnen eine Menge an Ballaststoffen steckt, die die Aufnahme des Zuckers ins Blut verlangsamen. Das ist wichtig beim Fasten, denn so bleibt der Blutzucker stabil und es entsteht kein Heißhunger.

Die Ballaststoffe sind zudem wichtige und sanfte Anreger für die Verdauung. Dazu kommt, dass in Datteln reichlich Magnesium und Eisen, sowie Vitamin B, C und Spurenelemente stecken. Und ja: Die reinigende Wirkung kann man tatsächlich auch finden. Denn die Wüstenfrucht enthält viele Antioxidantien, die eine wichtige Vorbeugung gegen viele Erkrankungen sind. Ein weiterer interessanter Inhaltsstoff ist das Tryptophan. Diese Aminosäure bildet den Botenstoff Serotonin – der Stoff, der für angenehme Gefühle verantwortlich ist, weshalb die Dattel auch zur Förderung des Schlafes eingesetzt wird.

Die Symbolik der Dattel in den Religionen

Nicht nur im Islam hat das "Brot der Wüste", wie die Dattel auch bezeichnet wird, eine besondere Bedeutung. Im christlichen Glauben gilt sie als Symbol für Heiligkeit und Auferstehung. In der Adventszeit findet man deshalb noch häufig Datteln im Gebäck oder im Säckchen vom Nikolaus. Denn ursprünglich galten die Tage zwischen Martinstag und Weihnachten als zweite Fastenzeit neben Ostern.

Im Judentum zählt die Dattel zu den sieben Früchten Israels. Und nicht nur die Frucht an sich hat symbolischen Wert. Wegen ihres geraden und unverzweigten Stamms steht die Dattelpalme sowohl im Islam als auch im Judentum für Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit.

Popal erlebt die Zeit im Ramadan jedes Jahr als etwas ganz Besonderes und Wertvolles – für sich persönlich und zusammen mit seiner Gemeinde: "Im Monat Ramadan haben wir wieder dieses Intensive, die Verbindung zum Essen, das Schätzen von Nahrung, das Schätzen des Lebens. Das Schätzen für das Leben und das Leben mit der Gesellschaft in der Gemeinschaft. Das ist unglaublich. Ramadan ist unglaublich."

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