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Gestern hat mit Sonnenuntergang der Fasten-Monat Ramadan begonnen. Auch er wird von der Corona-Pandemie überschattet. In diesem Jahr ändert sich für praktizierende Muslime so einiges ...

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Ramadan 2021: Fastenbrechen im kleinsten Kreis

Für viele der 650.000 Muslime in Bayern hat diese Woche das Fasten begonnen: Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verzichten sie auf Essen, Trinken und Sex. In diesem Ramadan kommt auch der Verzicht auf das Fastenbrechen in Gemeinschaft dazu.

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Von
  • Astrid Uhr
  • Veronika Wawatschek

Ramadan, das bedeutet für gläubige Muslime: Fasten am Tag, Festessen am Abend – das bereitet auch die Augsburger Muslimin Nazlia Ali vor. Auf allen vier Herdplatten schmort und brutzelt es gleichzeitig. Die 32-jährige Syrerin verrührt weißen Joghurt mit Ei und etwas Speisestärke. In Syrien sei es Tradition, den Ramadan immer mit etwas Weißem zu beginnen, "dass unsere Tage weiß bleiben", wie sie sagt.

Einsam statt gemeinsam das Fasten brechen

Weiße Speisen symbolisieren den Wunsch nach einer reinen Seele. Denn darum geht es Nazlia Ali beim Fasten: um die innere Umkehr. Deswegen kocht sie heute Shakrije, Kalbfleisch in weißem Joghurt, dazu Suppe, Salat, Reis, Fleischbällchen. Ein Festessen! Das Ende der ersten Fastentage wird traditionell abends mit vielen Menschen gefeiert, erklärt ihr Mann, Jankeen Bablis, der neben ihr Salat schnippelt. Normalerweise würden mehrere Familien zusammen feiern und essen. Jetzt sei das nicht möglich, sagt er.

Corona-bedingt wird das, wie im vergangenen Jahr, ein einsamer Fastenmonat: Das Ehepaar isst abends nur mit seinem fünfjährigen Sohn Anas, sie sind zu dritt. Auch das gemeinsame Gebet mit Freunden und Bekannten wird heuer schwierig: Normalerweise beten viele Muslime im Ramadan das Morgen- und Abendgebet in der Moschee. Doch das ist aktuell nicht möglich, wegen der Ausgangsbeschränkungen.

Imam: Krisenzeit als Chance, Gott zu suchen

Auch Imam Belmin Mehic vom Münchner Forum für Islam bedauert, dass dieses Jahr die Rituale des Fastenmonats durch die Pandemie eingeschränkt sind. In den Gebetsräumen im Zentrum Münchens, in der Nähe des Marienplatzes, dürfen sich, mit Listeneintrag, nur 45 Gläubige versammeln – statt sonst 100. Das Gemeinschaftsgefühl könne unter den Bedingungen nicht aufrecht erhalten werden, so Mehic. Andererseits sieht Imam Mehic den Lockdown auch als Chance: Krisenzeiten motivieren Menschen, nach Gott zu suchen.

Ramadankalender für die Kinder, Fasten für die Eltern

Das strenge Fasten gilt übrigens erst für Muslime ab der Pubertät. Der fünfjährige Anas in Augsburg ist noch zu jung zum Fasten. Trotzdem erlebt auch er den Ramadan als besondere Zeit. In seiner syrischen Familie gibt es Rituale, wie den Ramadan-Kalender: Jeden Tag gibt es ein Päckchen mit Süßigkeiten – und mit einer Aufgabe.

Die heutige Aufgabe: Almosen geben. Seine Mutter hat eine Almosen-Dose vorbereitet, eine Dose beklebt mit glitzernden Sternen. In die steckt Anas nun einen fünf Euro-Schein. Seine Mutter will das Geld am Ende des Ramadans an Verwandte in Syrien schicken.

Essen dürfen die Eltern, wenn die Sonne gegen kurz nach 20 Uhr untergeht. Nach 15 Stunden Fasten beginnen sie das Festmahl traditionell mit Datteln, eine Empfehlung des Propheten, erklärt der Vater. Er ist dankbar, dass er etwas zu Essen hat und das will er auch im Gebet zeigen – in diesem Jahr zu zweit mit seiner Frau – abends, daheim im Wohnzimmer ohne Verwandte oder Freunde.

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