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Raffael - Der Superstar der Renaissance | BR24

© Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Estel/Klut

Raffael, Die Sixtinische Madonna, 1512/13, Detail

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    Raffael - Der Superstar der Renaissance

    Der italienische Maler Raffael galt schon zu Lebzeiten als "Gott der Malerei". Noch heute, 500 Jahre nach seinem Tod, ist er allgegenwärtig, schmücken (Rand-)Figuren seiner Werke Tassen oder Regenschirme. Warum wird ausgerechnet er so vergöttert?

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    Er ist so bekannt, dass er nicht einmal einen Nachnamen braucht: Der Maler Raffael, geboren 1483 in dem kleinen Städtchen Urbino in den italienischen Marken. Seit Jahrhunderten gilt er als größter Maler aller Zeiten.

    Stars der Museums-Shops

    So sehr sich die Lebensbedingungen, Weltvorstellungen und der Kunstgeschmack in den letzten fünf Jahrhunderten auch gewandelt haben: Die Wertschätzung für Raffaels Malerei ist ungebrochen. So ist etwa die Sixtinische Madonna nicht nur eine der bekanntesten Mariendarstellungen der Welt – die Engel am unteren Rand des Bildes sind heute die Stars eines jeden Museums-Shops.

    Raffael war offen für Neues

    Die Zeitgenossen schätzten Raffael aber nicht nur als Maler, sondern auch als Mensch. Raffael muss ein Sozialgenie gewesen sein. Er muss ein beliebter Gesprächspartner gewesen sein, vielseitig interessiert und von einnehmender Persönlichkeit. Und er war ein guter Geschäftsmann: Raffael war einer der ersten Künstler, die eine große Werkstatt führten.

    Außerdem war er stets offen für neue Techniken und Medien. So erkannte er zum Beispiel schnell, welche Möglichkeiten der Kupferstich ihm bot: Mit dessen Hilfe konnte er seine Bilderfindungen vervielfältigen und verbreiten.

    Seine "Madonna" war und ist einzigartig

    Vor allem aber war Raffael ein hochinnovativer Künstler. Er wollte theologische Themen für alle verständlich machen und erfand dafür völlig neue Bildtypen. Dabei setzte er nicht auf das Wissen, sondern auf die Gefühle der Menschen.

    Zum Beispiel die Sixtinische Madonna: Der Bildtypus "Maria mit Heiligen" zeigte Maria üblicherweise zwischen den Heiligen auf einem Thron sitzend. Bei Raffael aber schreitet sie auf den Betrachter zu. Im Arm hält sie den Jesusknaben, den sie den Menschen überbringen will. In ihrem Gesicht liegt ein großer Ernst. Sie weiß, was kommen wird: Kreuzigung und Tod. Trotzdem opfert sie ihren einzigen Sohn.

    © Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Estel/Klut

    Raffael, Die Sixtinische Madonna, 1512/13, Detail

    Mit Mitte 20 darf er die Gemächer des Papstes ausmalen

    Raffael war gerade einmal Mitte 20, da bekam er den Auftrag seines Lebens: Er sollte die Privatgemächer des Papstes, die sogenannten "Stanzen" ausmalen. Es handelt sich um halbkreisförmige Wandfresken, fast 8 Meter breit und 5 Meter hoch. "Die Schule von Athen" begeisterten den Papst so sehr, dass er die gerade erst fertiggestellten Fresken anderer Maler wieder abschlagen ließ, damit Raffael noch mehr ausmalen konnte. Später ernannte er ihn zum leitenden Architekten des Neubaus von Sankt Peter, dem prestigeträchtigsten Bauwerk der damaligen Zeit, sowie zum Oberaufseher aller antiken Bauwerke Roms. Fortan leitete Raffael die Ausgrabungen in der Stadt und wirkte so auch als Archäologe.

    Er starb an einem Karfreitag

    Alt wurde Raffael nicht: Am 6. April 1520 starb er mit nur 37 Jahren. Zeitgenössische Quellen berichten, im Moment seines Todes habe die Erde vor Trauer gebebt; der Papst sei aus seinen Gemächern geflüchtet, weil die Wände Risse bekommen hätten. Die Zeitgenossen verglichen ihn mit Christus: Raffael starb an einem Karfreitag, etwa im gleichen Alter wie Christus, beide waren unverheiratet und ohne Kinder.

    Die Todesursache ist unklar. Manche Quellen vermuten, er habe sich bei Ausgrabungen des antiken Roms das Sumpffieber zugezogen und interpretieren seinen Tod als Rache des Hades, weil Raffael die alte Stadt dem Vergessen entreißen wollte. Andere verbreiteten das Gerücht, Raffael sei an einer Geschlechtskrankheit gestorben, die er sich bei einer seiner zahlreichen Affären zugezogen haben soll. Wieder andere berichten allerdings von einem sehr sittlichen Lebenswandel. Beigesetzt wurde er im altehrwürdigen Pantheon.

    Raffael für Daheim

    Die große Raffael-Ausstellung in den Scuderie del Quirinale in Rom musste wegen des Coronavirus bereits drei Tage nach ihrer Eröffnung wieder schließen; ursprünglich sollte die Schau bis zum 2. Juni dauern. Auch die Werke des Malers in der Alten Pinakothek in München sind erst einmal nicht zu sehen.

    Wer sich Raffael trotzdem nähern will, muss zum Buch greifen. Empfohlen sei der große Raffael-Bildband aus dem C.H.Beck-Verlag von Ulrich Pfisterer: "Glaube, Liebe, Ruhm".

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