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Radio-Event und Podcast: Dokumentarhörspiel zum NSU-Prozess | BR24

© Peter Kneffel/dpa; Montage: Nadja Dall’Armi/BR

Apart verfremdet: Die Deckenlampe im Münchner Gerichtssaal 101

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    Radio-Event und Podcast: Dokumentarhörspiel zum NSU-Prozess

    Zum größten Rechtsterror-Prozess der deutschen Geschichte existieren knapp 6.000 Seiten Mitschriften der ARD-Gerichtsreporter. Anhand dieser einzigartigen Dokumente macht jetzt das 24-teilige Dokumentarhörspiel "Saal 101" den NSU-Prozess erlebbar.

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    • BR24 Kultur

    Die Protokolle der Gerichtsreporter sind ein Stück Zeitgeschichte: Es existiert kein Prozess-Mitschnitt in Ton oder Bild. Alle 438 Prozesstage wurden mitgeschrieben, von Mai 2013 bis Juni 2018. Im Dokumentarhörspiel "Saal 101" setzt sich mosaikartig ein Bild zusammen: die Sozialisation der Haupttäter Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt, ihre Radikalisierung in der Nachwendezeit, die zehn von ihnen verübten Morde, das Leben der Terrorgruppe im Untergrund, die rechten Netzwerke und die Unterstützerszene, die Rolle des Verfassungsschutzes, die Pannen bei den Ermittlungen der Taten, die Hoffnung der Opferangehörigen auf Aufarbeitung und Aufklärung durch den Prozess und ihre Enttäuschung, die Verteidigungsstrategien sowie die Fragetechnik des Gerichts.

    Zeitgeschichte als Hörspiel: Worum ging es in Saal 101?

    "Der NSU-Prozess ist ein Gradmesser, wie sich unsere Demokratie gegen Rechtsterrorismus zur Wehr setzen kann. Und unser Dokumentarhörspiel verstehe ich als ein Informationsangebot an Hörerinnen und Hörer, die nachvollziehen möchten, was in diesem Prozess eigentlich genau verhandelt wurde", sagt BR-Chefdramaturgin Katharina Agathos.

    "Wichtig war uns, das Material für sich sprechen zu lassen und es nicht permanent einzuordnen. Die Mitschriften haben per se schon eine sehr dramatische Qualität, besonders die Zeugenbefragungen."

    Ein Prozess wie ein Puzzle: Manches passte, anderes gar nicht

    Dabei legt "Saal 101" auch Wert darauf, das aufzudecken, was trotz aller Akribie im Prozess noch immer offen ist: "Ein Bild, das sich mir eingestellt hat: Wir haben es mit einem großen Puzzle zu tun, aber es sind Teile drin, die gar nicht reinpassen. Teile, die zwar von der Form passen, aber kein Bild haben. Und längst nicht alle Teile sind vorhanden", meint Regisseur Ulrich Lampen. "Den Fokus auf einen komplett vorhandenen Teilausschnitt zu legen ist genauso wichtig wie der Fokus auf die Leerstellen."

    Jede Folge von knapp 30 Minuten widmet sich einer relevanten Fragestellung der Beweisaufnahme. Dabei folgt das Dokumentarhörspiel "Saal 101" nicht der Chronologie des NSU-Prozesses. Vielmehr bringt es Zeugenaussagen zusammen, die tatsächlich vielleicht weit auseinanderlagen, jedoch dieselbe Fragestellung behandeln. Das Hörspiel zoomt in die Mitschriften und über diese in den Gerichtssaal hinein.

    © BR/Philipp Kimmelzwinger

    Er präsentiert's: Der Journalist, Buchautor und Musiker David Mayonga, auch bekannt als Roger Rekless.

    Podcast-Host ist der Journalist und Musiker David Mayonga. "Das Dokumentarhörspiel macht sichtbar, dass die gefährlichsten Merkmale eines rassistischen Mörders nicht äußerlich zu suchen sind", sagt er, "sondern in der menschenverachtenden Gesinnung und der Vernetzung dieser Gesinnungsträger liegt."

    "Das Dokumentarhörspiel 'Saal 101' ist ein ganz besonderes Projekt, auf das der Bayerische Rundfunk zurecht stolz sein darf", ergänzt die neue BR-Intendantin Katja Wildermuth. "Fünf Jahre Langzeitbeobachtung, zwölf Stunden Programm: Man erlebt diesen Prozess einerseits in einer journalistischen Aufarbeitung, einer Tiefenschärfe, wie man das sonst nicht bekommt, und gleichzeitig ist das Projekt selbst schon ein Stück Zeitgeschichte."

    "Saal 101" - zu hören an zwei Abenden auf Bayern 2: am Freitag (19.2.) von 20:05 bis 2:00 Uhr (Teile 1 bis 12) sowie am Samstag (20.2.) von 20:05 bis 2:00 Uhr (Teile 13 bis 24). Alle Teile außerdem in der ARD Audiothek, bei BR Podcast und auf allen gängigen Podcast-Plattformen.