BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/ Elisabeth Möst
Bildrechte: BR/ Elisabeth Möst

STATIONEN Moderator Benedikt Schregle auf dem Christopher Street Day in München mit den Schwestern der perpetuellen Indulgenz.

15
Per Mail sharen

    Queeres Leben - zwischen Ausgrenzung und Akzeptanz

    Sie gelten als bunt, schrill und extrovertiert - Menschen der LGBTIQ-Community. Zum Christopher Street Day gehen sie auf die Straße, setzen sich für Akzeptanz und Gleichberechtigung ein. Sie haben einiges erreicht, doch es gibt noch viele Vorbehalte.

    15
    Per Mail sharen
    Von
    • Elisabeth Möst

    LGBTIQ – ein Sammelbegriff für Menschen, die lesbisch, gay (schwul), bisexuell, transgender, inter und queer leben. Das bedeutet, sie sind nicht heterosexuell, fühlen sich dem anderen oder überhaupt keinem Geschlecht zugehörig. Auch im Jahr 2021 sind queere Menschen noch Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt.

    "Männlich", um keine Nachteile zu haben

    Markus Haselbeck von diversity München engagiert sich in der Jugendorganisation für queere Jugendliche, weil auch er gehänselt, gemobbt und verprügelt wurde, weil er als schwul galt. Heute fühlt er sich non-binär, also weder eindeutig als Mann noch als Frau. Um in Studium und Beruf keine Nachteile zu erfahren, behält er im Pass seinen Status "männlich".

    "Ich begann die Binarität zwischen männlich und weiblich anzuzweifeln. Da gibt’s so viel dazwischen. In der Schule wurde mir immer hinterhergerufen, dass ich so weiblich sei. Wenn die Leute diesen Raum schon aufmachen, dann nutze ich den auch und sage: Warum soll ich mich auf eine Seite stellen? Ich kann auch einfach ich selbst sein und in der Mitte bleiben." Markus Haselbeck, diversity München e.V.

    Weder voll gleichberechtigt noch akzeptiert

    Immer noch gibt es in der Gesellschaft Vorbehalte gegenüber Menschen, die vermeintlich anders sind. Gender-Sprache halten viele für Humbug, ebenso findet das demonstrative Auftreten mit Regenbogenfahnen nicht nur Zustimmung.

    Einiges haben schwule und lesbische Menschen schon erreicht, sie dürfen beispielsweise heiraten und Kinder adoptieren. Aber komplett gleichberechtigt und akzeptiert fühlen sie sich nicht. Sie wünschen sich unter anderem einfachere gesetzliche Regelungen, den Personenstand zu ändern oder anzupassen.

    Auch die Aufklärung in Schulen ist ein großes Anliegen, damit junge Menschen, die sich auf Identitätssuche befinden, Anlaufstellen kennen und bei Fragen ihrer sexuellen Orientierung Hilfe bekommen – in der Stadt wie auf dem Land.

    Ein Recht auf Freiheit

    Das Argument, die queere Community sei eine Minderheit und solle nicht so lautstark und bunt auftreten, lässt Markus Haselbeck nicht gelten.

    "Unser Grundgesetz sagt, jeder Mensch sollte möglichst viel Freiheit haben ohne die anderer einzuschränken. Wir schränken niemand ein, sondern wollen einfach nur unsere Freiheit genießen. Von daher ist es für jede Minderheit legitim zu sagen, wir wollen die Möglichkeiten wie alle anderen haben." Markus Haselbeck, diversity München e.V.

    Bei einer Umfrage von statista im Jahr 2016 bezeichneten sich rund 72 Prozent der Frauen als "ausschließlich heterosexuell" und 81 Prozent der Männer. Ich bin "ausschließlich homosexuell" bejahten 2,6 Prozent der Frauen und 2,5 Prozent der Männer. Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen also mehr als zwei Millionen Menschen.

    Die Schwestern der perpetuellen Indulgenz

    Hinter der bunten Fassade steckt oft viel Ernsthaftigkeit und Engagement, zum Beispiel bei den Schwestern der perpetuellen Indulgenz. Im Outfit von Drag Queens fallen sie beim Christopher Street Day besonders auf und nutzen diese Öffentlichkeit, um über Aids und Safer Sex aufzuklären und sich für die Gleichstellung von trans-, homo- und bisexuellen Menschen einzusetzen – alles verbunden mit Spaß und Lebensfreude.

    "Wir haben auch schon mit richtigen Ordensschwestern gesprochen, die unsere Arbeit kennen und schätzen und sagen, ihr setzt euch da ein, wo wir nicht mehr dürfen." Schwester Theresia, Abtei Bavaria zur Glückseligkeit des Südens e.V.

    Segen für alle auf CSD

    Die evangelisch-lutherische Kirche hat auf dem CSD einen Segensstand aufgestellt. Pfarrerin Dors Wild segnet jeden und jede, alle, die den Segen möchten.

    Viele schwule, lesbische, bisexuelle und trans*Menschen fühlen sich gerade in der katholischen Kirche nicht willkommen, eher sogar ausgegrenzt. Oft leben sie ihre wahre Identität deshalb im Geheimen, weil sie Repressalien fürchten. In der Paulskirche gleich neben der Theresienwiese findet jeden zweiten Sonntag ein queerer Gottesdienst statt.

    Zum CSD zelebriert Diözesanjugendseelsorger Richard Greul eine Messe und der katholische Theologe Florian Heinritzi hält die Predigt. Beide sind sich einig: Sie wollen die Türen für alle öffnen, keinen ausschließen und die Botschaft Jesu leben und jeden aufnehmen. 

    "Ich frage mich als Priester: Warum grenzt man queere Menschen aus? Alle sind Geschöpfe Gottes. In jedem Menschen begegne ich Gott, weil sie nach seinem Abbild geschaffen sind. Und diese Botschaft müssen wir weitergeben." Richard Greul, Diözesanpräses BDKJ München und Freising.

    Mehr zum Thema "Queeres Leben" am Mittwoch, 14. Juli 2021 in der Sendung STATIONEN im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!