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Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, hält in der Paulskirche einen Queer-Gottesdienst.

Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, hält in der Paulskirche einen Queer-Gottesdienst.

Bildrechte: Picture Alliance/Tobias Hase
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    Queer-Gottesdienst: Marx entschuldigt sich für Diskriminierung

    Kardinal Marx feiert in München erstmals einen Queer-Gottesdienst und entschuldigt sich bei queeren Menschen für das Leid, das sie in der katholischen Kirche erfahren haben. Viele in der Kirche hätten an der Diskriminierung mitgewirkt.

    Von
    Anna GiordanoAnna GiordanoNabila Abdel AzizNabila Abdel Aziz
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    In der katholischen Kirche gilt Homosexualität immer noch als Sünde. Viele Menschen, die schwul, lesbisch oder trans sind, erzählen von der Ausgrenzung und Diskriminierung, die sie in der katholischen Kirche erleben müssen.

    Der katholische Kardinal Reinhard Marx hat sich nun bei queeren Menschen dafür entschuldigt. "Entschuldigung - das gilt für die ganze Gemeinschaft der Kirche. Wir sehen, wie viele Verletzungen angerichtet wurden, in den Lebensgeschichten vieler Menschen. Das berührt mich", sagte er bei einem Gottesdienst, der anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Queer-Gemeinde in der Münchner St. Paul-Kirche stattfand. Es sei eine Leidensgeschichte und viele in der katholischen Kirche hätten an der Diskriminierung mitgewirkt. Als queer bezeichnen sich manche nicht-heterosexuelle Menschen oder Menschen, die sich als trans oder non-binär, also nicht eindeutig männlich oder weiblich, im Bezug auf ihr Geschlecht identifizieren.

    Queer sein: Lange "nichts Normales" in der katholischen Kirche

    Sven und David Langebuch sind im Organisationsteam der queeren Gemeinde München. Sie hatten den Pfarrsaal für den Empfang nach dem Gottesdienst hergerichtet. Vor 17 Jahren haben sie in diese Gemeinde gefunden. Damals seien sie verlobt gewesen und hätten nach einem Priester gesucht, der sie segnen würde, sagt David Langebuch: "Es war uns deswegen so wichtig, weil es in der Katholischen Kirche noch lange nichts Normales war, schwul zu sein oder als Schwuler in der katholischen Kirche sich offen zum Glauben zu bekennen. Das hatte in der Tat etwas Verbotenes. In dieser Gemeinde ist das nicht so."

    Queere Hochzeiten sind immer noch nicht möglich

    Sie hätten in der queeren Gemeinde in München, die sich einmal im Monat zum Gottesdienst trifft, eine neue Heimat gefunden, erzählen die die beiden Männer, die mittlerweile verheiratet sind - vor dem deutschen Staat. In der katholischen Kirche ist die Trauung Homosexueller bisher nicht möglich – selbst über Segnungen wird noch immer diskutiert. David Langebuch sagt: "Es hat lange gedauert, bis ich mit meinem Mann händchenhaltend durch eine Kirche ging oder den Gottesdienst verlassen habe, um anderen vielleicht nicht zu nahe zu treten. Und deswegen ist ja dieser Tag heute so wichtig." Kardinal Marx setze mit seinem Besuch ein Zeichen.

    Keine konkreten Äußerungen

    In der voll besetzten Kirche, deren Altar mit einer riesigen Regenbogenfahne dekoriert ist, sprach Marx an diesem Abend vom Aufbruch und von neuen Wegen, die beschritten werden müssen. Er verwies auf die Reforminitiative der katholischen Kirche, den Synodalen Weg. Warum er allerdings erst jetzt so deutlich Partei für die queere Gemeinde ergreift und ob es einen Zusammenhang mit dem Münchner Missbrauchsgutachten gibt, das im Januar veröffentlich wurde und vielen Priestern und Bischöfen im Erzbistum Fehlverhalten nachgewiesen hatte – dazu äußerte sich Marx nicht. Auch konkrete Änderungsvorschläge im Bezug auf die Gleichstellung Homosexueller in der katholischen Kirche machte er nicht. Es bleibt bei allgemeinen Sätzen zur Botschaft Jesu.

    Kardinal Marx: "Primat der Liebe"

    Kardinal Marx sagte in der Predigt, dass alle Beziehungen des Menschen "vom Primat der Liebe" geprägt sein müssten: "Dann können sie von Gott angenommen werden. Das ist die Botschaft, die uns immer wieder neu deutlich werden muss, die wir vielleicht oft vergessen haben, und meinen, wir könnten dirigieren und genau bestimmen."

    Was das konkret heißt für den Umgang der katholischen Kirche mit queeren Menschen, wird sich zeigen. Sven und David Langenbuch geben dennoch ein positives Feedback: "Wunderbar, es ist mehr als ich eigentlich erwartet habe, der Herr Kardinal hat ausdrücklich noch mal sein Bedauern ausgesprochen, es geht ihm um die Liebe. Dass er uns gesagt hat: 'Sie sind hier alle willkommen'. Das war ein großes Fest heute."

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