Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Stille Helfer: Die Quäker retteten tausende jüdische Kinder | BR24

© BR/ STATIONEN

Die "Gesellschaft der Freunde", Quäker genannt, hat nur wenige Mitglieder in Deutschland, aber eine ruhmreiche Geschichte.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Stille Helfer: Die Quäker retteten tausende jüdische Kinder

Die Quäker fanden sich vor fast 400 Jahren in England auf der Suche nach urchristlichem Leben zusammen. Auch in Deutschland gibt und gab es Quäker. Mit ihrem internationalen Netzwerk retteten sie tausende jüdische Kinder vor der Deportation.

Per Mail sharen

Der englische Laienprediger Georg Fox wollte im 17. Jahrhundert einen Gegenpol zur anglikanischen Kirche schaffen, die seiner Meinung nach ihrem Friedensauftrag nicht gerecht wurde. Ganz ohne hierarchische Strukturen versammeln sich seither Quäker, die sich selbst "Gesellschaft der Freunde" nennen, zu Meditation und Stille.

Quäker predigen nicht, haben keine Pfarrer und wollen niemanden bekehren. Sie versuchen ihren Glauben durch eine entsprechende Haltung zu leben.

"Wenn ich weiß: In jedem Menschen ist ein Teil von Gott, dann ziehe ich nicht mit Feuer und Schwert aus, um andere zu vernichten. Das passt einfach nicht zusammen." Wolfgang Reuther

Das Selbstverständnis der Quäker ist von radikaler Gewaltlosigkeit und großer humanitärer Hilfsbereitschaft geprägt. Sie engagieren sich für soziale Gerechtigkeit und sind überzeugte Pazifisten.

Rettung jüdischer Kinder

Schon im April 1933 gründeten die Quäker in London das "German Emergency Committee", das Hilfsaktionen in Deutschland koordinierte. Das Quäker-Center in Berlin bemühte sich ab 1935, vielen Menschen zur Emigration zu verhelfen. Sie konnten dabei auf ein weltweites Netzwerk von Quäkern zurückgreifen.

Unmittelbar nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 genehmigte die britische Regierung die Einreise von sogenannten unbegleiteten Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren, die die Quäker in Zusammenarbeit mit katholischen und evangelischen Organisationen durchführten. Die ersten Kindertransporte verließen Berlin am 1. Dezember, Wien am 10. Dezember 1938. Auch in München gab es Quäker, die die Kindertransporte unterstützten.

Damit bewahrten die Quäker etwa 10.000 junge Menschen vor den Deportationen in die Vernichtungslager. Die Quäker waren dabei oft mutiger und entschlossener als kirchliche HiIfsstellen. Für ihr humanitäres Engagement während der Zeit von 1933 bis 1945 wurden sie 1947 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzen sie ihre materielle Hilfe in Deutschland fort. Sie verstehen das als "Liebeswerk" an ihren Mitmenschen, egal was deren Eltern verbrochen haben.

"Quäker-Speisung" nach dem Ersten Weltkrieg

Bekannt wurde die Quäker-Bewegung in Deutschland bereits in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg durch die sogenannte "Quäker-Speisung": 1920 begannen amerikanische und englische Quäker, in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen unterernährte Kinder mit Essen zu versorgen.

Weltweit gibt es rund 200.000 Quäker, die meisten von ihnen leben in England, Nordamerika und Afrika. In Deutschland hat die "Gesellschaft der Freunde" 270 Mitglieder. Auch in Nürnberg und München versammeln sie sich regelmäßig zur gemeinsamen stillen Andacht. Hier sitzen sie zusammen, um eine Stunde lang zu schweigen, zu hören und zu warten auf das Göttliche, das sich jedem Menschen, der es sucht, offenbaren kann. Bei diesen Andachten – und nur dort – bleiben die Quäker unter sich.