Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Puch Open Air: 30 Jahre Indie-Rock unter Obstbäumen | BR24

© Puch-Festival

Die Kunst, jung zu bleiben: Das Puch Open Air wird 30

Per Mail sharen

    Puch Open Air: 30 Jahre Indie-Rock unter Obstbäumen

    Einmal im Jahr müssen die Bio-Schweine der Familie Lehmair ihre Weide räumen und Platz machen für Indie-Fans: Das Puch Open Air im oberbayerischen Jetzendorf ist eine Institution über Landesgrenzen hinaus. Dieses Wochenende wird Jubiläum gefeiert.

    Per Mail sharen

    Wer sich in München für Rockmusik und Indie-Pop mit deutschen Texten interessiert, kennt sie wahrscheinlich, die Obstwiesen der Familie Lehmair, auf denen auch in diesem Jahr wieder die Bühne für das Puch Open Air steht. Seit 30 Sommern richten die unermüdlichen Brüder Lenz und Hubert Lehmair dieses stressfreie Familientreffen bayerischer und Münchner Indie-Rock-Fans aus.

    Von der Kiesgrube auf die Obstwiese

    Die ersten zwei Jahre lud man in Jetzendorf, im Hinterland von Dachau, noch in die Kiesgrube eines benachbarten Bauernhofes. Sie gehörte dem sogenannten Puchbauern – von dem alten Hausnamen stammt auch der griffig-unverwechselbare Name des Festivals. Er wurde beibehalten, als die Veranstaltung umzog, auf die Schweineweide des Bauernhofes der Lehmair-Brüder, in eine Art natürliches Theatron, lauschig gelegen zwischen Waldrand und Obstbäumen.

    Stressfrei, kommerzfrei, unangepasst

    In Puch ging es von Anfang an darum, unangepasste Pop- und Rockmusik zu präsentieren. Und zwar in einem familiären Rahmen, ohne Kommerz-Firlefanz und großes PR-Tamtam. 1991 traten beispielsweise The Notwist aus Weilheim auf, damals noch ein völliger Geheimtipp. Ein Jahr später ließ dann DJ Hell die Boxen beben. 1994 spielten mit F.S.K und den Merricks Münchner Lokalhelden, deren Konzerte prompt vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten wurden.

    Die Auswahl der Künstler und Bands, die in Puch auftreten, spiegelt nicht nur den Geschmack der Festival-Macher wieder. Sie deckt sich auch mit dem musikjournalistischen Ansatz der Zündfunk-Redaktion, die das kleine, feine Festival seitdem präsentiert.

    © BR / Heike Reich

    Momentaufnahme vom Puch Open Air 2018

    Musikalische Grenzgänger ausdrücklich willkommen

    Bevor sie richtig groß wurden, spielten hier so ziemlich alle Vertreter der sogenannten Hamburger Schule: Blumfeld, Tocotronic und Die Goldenen Zitronen, Knarf Rellöm und Bernadette La Hengst. Auch den Flowerpornoes aus Düsseldorf und sogar den Fehlfarben war es eine Ehre, hier vorbei zu schauen. Dieses Jahr kommen International Music aus Essen. Das Trio hat mit "Die Besten Jahre" eines der besten Deutsch-Rock-Alben 2018 vorgelegt.

    In Puch waren aber auch immer Grenzgänger und Stil-Freischärler gern gesehen. 2014 etwa, zum 25-jährigen Jubiläum, spielte der große Jaki Liebezeit auf, einst Schlagzeuger der legendären Krautrock-Gruppe Can. Und Jochen Irmler von der nicht minder sagenumwobenen Band Faust.

    In diesem Jahr nennen sich die Grenzgänger Zoro Babel, der Über-Freestyler schlechthin, Albert Pöschl, Multi-Instrumentalist, Mixologe und umtriebiger Labelbetreiber, und Salewski. Auch Mouse On Mars, die Electro-Pop-Meister aus Köln, werden auf die Mini-Bühne klettern, ebenso Frickel-Nerd Console alias Martin Gretschmann. Es ist also wieder einiges geboten – von HipHop und Electro-Punk bis Indie-Rock und Krautpop sowie freier Musik.

    "Das schönste kleine Festival in Bayern!"

    Vor der Bühne werden wie immer Fans auf Campingdecken unter Obstbäumen lagern, viele bringen ihre Kinder mit. Der besondere Charme von Puch hat sich gehalten. Man werde sich garantiert auf Anhieb wohl fühlen, meint ein Journalist. Mit einer Flasche Rotwein oder was zu Essen von einem der Stände, auf dem Gelände. Es sei das schönste kleine Festival in Bayern, schwärmt er, und prophezeit, dass sich das sicherlich so schnell nicht ändern werde.

    Na dann: Auf eine fröhliche Geburtstagsparty, alles Gute zum 30. Geburtstag, Puch Open Air!

    Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

    Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!