Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Péter Esterházys "Bauchspeicheldrüsentagebuch" | BR24

Audio nicht mehr verfügbar

Dieses Audio konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© Hanser Berlin, Montage: BR

Buchcover Péter Esterházy, "Bauchspeicheldrüsentagebuch"

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Péter Esterházys "Bauchspeicheldrüsentagebuch"

Der große ungarische Schriftsteller Péter Esterházy starb Mitte 2016 an Bauchspeicheldrüsenkrebs. In seinem letzten Jahr hielt er der Krankheit das Schreiben entgegen - mit Galgenhumor, Wirklichkeitssinn und persönlichem Glauben. Von Andreas Trojan

Per Mail sharen

Péter Esterházy hat in all seinen Prosarbeiten autobiografische Elemente einfließen lassen. Es ist daher nur konsequent, wenn der Autor nun angesichts seiner Krebserkrankung nicht mit einem neuen, vielleicht letzten, fiktiv-romanesken Textstoff beginnt, sondern sich und seine Krankheit literarisch ins Bild setzt. Von Ende Mai 2015 bis Anfang März 2016 beinhaltet das "Bauchspeicheldrüsentagebuch" Eintragungen, die meist kurz ausfallen und selten über drei Seiten lang sind.

"Ich bin aufgeregt wie vor einer Prüfung. Wie vor einem Auftritt. Preisverleihung. Der Bauchspeicheldrüsenorden der großen Onkologischen Verdienstmedaille. Bisher diente der große Arschorden als gehobenes Medium des Scherzes." Péter Esterházy, Bauchspeicheldrüsentagebuch

Humor und Reflexion

Esterházy führt seine Leser nicht hinters Licht, was den Verlauf seiner Krebserkrankung betrifft: Niedergeschlagenheit folgt auf Tage der Hoffnung, Chemotherapien, die Einnahme von unzähligen Medikamenten und Bluttransfusionen machen seinem Körper extrem zu schaffen.

Péter Esterházys "Bauchspeicheldrüsentagebuch" ist weder bekenntnishafter Krankenbericht noch larmoyante Selbstbespiegelung. Es ist ein literarisches Werk geworden, das sowohl mit den Mitteln des Humors und der Reflexion als auch mit der Schilderung harter realer Gegebenheiten das Ende eines Menschenlebens meisterlich schildert. Trotz aller Tragik ist das letzte Buch Péter Esterházys ein großes Plädoyer für das Leben: "Ich fasse zusammen: Siehe, wie viel Gutes gibt es doch in dieser verfickten, beschissenen Welt."