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Yassir Eric kämpfte früher gegen Christen. Heute lehrt er religiöse Toleranz.
© Bayerischer Rundfunk
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Yassir Eric kämpfte früher gegen Christen. Heute lehrt er religiöse Toleranz.

Yassir Eric kennt die Prägung junger muslimischer Migranten aus arabischen Ländern. "Wenn ich damals mit meinem Denken nach Deutschland gekommen wäre, hätte ich mir hier sehr schwer getan", sagt der gebürtige Sudanese. Um Geflüchteten bei der Integration in Deutschland zu helfen, hat er gemeinsam mit einem Team das "Projekt Saatkorn" in Korntal-Münchingen bei Stuttgart ins Leben gerufen.

Hilfe für Migranten, in Deutschland Fuß zu fassen

Das Projekt bietet unbegleiteten jugendlichen Migranten ein Zwei-Jahres-Programm, um in Deutschland Fuß zu fassen. Bei einem Praktikum in einer Nudelmanufaktur und im Umgang mit Gästen in dem dazugehörigen Café erlangen die jungen Männer wichtige sprachliche und berufliche Fertigkeiten.

Yassir Eric kann sich sehr gut in die Gedankenwelt der jungen Flüchtlinge hineinversetzen: Er war früher selbst Islamist. Der 46-Jährige wuchs als Sohn eines hochrangigen Militäroffiziers und Politikers im Nordsudan auf. Sein Großvater, Mitbegründer der Muslimbruderschaft, sorgte dafür, dass er streng muslimisch erzogen wurde. Bereits als kleiner Junge wurde ihm zwei Jahre lang in einer Koranschule eingetrichtert, dass Juden und Christen Ungläubige sind. Regelmäßig betete er für ihre Vernichtung, wie er erzählt:

"In der Koranschule, der Moschee und zu Hause wurde ich dazu erzogen, Andersgläubige zu hassen. Ich war bereit, sie zu töten. Mir ist heute klar, dass nicht jedes muslimische Kind so geprägt wurde wie ich. Doch es sollte keinen Platz in dieser Gesellschaft für Ausgrenzung und Hass gegenüber Andersgläubigen geben."

Feste Überzeugung: Allah verlangt Tötung von Christen

Es blieb nicht nur bei hasserfüllten Gedanken und Worten: Gemeinsam mit Freunden versuchte Yassir Eric eines Nachts, einen christlichen Mitschüler zu töten. Er war der festen Überzeugung, dass Allah dies von ihm verlangte, sagt er. Doch dann stellte sich sein Leben auf den Kopf: Nach einer schicksalhaften Begegnung mit zwei Christen am Krankenbett seines sterbenden Cousins, konvertierte er nach langem Ringen zum Christentum. Dies hatte schwerwiegenden Folgen: Sein Vater enterbte ihn, sein Familien-Clan erklärte ihn für tot und ließ ihn öffentlich symbolisch beerdigen.

Immer wieder wurde Yassir Eric verhaftet, erlebte wochenlange Dunkelzellen-Folter, weil er seinem neuen Glauben nicht abschwor. Schließlich musste er aus dem Sudan fliehen und kam über Umwege nach Deutschland. Heute ist er evangelischer Theologe und Leiter des Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamthemen (EIMI).

Vom Islamist zum evangelischen Theologen

Als Konvertit weiß Yassir Eric, wie wichtig Toleranz und Religionsfreiheit sind. Kulturelle und religiöse Verständigung sind zu seinem Lebensprojekt geworden. Außerdem reist er regelmäßig in den Nahen Osten, um sich für Menschenrechte und die Glaubensfreiheit von Minderheiten einzusetzen.