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Neuer BR-Podcast stellt muslimisches Leben in Deutschland vor | BR24

© "Hijabis on tour"

Eda und Cinnet vom Reise-Blog "Hijabis on tour"

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Neuer BR-Podcast stellt muslimisches Leben in Deutschland vor

Etwa 5 Millionen Muslime leben in Deutschland – um sie geht es im neuen BR-Podcast "Primamuslima". Moderatorin Merve Kayikci will Klischees hinterfragen und trifft Menschen, die von Freundschaft und Vorurteilen, von Liebe, Arbeit und Essen erzählen.

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Es war ein Stück Wurst, genau genommen Gelbwurst, um das Erkan Inan als Kind mit seinen Eltern stritt – nicht etwa, weil seine Eltern Vegetarier waren, sondern weil die Wurst nicht halal war. Der kleine Erkan aber war bis zu seinem sechsten Lebensjahr von einer Pflege-Großmutter, seiner Oma, in einem kleinen Dorf in Oberbayern aufgezogen worden – und zwar mit allem, was zu einer Kindheit in Oberbayern in den 1970er-Jahren dazugehörte: Abendgebet, Frühmesse und eben Gelbwurst. Und um die kämpfte der Junge, als seine Eltern, beide Gastarbeiter aus der Türkei, ihn wieder zu sich holten.

Gelbwurst, Grillwurst, halal essen und im Ramadan fasten

© BR / STATIONEN

Ein Paar, zwei Kulturen: Souhaila aus Casablanca und Benjamin aus Hamburg. Als sie sich kennen lernen, funkt es sofort zwischen den beiden. Doch Benjamin muss sich entscheiden: Ist er bereit, für Souhaila Muslim zu werden?

Um die Wurst geht es manchmal auch bei Benjamin Jäger, genau genommen um eine Extrawurst, die seine Freunde ihm nur mit Gemecker servieren. Der 33-Jährige, der mit seinen blonden Haaren und dem Bart als Großstadthipster durchgeht, hat schon den zweiten Ramadan komplett gefastet und isst beim Grillen mit Freunden auch kein Schweinefleisch. Er ist für seine Frau, ein Model aus Marokko, zum Islam konvertiert und sagt, ihm sei erst dadurch bewusst geworden, dass Muslime es in Deutschland nicht immer leicht hätten.

Eine muslimische Vollstreckungsbeamtin erzählt

"Wenn man einen Migrationshintergrund hat und noch parallel Muslima ist, hat man es schwer im Leben, in der Schulzeit, auch im Berufsleben", sagt Özlem Yilmaz Öztürk. Die dreifache Mutter lebt in einem Haus mit Garten in einem kleinen Ort in Nordrhein-Westfalen.

Seit fast 20 Jahren arbeitet sie als Vollstreckungsbeamtin, verschafft sich Zugang zu Wohnungen von Schuldnern und kassiert bei unterhaltsäumigen Vätern ab, die sie als Frau nicht immer ernst nehmen. Sie aber steht ihren Mann: Sie würde immer ruhig mit ihnen reden, sagt sie. Wenn aber das nicht hilft, zieht sie alle Register. "Dann mach ich alles, aber auch alles, dass er nichts mehr hat."

Freiwillig geben – weil es das Schicksal so will?

© "Hijabis on tour"

Eda und Cinnet vom Reise-Blog "Hijabis on tour"

"Sadaqa" bezeichnet im Islam die freiwillige Gabe – im Gegensatz zu Zakat, der verpflichtenden Gabe: Eda und Cinnet haben sich eigentlich vorgenommen, niemandem Geld zu geben, wenn sie auf Reisen sind auf denen sie immer eine muslimische Kopfbedeckung tragen. In der Regel halten sich die beiden Hijabis, die auf Instagram auch den Kanal "Hijabis on tour" mit ihren Reise-Impressionen füllen, an diese Abmachung.

Bis zu diesem einen Tag in der U-Bahn, als sie noch Geld übrig hatten und zufällig ein Telefonat mithörten, in dem ein Vater sein Leid klagte, weil er nicht das Geld für eine Chemotherapie hatte – zufällig die Summe, die die beiden noch in ihrer Reisekasse übrig hatten. Sie drückten dem Vater das Geld in die Hand und stiegen aus. Schicksal nennen die beiden jungen Frauen solche Momente. Zwar haben beide Psychologie studiert, das Leben und die Empathie hätten sie aber beim Reisen gelernt, sagen sie.

Wie bunt und vielfältig der Islam ist – darum geht es auch im neuen BR-Podcast Primamuslima. Verfügbar im BR-Podcastcenter und überall, wo es Podcasts gibt.