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Nora Schmid

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    Nora Schmid wird 2024 neue Semperoper-Chefin

    Sie soll "Intendantin einer neuen Generation" werden: Die 42-jährige Schweizerin, die bisher das Opernhaus in Graz leitet, will das Dresdener Traditions-Haus zum "Klingen und Strahlen" bringen, auch mit "Neuem" - im Zentrum stehe für sie die Musik.

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    Von
    • Peter Jungblut

    "Man sagt ja immer, die Sachsen seien gemütlich. Da bin ich als Bernerin hier vielleicht ganz gut aufgehoben", sagte Nora Schmid in einem Interview, als sie 2010 zum ersten Mal nach Dresden ging. Hier war sie von 2010 bis 2014 Dramaturgin und Mitglied des Direktoriums. Außerdem war sie Persönliche Referentin der damaligen Intendantin Ulrike Hessler, die 2012 nach schwerer Krankheit starb. In der Interimszeit gehörte Schmid zum Leitungsteam der Semperoper. Ab Sommer 2024 wird die Schweizerin die Dresdener Semperoper leiten, eine "vielversprechende Zukunft", wie die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) auf einer Pressekonferenz in Dresden sagte. Kabinett und Verwaltungsrat hätten der Personalie "mit Begeisterung" zugestimmt.

    "Stärkeres Hierarchie-Bewusstsein"

    "An die Semperoper zurückzukehren ist für mich eine große Freude", so die designierte Intendantin. "Musik und Theater sind dialogische Kunstformen und ich wünsche mir, dass das in der Semperoper Erlebte zum Thema wird zwischen den Menschen." Schmid ist bisher Chefin des Opernhauses in Graz und begann bereits im Alter von vier Jahren mit dem Geigenspiel. Sie studierte in ihrer Heimatstadt Bern und Rom Musikwissenschaft und Betriebswissenschaft. Zudem absolvierte sie eine Gesangsausbildung und sammelte am Stadttheater in Bern erste Bühnenerfahrung. Berufliche Stationen führten sie unter anderem nach Biel-Solothurn, Basel, Berlin und Wien.

    Graz, wo auch der wichtigste Nachwuchspreis "Ring Award" für Opernregisseure und Bühnenbildner angesiedelt ist, gilt mittlerweile geradezu als "Karriere-Sprungbrett und Talentschmiede" im Musiktheaterbereich. So wechselten die dortigen Leiterinnen Anna Badora ans Volkstheater Wien, Elisabeth Sobotka zu den Bregenzer Festspielen, Iris Laufenberg ans Deutsche Theater Berlin. Dazu kommt im Museumsbereich der bevorstehende Abgang von Kunsthaus-Chefin Barbara Steiner zur Stiftung Bauhaus Dessau in Sachsen-Anhalt. Befragt, was ihr bei der Arbeit in Deutschland aufgefallen sei, nannte Nora Schmid einst die "große Bürokratie": "Das ist man sich von der Schweiz her nicht gewohnt. Für alles und jedes gibt es ein Formular, einen Paragraphen, ein Gesetz, eine Dienstanweisung. Es gibt hier auch ein viel stärkeres Hierarchiebewusstsein. Mit Höflichkeit oder Charme mag man weiterkommen, aber die Wege führen strenger über die Hierarchie als in der Schweiz."

    "Oper wird in zehn Jahre eine andere sein"

    Die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) hatte Anfang Mai angekündigt, die Verträge vom Noch-Intendanten Peter Theiler und Chefdirigent Christian Thielemann im Sommer 2024 auslaufen zu lassen. "Wir sehen dabei das, was heute gut ist, und denken trotzdem an das Übermorgen der Oper", so die Politikerin: "Und eine Oper in zehn Jahren wird eine andere als die Oper von heute sein: Sie wird teilweise neue Wege zwischen tradierten Opern- und Konzertaufführungen und zeitgemäßer Interpretation von Musiktheater und konzertanter Kunst gehen müssen."

    Es gehe darum, die Anziehungskraft für das vielfältige Publikum zwischen gewachsenen Stammgästen und neuen Zielgruppen zu behalten oder zu steigern. Das gelte auch für das Verhältnis zwischen dem gewohnten Besuch im Opernhaus und der Nutzung digitaler Angebote, was darauf schließen lässt, dass die neue Leitung sich vor allem um die Erschließung neuer Publikumsschichten kümmern soll. Die Semperoper gilt als Touristen-Magnet, viele, meist ältere Besucher besichtigen allerdings nur die Räumlichkeiten und besuchen keine Vorstellung.

    Der Schweizer Peter Theiler (65) leitet die Semperoper seit 2018. Zuvor war er Chef des Nürnberger Staatstheaters und bis 2008 Generalintendant des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen. Christian Thielemann (62) ist seit 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle und soll nach dem Wunsch der Ministerin der Semperoper über seinen Vertrag hinaus "künstlerisch verbunden bleiben".

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