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Kultur

Premiere und Protest in Landshut: Ringen um Theatersanierung | BR24

© Peter Litvai / Landestheater Niederbayern

Provisorium: Das Theaterzelt in Landshut

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    Premiere und Protest in Landshut: Ringen um Theatersanierung

    In Landshut hat der Theaterkrimi "Amadeus" Premiere. Auch Kunstminister Bernd Sibler wird erwartet. Das Ensemble will mit ihm über die Pläne der Stadt sprechen, die Sanierung des Stadttheaters auf Eis zu legen. Parallel läuft eine Petition.

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    Das Landestheater Niederbayern zeigt am Samstagabend erstmals das Stück "Amadeus" im Theaterzelt in Landshut. Die Premiere wird überschattet von der Sorge, dass eine Rückkehr des Ensembles vom Zelt ins Stadttheater in weite Ferne rückt. Wie berichtet will die Stadt Landshut die Sanierung des Stadttheaters aus Geldgründen aufschieben.

    Theaterarbeit sei in dem Zelt "nur unter arbeitsrechtlich prekären Bedingungen möglich", mahnt das Landestheater Niederbayern. Warum, das soll am Samstagabend auch Bayerns Kunstminister Bernd Sibler erfahren, der als Premierengast erwartet wird. Das Ensemble und Mitarbeiter des Landestheaters treffen sich zu einem Gespräch mit ihm.

    Arbeitsbedingungen verstoßen gegen Vorschriften

    Die Arbeitsbedingungen in dem Zelt seien zum Teil nicht rechtskonform, kritisiert das Landestheater. Die Theatermacher leiden nach eigener Aussage an Platzmangel, die Deckenhöhe beispielsweise berge die Gefahr für Schauspieler, sich den Kopf anzuhauen. Das Zelt könne nicht klimatisiert werden, habe "tropische Temperaturen ab dem Frühjahr und bittere Kälte ab dem Spätherbst". Intendant Stefan Tilch hatte sogar berichtet, dass Ratten unter dem Zelt leben würden und die Kanalisation nicht richtig funktioniere. Proben und Vorstellungen würden für Zuschauer und Mitarbeiter seit über fünf Jahren zu einem täglichen Kampf, heißt es.

    Bislang habe man die Bedingungen hingenommen, weil die Aussicht auf eine schnellstmögliche Sanierung des Stadttheaters bestand. Dieses Einverständnis bröckele nun zunehmend. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass möglicherweise auch Versicherungen oder Behörden die Arbeitsbedingungen nicht längerfristig akzeptieren werden.

    Gefahr für Fortbestand des Landestheaters

    Das werde in kurzer Zeit nicht nur Auswirkungen auf den Proben- und Spielbetrieb in Landshut haben, sondern auch die anderen Mitglieder des Zweckverbands Passau und Straubing betreffen, so das Landestheater am Wochenende in einer Mitteilung: "Ein Einnahmeneinbruch und der daraus resultierende Verzicht auf beliebte aber kostspielige Produktionen setzen eine Abwärtsspirale in Gang, an deren Ende das Aus für das Landestheater Niederbayern noch vor seinem 70. Geburtstag in Jahr 2022 steht."

    Landshuter OB mit Theatermachern im Gespräch

    Immerhin: Beide Seiten sind im Gespräch. Der Landshuter Oberbürgermeister Putz und die Theatermacher haben sich nach BR-Informationen diese Woche getroffen, um über die Situation zu sprechen.

    Das Landestheater Niederbayern weist außerdem darauf hin, dass die Stadt die Sanierung des Stadttheaters nicht alleine stemmen müsse. 75 Prozent übernehme der Freistaat. Um den Bernlochner-Komplex wieder herzurichten und einen Erweiterungsbau für das Theater zu errichten, werden laut jüngster Planungen 50 Millionen Euro gebraucht.

    Solidaritätskundgebung in Planung

    Die Mitarbeiter des Landestheaters Niederbayern haben gemeinsam mit dem über 1.000 Mitglieder zählenden Verein "Theaterfreunde Landshut e.V." eine Petition gestartet, die inzwischen über 7.000 Menschen unterzeichnet haben. Sie trägt den Titel "Nein zum Aus für das Landestheater Niederbayern! Ja zur Sanierung!" Für den 30. November ist außerdem eine große Solidaritätskundgebung geplant.

    Die endgültige Entscheidung über die mögliche Fortsetzung der Sanierung fällt im Landshuter Stadtrat am 6. Dezember 2019.