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Preisgekrönte Animation: Der Trickfilm "Josep" | BR24

© The Party Film Sales
Bildrechte: The Party Film Sales

Solidarität im französischen Internierungslager: Der katalanische Maler Josep Bartolí (r.), gezeichnet vom französischen Cartoonkünstler Aurel

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Preisgekrönte Animation: Der Trickfilm "Josep"

In "Josep" zeichnet der Cartoonist Aurel die Geschichte des Malers Josep Bartolí, der vom Franco-Regime flieht und im Exil unglaubliche Grausamkeiten erlebt. Ein Trickfilm über ein unschönes Kapitel der französischen Geschichte, das kaum bekannt ist.

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Von
  • Moritz Holfelder

Es beginnt mit einer Flucht. Im Jahr 1939, von Spanien nach Frankreich, über die Pyrenäen, und das im Winter. Drei Männer stapfen in der Dämmerung durch den Schnee. Einer ist auf Krücken unterwegs. Ihm fehlt ein Bein.

Klaustrophobische Bilder, atmosphärische Sounds

Die Bilder bleiben skizzenhaft. Immer wieder gibt es Landschaftstotalen mit kaum ausgearbeiteten Details. Bis auf die Schneeflocken, die munter durchs Bild tanzen, scheint die Szene wie eingefroren. In ihr gefangen: die drei Männer. Sie bewegen sich nicht. Dann folgt im Überblendmodus das nächste Bild. Ein kleiner Zeitsprung: Die Männer haben sich ein paar Meter durch den Schnee vorgekämpft. Endlich erreichen sie den Grenzstein.

Durch diese Form der sprunghaften Animation entsteht eine erstaunliche Intensität. Wie in einem Alptraum, in dem man nicht vom Fleck kommt, der Situation ausgeliefert ist. Ein Gefühl der Hilflosigkeit erfasst den Zuschauer. Atmosphärische Dichte erzeugt Regisseur Aurel, der u.a. als Cartoonist für Le Monde arbeitet, darüber hinaus durch die klug komponierte Tonspur, durch Geräusche und Musik, die das Flüchtige und Stockende der Bilder in einen Fluss bringen. Unter anderem den Europäischen Filmpreis und den französischen César hat "Josep" seinem Schöpfer bereits eingebracht.

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Bildrechte: The Party Film Sales

Mithilfe des Wachmanns Serge kann Josep Bartolí nach Mexiko flüchten, wo er die Bekanntschaft einer anderen Künstlerin macht.

In den Fängen von Faschisten

Zurück in die Pyrenäen: Ein verletzter, ausgemergelter Kämpfer der internationalen Brigaden, ein Franzose, intoniert nach der Flucht über die Pyrenäen einen Abgesang auf Europa – und auf das stolze Frankreich, im Jahr 1939 von drei Seiten eingeschlossen von den Faschisten. An den Grenzen zu Spanien, Italien und Deutschland. Europa habe versagt, sagt der Mann.

Erst allmählich schält sich aus dem vielgestaltigen Personal, das der Zuschauerin zu Beginn des Films begegnet, die Hauptfigur heraus: der Maler Josep Bartolí. Dann sind da noch seine sadistischen Wärter, die deutlich machen, warum so viele Franzosen Monate später mit den deutschen Faschisten kooperieren konnen. Sie fühlen sich selbst, wie sie sagen, als "überlegene Rasse" und pissen auf die "Scheißspanier", auf die Kommunisten und Anarchisten.

Viele kleine Fluchten und eine große Flucht

Dann springt die Handlung des Films in unsere Gegenwart. Serge, ein alter Mann, liegt auf dem Sterbebett. Sein Enkel besucht ihn. Serge erzählt von der Zeit als Gendarm 1939 in jenem Internierungslager, das man soeben in der Vergangenheit gelassen hat; und von der Freundschaft, die heimlich zwischen ihm und Josep Bartolí entstanden war.

Der Trickfilm "Josep" handelt von unglaublichen Grausamkeiten und schlägt dabei ein unschönes Kapitel der französischen Geschichte auf, das kaum bekannt ist. Aber Regisseur Aurel berichtet auch von Solidarität und kleinen Fluchten, etwa wenn die Spanier im Internierungslager heimlich einen Flamenco-Abend veranstalten. Der Wachmann Serge kann dem Flüchtling Josep schließlich zur Flucht nach Mexiko verhelfen, wo der katalanische Künstler eine zweite Karriere beginnt und zum Liebhaber von Frida Kahlo wird.

Eindrückliches Animationskunstwerk

Motive und Zeichnungen von Josep Bartolí arbeitet Aurel immer wieder in seine Filmbilder mit ein – und schafft mit seinem besonderen Stil, dem leicht pulsierende Flächen und Linien sowie die präzise charakterisierten Gesichter eine faszinierend große Lebendigkeit verleihen, ein Animationskunstwerk, das man so schnell nicht mehr vergisst.

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Bildrechte: The Party Film Sales

Josep und Frida: Im mexikanischen Exil lernt Bartolí die berühmte Kollegin Frida Kahlo lieben.

Der Film "Josep" ist bei Amazon Prime Video verfügbar.

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