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Kultur

Preis der deutschen Filmkritik 2018 für zwei BR-Koproduktionen | BR24

© Gordon Mühle, BR; X Verleih AG

Sepp Bierbichler und Martina Gedeck in "Zwei Herren im Anzug"

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    Preis der deutschen Filmkritik 2018 für zwei BR-Koproduktionen

    Zwei Regiedebüts, zweimal eine renommierte Auszeichnung von Filmkritikern: Josef Bierbichler wird für "Zwei Herren im Anzug", Eva Trobisch für "Alles ist gut" geehrt. Die Preise wurden nun anlässlich der Berlinale vergeben.

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    Der Bayerische Rundfunk freut sich über zwei Auszeichnungen beim Preis der deutschen Filmkritik 2018: Am Montag hat der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) in zwölf Kategorien im Rahmen der Berlinale seine Preise verliehen, darunter zwei BR-Koproduktionen. Josef Bierbichler ist für sein Drehbuch von "Zwei Herren im Anzug" ausgezeichnet worden und Eva Trobisch hat für ihren Film "Alles ist gut" den Preis für das beste Spielfilmdebüt erhalten.

    Familiensaga und deutsche Geschichte

    Als Schauspieler ist er schon lange ein Schwergewicht im deutschen Film, mit "Zwei Herren im Anzug" hat Josef Bierbichler ein spätes Regiedebüt vorgelegt: die Verfilmung seines eigenen autobiografischen Romans "Mittelreich". Es ist das Jahr 1984, und es ist am Ende des Sommers: Im ausgedienten Tanzsaal eines ehemals traditionsreichen Gasthauses am See haben der Wirt und Bauer Pankraz (Josef Bierbichler) und sein 35-jähriger Sohn Semi (Simon Donatz) gerade die letzten Gäste verabschiedet, die zum Leichenschmaus zu Ehren der verstorbenen Frau und Mutter Theres (Martina Gedeck) erschienen waren.

    Nun sitzen Vater und Sohn in erzwungener Gemeinschaft beisammen und unterhalten sich über die Vergangenheit: 1. und 2. Weltkrieg, alliierte Besatzung, den ersten Traktor, Kalten Krieg, Wirtschaftswunder, Flüchtlinge, Studentenunruhen, die Familie. Alles kommt stockend und sehr persönlich zur Sprache und (für den Zuschauer) ins Bild. Zwei unbekannte, vornehm gekleidete Herren (Johan Simons und Peter Brombacher) werden sie vom späten Nachmittag an bis in die anbrechende Nacht hinein als zwar ungebetene, aber doch eindringliche Stichwortgeber ihres familiären Erinnerns über einen Zeitraum von 70 Jahren begleiten. All das zeigt Bierbichler mit der ihm eigenen feinfühligen Kraft. Ausgezeichnet wird er nun für die Adaption seines Romans für das Drehbuch zu "Zwei Herren im Anzug".

    © BR / Philip Gröning Filmproduktion

    "Alles ist gut" von Eva Trobisch

    Schweigen, Ohnmacht und ein entgleitendes Leben

    "Alles ist gut" – so zumindest der Eindruck, den Janne (Aenne Schwarz) vermitteln möchte. Aber nichts ist gut. Nicht, seitdem ihr neuer Chef ihr seinen Schwager Martin (Hans Löw) vorgestellt hat, der am Abend ihres Kennenlernens gegen ihren Willen mit ihr schläft. Danach lässt Janne erst mal alles seinen gewohnten Gang gehen – wenn man die Dinge nicht zum Problem macht, hat man auch keins. Doch ihr Schweigen über den Vorfall weicht nach und nach einer stillen Ohnmacht. Bis Janne ihr Leben und die Liebe zu ihrem Freund Piet (Andreas Döhler) langsam entgleiten. Eine Nacht, die für einen kurzen Moment den falschen Abzweig nimmt. Mit stiller Wucht erzählt "Alles ist gut" von den Folgen, die sich für die Beteiligten daraus ergeben – für Janne, für ihren Freund Piet, der von dem Vorfall nichts weiß, und für Martin, der seinerseits um den richtigen Umgang mit der Situation ringt. Der Kritikerpreis für "Alles ist gut" geht an Eva Trobisch, die das Drehbuch für ihr Spielfilmdebüt geschrieben und Regie geführt hat.

    Auszeichnung für künstlerische Qualität

    Der Verband der deutschen Filmkritik zeichnet seit 1956 deutsche Filme aus, die nicht nach wirtschaftlichen, länderspezifischen oder politischen Kriterien bewertet werden, sondern ausschließlich nach künstlerischen. Über die Preisvergabe entscheiden mehrere Jurys, die aus Mitgliedern des Verbandes der deutschen Filmkritik bestehen. Es ist der einzige deutsche Filmpreis, der ausschließlich von Kritikern vergeben wird.

    Als bester Film des Jahres 2018 wurde "Das unmögliche Bild" von Sandra Wollner ausgezeichnet, eine Geschichte aus dem Österreich der 50er-Jahre, gesehen durch die Super-8-Kamera eines Teenagers. Johanna filmt ihre Familie, den Hund, die kleine Schwester, die Mutter, die Großeltern. Und den Kochclub ihrer Oma – der dann aber offensichtlich doch etwas anderes tut, als zu kochen. Den Ehrenpreis bekam der Filmemacher Rudolf Thome für sein besonderes, radikales Kino.