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Lockte als viele Kunstinteressierte an: "Die Füchse" von Franz Marc

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    Präzedenzfall? Düsseldorf gibt wertvollen Franz Marc zurück

    "Die Füchse" von Franz Marc waren eines der wichtigsten Werke im Düsseldorfer Kunstpalast. Nun wird das auf über 14 Millionen Euro geschätzte Gemälde restituiert. Die Entscheidung könnte zum Vorbild werden für andere Fälle von "Fluchtkunst".

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    Von
    • Stefan Mekiska

    Einstimmig hat der Düsseldorfer Stadtrat gestern Abend in nichtöffentlicher Sitzung der Rückgabe des Gemäldes "Die Füchse" von Franz Marc zugestimmt. Es geht jetzt an die Erbinnen der jüdischen Emigrantenfamilie Grawi. Der Wert des Bildes wird auf mindestens 14 Millionen Euro geschätzt. Es war bisher im Kunstpalast Düsseldorf ausgestellt und diesem im Jahr 1962 von der Kaufhausfamilie Horten geschenkt worden. Der Stadtrat folgte damit einer Empfehlung der sogenannten Limbach-Kommission aus dem März 2021.

    Nicht Raubkunst, sondern Fluchtkunst

    Die neun Mitglieder der Kommission – darunter Ex-Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier, Rita Süssmuth, der Kunsthistoriker Wolf Tegethoff, die Ex-Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck oder Raphael Gross, der Direktor des Deutschen Historischen Museums – haben sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht und sich am Ende mit sechs zu drei Stimmen auch nicht einstimmig für die Rückgabe entschieden - denn: Es geht um einen Präzedenzfall von "Fluchtkunst", also um ein Kunstwerk, das von aus dem Deutschen Reich Geflüchteten außerhalb Deutschlands verkauft wurde, aber eben doch unter Zwang. Wer sich im Ausland eine neue Existenz aufbauen wollte, hat "verfolgungsbedingt" verkauft und nicht freiwillig.

    Zum vorliegenden Fall: Die jüdische Familie Grawi konnte 1939 gerade noch Leib und Leben retten und wollte sich in Chile eine neue Existenz aufbauen. Kurt Grawi, ein Bankkaufmann und Börsenmakler, hatte das expressionistische Gemälde "Füchse" von Franz Marc in besseren Zeiten erworben. Sein Unternehmen wurde im Nationalsozialismus arisiert, er selbst wurde mehrere Wochen im KZ Sachsenhausen gequält. Irgendwie hat es die Familie geschafft, das Marc-Bild nach New York zu schmuggeln. Ganz bestimmt nicht im Fluchtgepäck, das wäre verhindert worden.

    In den USA haben sich angesehene Galerien bemüht, "Die Füchse" im Auftrag der Grawis zu verkaufen. Das Museum of Modern Art in New York wurde angefragt, hatte aber nur 800 Dollar geboten, was nicht ausgereicht hätte für einen Neubeginn in Chile. Schließlich kaufte der deutschstämmige Hollywood-Regisseur William Dieterle das Gemälde für vermutlich 1.250 Dollar, ein damals marktüblicher Preis für einen Franz Marc in den USA.

    © Bildagentur Schoening picture alliance
    Bildrechte: Bildagentur Schoening picture alliance

    Die Stadt Düsseldorf gibt ein wertvolles Ölgemälde aus dem Kunstpalast zurück. Damit endet ein jahrelanger Restitutionsstreit.

    Aber als entscheidend wurde von der Limbach-Kommission gewertet, dass die jüdische Familie Grawi vorher vom nationalsozialistischen Deutschland komplett enteignet worden war. Es blieb ihnen also nach Auffassung der heutigen Kommissionsmitglieder gar nichts anderes übrig, als den Franz Marc zu verkaufen. Um die Empfehlung wörtlich zu zitieren: "Angesichts dieser Sachlage ist die Kommission zu dem Ergebnis gekommen, dass Kurt Grawis Verkauf des Gemäldes "Die Füchse" als NS-verfolgungsbedingter Entzug anzusehen ist, obwohl der Verkauf außerhalb des NS-Machtbereichs seinen Abschluss gefunden hat und nach dem jetzigen Kenntnisstand die Bezahlung eines angemessenen Kaufpreises und die Möglichkeit der freien Verfügung darüber plausibel sind. Denn die Veräußerung stand in unmittelbarer Folge zu der erzwungenen Emigration."

    Stehen weitere Fluchtkunst-Werke vor der Rückgabe?

    Sind jetzt viele weitere Kunstwerke in deutschen Museen in Gefahr, zurückgegeben werden zu müssen, weil nach der Raubkunst auch die Fluchtkunst dafür ins Auge gefasst werden muss? Wahrscheinlich nicht. Denn wie viele der Emigranten haben es geschafft, einen Franz Marc oder Vergleichbares ins Ausland zu schmuggeln? Dass weitere "Fluchtkunstwerke" in deutschen Museen hängen, ist darüber hinaus höchst unwahrscheinlich.

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