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Ein Star ihres Genres: Die dänische Architektin Dorte Mandrup | BR24

© Bayern2

In der männlich dominierten Architekturszene sticht sie heraus wie die Wolkenkratzer, die sie entwirft: Dorte Mandrup. Die Dänin wurde von der Zeitschrift A&W zur Architektin des Jahres erkoren. Jetzt zeigt eine Ausstellung in Berlin ihre Arbeiten.

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Ein Star ihres Genres: Die dänische Architektin Dorte Mandrup

In der männlich dominierten Architekturszene sticht sie heraus wie die Wolkenkratzer, die sie entwirft: Dorte Mandrup. Die Dänin wurde von der Zeitschrift A&W zur Architektin des Jahres erkoren. Jetzt zeigt eine Ausstellung in Berlin ihre Arbeiten.

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Wer von Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, zur Insel Mando fährt, kommt am neuen Wadden Sea Centre vorbei, einer Erweiterung des kleinen didaktischen Zentrums, in dem das Leben des Wattenmeers aus Sicht der Zugvögel erläutert wird. Von der Straße sieht der langgestreckte Gebäudeblock aus, als habe sich ein alter Küstenbunker aus der Erde erhoben, ein grober fensterloser Klotz. Erst wer anhält, entdeckt auf der Nordseite eine gläserne Front – und bemerkt, dass der gräulich-beige, an alten Beton erinnernde Farbton des Hauses in Wahrheit von einem reetgedeckten Dach und einem speziellen Sand-Lehmputz herrühren.

Archaische Robustheit

Die Stadt Ribe besaß einmal den größten Hafen Dänemarks. Hier standen schon im Frühmittelalter Höfe und Dörfer der Wikinger. Genau daran will die Architektin Dorte Mandrup erinnern – an die archaische Robustheit der ehemaligen Behausungen, an das Handwerk und die Materialien der Region. Schilf, Holz, Sand und Lehm. Die Architektin erklärt, sie hätte sich an historischen Bauweisen orientiert, nur die Dimensionen seien anders.

"Human:Nature" ist die Ausstellung im Berliner Architekturforum Aedes betitelt. Dorte Mandrup geht es nicht darum, ikonische Gebäude zu entwerfen, die für sich stehen, Arbeiten, wie man sie von Frank Gehry oder Zaha Hadid kennt, sondern Bauten, die mit ihrer Umgebung kommunizieren, sozial wie ökologisch. Lage und Gestalt eines Gebäudes sollen das Bewusstsein für Natur und Landschaft schärfen – wie aktuell beim Bau eines Besucherzentrums in Grönland beim Ilulissat Icefjord. Der gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und gilt als vom Klimawandel bedroht.

Das in sich verdrehte und gekrümmte Gebäude wirkt, als hätte es sich unter dem Druck eines vorrückenden Gletschers verformt. Errichtet wird es auf einem Hügel, von dem aus man das Schmelzen des Eises beobachten kann. Natürlich verursache der Bau einen gewaltigen CO2-Fußabdruck, sagt Dorte Mandrup: "Es gibt kein Gebäude, das ohne CO2-Emission gebaut werden kann, das ist klar. Also versuchen wir, das so nachhaltig wie möglich zu machen. In Grönland leben rund 50.000 Menschen – da geht es darum, die Gegend wirtschaftlich voran zu bringen, auch im Sinne sozialer Nachhaltigkeit. Mit einem ökologischen Tourismus, der den Klimawandel thematisiert. Das klingt paradox, aber entweder muss man die Bevölkerung so einer Region komplett umsiedeln oder das Gebiet eben mit Respekt vor ihr weiterentwickeln."

Architektur in Zeiten des Klimawandels

Dorte Mandrup meint, der Klimawandel werde die Architektur radikal verändern – zum Beispiel könne man demnächst wohl keine Häuser mehr mit großflächigen Glasfronten bauen wie bisher. Auch dürfe man nicht mehr so viel neu bauen, sondern müsse lernen, alte Häuser und Siedlungen zu erweitern, umzubauen und zu modernisieren.

© Espen Grønli

Die dänische Architektin Dorte Mandrup

Für dieses Jahr hatte die dänische Architektin den Juryvorsitz des renommierten Ludwig-Mies-van-der-Rohe-Preises. In der Regel wird der für prägende Neubauten vergeben, diesmal ging er an ein französisches Architektenteam, das eine Großwohnsiedlung aus den 60er-Jahren nördlich des Stadtzentrums von Bordeaux raffiniert in die Jetztzeit überführt hat. In der Cité du Grand Parc vergrößerten sie etwa die Grundrisse durch das Andocken vorgefertigter Betonmodule.

Seit 20 Jahren betreibt Dorte Mandrup ihr Büro in Kopenhagen. Es sei immer ein Kampf gewesen, sagt sie, auch weil die Branche stark von Männer-Netzwerken geprägt werde – und sie habe es bis heute nicht wirklich geschafft, in diese Boy Groups vorzudringen. Als sie 2017 von einer Zeitschrift zu den besten "weiblichen" Architekten gewählt wurde, platzte ihr der Kragen. Sie fand das diskriminierend. Warum müsse bei Frauen das Geschlecht genannt werden – bei ihren Kollegen sage ja auch niemand, das sei jetzt der beste "männliche" Architekt. Das sei einfach sexistisch.

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