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Popcorn und Päpste – das Kirchenoberhaupt in Film und Serie | BR24

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Allen Kirchenaustritten zum Trotz hat der Papst in Film und Serien Konjunktur. Erst kürzlich lief auf Sky die Serie "The New Pope" an. Filme wie "Illuminati" oder "Die zwei Päpste" feierten Erfolge. Was reizt Produzenten an Vatikan und Papsttum?

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Popcorn und Päpste – das Kirchenoberhaupt in Film und Serie

Allen Kirchenaustritten zum Trotz hat der Papst in Film und Serien Konjunktur. Erst kürzlich lief auf Sky die Serie "The New Pope" an. Filme wie "Illuminati" oder "Die zwei Päpste" feierten Erfolge. Was reizt Produzenten an Vatikan und Papsttum?

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Wenn Päpste in Spielfilmen die Hauptrolle spielen, sind es meistens die ganz großen Stars, die in die roten Schuhe schlüpfen. 1968 begeisterte Anthony Quinn weltweit mit dem Drama "In den Schuhen des Fischers". Nach ihm verkörperten unter anderem Ringo Starr, John Goodman, Jude Law, Anthony Hopkins und zuletzt John Malkovich historische wie fiktive Päpste.

Das Papsttum hat in der Filmgeschichte seinen festen Platz. Doch was macht es für unzählige Leinwand-Dramen – und inzwischen auch ganze Serien – so attraktiv?

Macht, Moral und Sinnlichkeit - und ein Paradox

"Es fängt damit an, dass der Papst etwas repräsentiert. Er ist ja auch der Repräsentant Gottes auf Erden. Und Repräsentation ist natürlich sowohl dramaturgisch als auch filmisch etwas Spannendes", sagt Regisseur und Drehbuchautor Andreas Gruber, der auch an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen lehrt.

Für ihn verdichten sich in der Figur des Papstes Moral, Macht und Sinnlichkeit – eine Mischung, die Raum bietet für menschliche Dramen und große Emotionen.

Für die Schweizer Religionswissenschaftlerin Natalie Fritz kommt noch etwas Paradoxes hinzu: "Einerseits ist der Papst ja ein Mann der Öffentlichkeit. Den sehen wir ständig im Fernsehen und im Internet. Aber andererseits weiß man sehr wenig über sein Leben."

Das gelte gerade für das, was sich hinter den Mauern des Vatikans abspielt: die uralten, mysteriös wirkenden Traditionen, eine hierarchische und verschlossene Welt und mittendrin der Papst als unumschränkter Monarch von Gottes Gnaden – ein lebender Anachronismus in unserer demokratischen und schnelllebigen Gesellschaft. Und genau da setzen Film- und Serienproduktionen wie "Illuminati" oder "Die zwei Päpste" an.

© picture alliance/United Archives

Anthony Quinn als Papst in "In den Schuhen des Fischers" von 1968

Film zeigte erstmals Einblicke in ein Konklave

Erstmals führte 1965 der Film "In den Schuhen des Fischers" den genauen Ablauf eines Konklaves vor Augen: Originalgetreu, wenn auch nicht am Originalschauplatz. Mangels Drehgenehmigung im Vatikan ließ Regisseur Michael Anderson die Sixtinische Kapelle ein paar Kilometer weiter südöstlich nachbauen, in den römischen Filmstudios Cinecittà. Jahrzehnte später sind auch Paolo Sorrentinos Papst-Serien "The Young Pope" und danach "The New Pope" hier gedreht worden.

Als erster Papst nutzte Pius XII. die Möglichkeiten des Films, sagt der Historiker Christian Kuchler von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. "Pius XII., der in Deutschland vor allem als Papst bekannt ist, der geschwiegen habe zum Holocaust, er ist der, der sich intensiv mit dem Medium Film beschäftigt und der als erster wirklich auch eine Enzyklika zum Film veröffentlicht."

Im Kriegsjahr 1942 ließ sich Pius XII. dann über Monate von einem Filmteam begleiten, so entstand die Dokumentation "Pastor Angelicus". 1958 flimmerte Pius XII. noch einmal über die Kinoleinwände. In Ernst Marischkas Heimatfilm "Der veruntreute Himmel" spielte der Papst für einige Minuten sich selbst.

Kirchenoberhäupter forcieren zu Medienikonen

Der Papst wird zur Medienikone – eine Entwicklung, die mit Johannes Paul II. ihren Höhepunkt fand. Die Film- und Fernsehbilder eines nahbaren Papstes, der zu den Gläubigen aller Welt reiste, Menschen umarmte, Hände schüttelte und den Boden küsste, stilisierten Karol Wojtyla zum globalen Friedensfürsten. Und je stärker die mediale Präsenz, desto stärker wurde auch das Interesse an seiner Person, seiner Geschichte, dem Menschen hinter dem Papstamt.

Daran knüpfen die Spielfilme über Päpste an, sagt die Religionswissenschaftlerin Natalie Fritz: "Es liegt in der Natur der Dinge, dass wir über Menschen, die bekannt sind, die viel in den Medien auftreten, die präsent sind, gerne mehr wissen wollen.

© Peter Mountain / Netflix

Anthony Hopkins und Jonathan Pryce als "Die zwei Päpste"

Unfehlbar? Im Film interessieren die Schwächen

Und so verwundert es auch nicht, dass der Regisseur Fernando Meirelles die Chance nutze, sich gleich zwei Päpsten filmisch zu nähern: in seinem Film "Die zwei Päpste" über Franziskus und Benedikt XVI., der Ende 2019 im Kino und auf Netflix anlief. Darin zeigt der Regisseur den amtierenden Papst als jungen Priester, der Fehler macht, und an seinen eigenen Ansprüchen scheitert. Unfreiwillig – so erzählt es der Film – wird er in die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur verstrickt.

Typisch für das filmische Herangehen an Kirchenoberhäupter, sagt Natalie Fritz: "Der Papst, obwohl er Mensch ist, ist unfehlbar. Da kommt natürlich die Frage auf: Wie geht ein Mensch mit einer solchen Belastung um? Wie kann er in einer solchen Rolle aufgehen? Oder: Kann er auch einmal aus dieser Rolle schlüpfen?"

Auf Amtsverzicht im Film folgt Benedikts Rücktritt

In "Habemus Papam" (2011) zeigt Regisseur Nanni Moretti sodann einen frisch gewählten Papst, der sein Amt gar nicht erst antreten möchte. Er fühlt sich der Last seiner Verantwortung nicht gewachsen, flieht aus dem Vatikan und tritt am Ende zurück. Eine Fiktion, aus der eineinhalb Jahre später Realität wird: Im Februar 2013 erklärt Benedikt XVI. seinen Rücktritt.

Auch Regisseur Paolo Sorrentino nähert sich zwei Päpsten auch in der aktuellen Sky-Serie "The New Pope". Darin spielt John Malkovich den fiktiven Papst Johannes Paul III., der seinen charismatischen Vorgänger Pius XIII. ersetzen muss. Dieser liegt nämlich im Koma und wird von seinen Anhängern wie ein Heiliger verehrt. Als er obendrein wieder zu Bewusstsein kommt, entbrennt ein erbitterter Machtkampf.

Für Christian Kuchler ist der Erfolg der Serie keine Überraschung: "Dass es nach langer, langer Zeit wieder zwei Päpste gibt, die plötzlich unterschiedlicher Meinung sein können und von denen einer päpstlicher als der Papst sein kann, das ist etwas, was Menschen fasziniert und was sie offensichtlich auch unterhält."

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