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Bayreuther Festspiele "betroffen" über Vorwürfe gegen Domingo | BR24

© picture alliance / AP Photo

Plácido Domingo

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    Bayreuther Festspiele "betroffen" über Vorwürfe gegen Domingo

    Plácido Domingo wird sexuelle Belästigung vorgeworfen. Von den Bayreuther Festspielen, wo er mehrmals zu Gast war, heißt es, solche Vorwürfe habe es dort nie gegeben. Doch über das Verhalten von Menschen in Machtpositionen müsse debattiert werden.

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    Nachdem neun Frauen öffentlich Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Plácido Domingo erhoben haben, müssen Kulturinstitutionen ihre Zusammenarbeit mit dem Opernstar überdenken. Das gilt auch für bayerische Häuser: Bei den Bayreuther Festspielen war Domingo seit vielen Jahren immer wieder zu Gast, als Sänger und auch als Dirigent. Und die Bayerische Staatsoper in München hat für Sommer 2020 Plácido Domingo in der Titelrolle in Giuseppe Verdis Oper "Nabucco" bei den Opernfestspielen angekündigt.

    Bayreuther Festspiele zeigen sich "überrascht und betroffen"

    Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärten die Festspiele mit Bezug auf die aktuellen Vorwürfe, in Bayreuth seien "Vorwürfe oder Anschuldigen, die denen gleichen oder ähnlich sind, wie sie jetzt gegen Domingo erhoben werden", von niemandem gemacht worden. "Den Bayreuther Festspielen ist dazu definitiv nichts bekannt geworden. Die Bayreuther Festspiele sind daher ebenso überrascht wie betroffen."

    Debatte dürfe nicht vor Menschen in Machtpositionen haltmachen

    Grundsätzlich müsse eine "Debatte um angemessenes bzw. unangemessenes Verhalten im zwischenmenschlichen Umgang" offen und klar geführt werden, heißt es in der Stellungnahme weiter – "insbesondere hinsichtlich Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer Position über eine gewisse 'Macht' verfügen". Diese Debatte sei "notwendig und offenkundig geboten, um individuelle Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte künftig besser schützen zu können."

    Die Bayreuther Festspiele arbeiten immer wieder mit Plácido Domingo zusammen, zuletzt 2018, als der Künstler für drei Aufführungen von "Die Walküre" am Dirigentenpult stand. In den 90er-Jahren trat Domino bei den Festspielen als Parsifal auf, 2000 als Siegmund in "Die Walküre".

    Keine Stellungnahme von der Bayerischen Staatsoper

    Die Bayerische Staatsoper war für eine Stellungnahme zu den geplanten Engagements von Plácido Domingo bei den Opernfestspielen 2020 nicht zu erreichen: Bis Anfang September dauern die Theaterferien an. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, dem die Oper unterstellt ist, erklärte auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks, es könne sich in künstlerischen Fragen nicht äußern.

    Salzburger Festspiele unterstützen Plácido Domingo

    Unterdessen haben österreichische Institutionen Erklärungen abgegeben. Die Wiener Staatsoper, an der Domingo im Oktober in "Macbeth" auftreten soll, gibt sich abwartend: Man wolle sich nach den Ende August ablaufenden Theaterferien ausführlich mit der Causa befassen, Gespräche führen und dann entscheiden, hieß es gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

    Die Salzburger Festspiele dagegen halten an den für die laufende Saison geplanten Auftritten von Plácido Domingo fest. In einer Mitteillung von Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, heißt es unter anderem: "Ich kenne Plácido Domingo nun seit über 25 Jahren. Zu seiner künstlerischen Kompetenz hat mich von Anfang an sein wertschätzender Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Festspiele beeindruckt. [...] Würden die gegen ihn erhobenen Vorwürfe auch im Festspielhaus ausgesprochen worden sein, hätte ich sicher davon erfahren. Zudem gilt für mich als ausgebildete Juristin, 'in dubio pro reo'." Mit Intendant Markus Hinterhäuser sei sie sich einig, dass Domingo wie geplant in "Luisa Miller" bei den Festspielen 2019 singen werde. Die Oper von Giuseppe Verdi steht in Salzburg für den 25. und den 31. August auf dem Spielplan.

    Konzertabsagen und Untersuchungen in den USA

    In den USA hatten zuvor verschiedene Kulturinstitutionen ihre Zusammenarbeit mit Plácido Domingo vorerst abgesagt. Das Philadelphia Orchestra zog die Einladung zum Eröffnungskonzert am 18. September zurück, die San Francisco Opera verwies auf ihre strenge Richtlinie zur Bekämpfung sexueller Belästigung. Das Haus lege großen Wert darauf, "ein sicheres und geschütztes Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder auf seine Arbeit und Kunst konzentrieren kann und in dem Kollegen mit Respekt, Würde und Kollegialität behandelt werden", hieß es in einer Mitteilung. Ähnlich äußerte sich das von dem kanadischen Dirigenten Yannick Nézét-Séguin geleitete Philadelphia Orchestra.

    Die Oper Los Angeles, deren Generaldirektor Plácido Domingo ist, hat unabhängige Ermittlungen angekündigt. In einem auf Twitter verbreiteten Statement heißt es, Domingo sei über mehr als drei Jahrzehnte eine kreative Kraft der Oper und der Kultur in Los Angeles gewesen. Dennoch fühle sich das Haus verpflichtet, alles für eine Arbeitsumgebung zu tun, in der sich alle Mitarbeiter und Künstler gleichermaßen geschätzt und respektiert fühlen könnten.

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