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Mädchen in einem pinken Auto mit pinken Klamotten.
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Autoren

Barbara C Schneider
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Mädchen in einem pinken Auto mit pinken Klamotten.

Mehr als sechs Jahre ist es her, dass die Deutsch-Britin Stevie Schmiedel auf ihrem Weg durch Hamburg Plakate zur TV-Show "Germanys Next Topmodell" entdeckt: Die dünnen, durchgestylten Models und das damit verbundene Schönheitsideal machen die Gender-Forscherin wütend.

"Ich habe damals gerade ein Seminar zu Essstörungen und Populärkultur gehalten, als auf 90 Prozent der Litfaßsäulen die neue Staffel beworben: sehr auf Kinder gezielt, mit sehr Barbie-artigen Posen." Stevie Schmiedel

Gegen gängige Schönheitszwänge protestieren

Stevie Schmiedel war sehr verärgert, denn es gebe ganz klare Studien, die Germanys Next Topmodel mit Essstörungen in Verbindung bringt, wie sie erzählt. Der Ärger über die Castingshow, die von Heidi Klum moderiert wird, ist die Geburtsstunde des Vereins "Pinkstinks".

Pinkstinks geht es darum, gegen gängige Schönheitszwänge zu protestieren, Kinder nicht auf Rollenmuster festzulegen, Rollen-Stereotype aufzubrechen, mit Witz und Spaß jenseits der Modelwelt andere Modelle von Weiblichkeit oder Männlichkeit aufzuzeigen.

"Pink stinkt natürlich überhaupt nicht. Dieses Pink ist aber verbunden mit ganz bestimmten Charaktereigenschaften, wie häuslich, niedlich, aufs äußere Bezogen. Und das stinkt. Das wollten wir durch diesen Namen ausdrücken." Stevie Schmiedel

Wirtschaft teilt Kinder in zwei Segmente

Prinzessin Liliefee für die Mädchen, Feuerwehrmann Sam für die Jungs, die Rollen Zuschreibungen fangen schon früh an. Um geschlechterspezifisches Spielzeug ist ein ganzer Markt entstanden. Stevie Schmiedel will etwas gegen die – wie sie es nennt – Pinkifizierung und gegen die starren Geschlechterrollen machen, die die Wirtschaft den Familien und Kindern vorgibt.

"Vor allem in den letzten 15 Jahren hat sich Gendermarketing zugespitzt. So kann alles doppelt verkauft werden - vom Monopoly bis zum Bobbycar. Alles in rosa und blau. Und es kann untereinander nicht vererbt werden." Stevie Schmiedel

Deshalb hat die Mutter von zwei Töchtern die Protestorganisation gegründet. Sechs Mitarbeiter hat der Verein, der von Spenden getragen wird. Mit ihren Mitstreitern entwickelt Stevie Schmiedel Kampagnen, organisiert Tanzworkshops an Schulen, dreht Musikvideos. Zum Weltmädchentag am 11. Oktober hatte sich Pinkstinks die geschlechtergerechte Sprache vorgenommen: Eine Idee, die von Schülerinnen kam. Die hatten Beispiele gesammelt, wo sie im Unterricht und an der Schule durch die Sprache ausgegrenzt werden.

App zum Melden sexistischer Werbung

Es geht Stevie Schmiedel und Pink Stinks um Sensibilisierung - im Blick auf die Sprache, aber auch im Blick auf Bilder, die diskriminieren. Deshalb starten sie immer wieder Kampagnen, die auf Alltagssexismus und Diskriminierung eines Geschlechts aufmerksam machen. Wie zum Beispiel die "Werbemelder*in", eine App, auf der man sexistische Werbung melden kann. Auf einer Deutschlandkarte werden die Unternehmen, die mit nackten Frauen oder sexistischen Sprüchen werben, verzeichnet. Die Mitarbeiter von Pinkstinks rufen aber auch direkt bei den Firmen an und suchen das Gespräch. Vor allem im Haushalts- und Handwerkerbedarf, so ihre Beobachtung, gibt es viel sexistische Werbung.

Baumarkt gewinnt Positiv-Preis

Die Sensibilität sei bei großen Werbeagenturen in den letzten Jahren gestiegen, sagt Stevie Schmiedel. Inzwischen berät Pinkstinks Werbeagenturen. Außerdem vergibt die Organisation seit kurzem einen Positiv-Preis für geschlechtergerechte Werbung, den Pinken Pudel. Erstmals ging der Preis in diesem Jahr an den Baumarkt Hornbach.