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Santiago de Compostela ist wohl das berühmteste Pilgerziel der Welt. Dorthin führt der Jakobsweg - acht Haupt- und viele Nebenwege verlaufen auch durch Bayern. Doch: "Der Weg führt einen vor allem zu sich selbst", sagt Pilger Michael Kaminski.

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Pilgern vor der Haustür: Auf dem Jakobsweg durch Bayern

Santiago de Compostela ist wohl das berühmteste Pilgerziel der Welt. Dorthin führt der Jakobsweg - acht Haupt- und viele Nebenwege verlaufen auch durch Bayern. Doch: "Der Weg führt einen vor allem zu sich selbst", sagt Pilger Michael Kaminski.

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Von
  • Sabine Barth

Das Grab des Apostels Jakobus ist für viele Pilger das Ziel. Es liegt in der Kathedrale von Santiago de Compostela im Norden Spaniens. Der Münchner Religionspädagoge und Pilgerbegleiter Michael Kaminski ist schon neunmal in Santiago angekommen und dabei etwa 15.000 Kilometer gegangen. Doch: Das Ziel sei gar nicht so wichtig, und es müsse auch nicht weit weg sein, sagt er. Heute ist er auf dem Münchner Jakobsweg unterwegs, er startet im Spirituellen Zentrum St. Martin im Münchner Glockenbachviertel und führt Richtung Schondorf am Ammersee.

Pilgern ist "Beten mit den Füßen"

Jede Weltreligion kennt das Pilgern, und so gibt es auch im Christentum diese alte Tradition des Unterwegsseins. Michael Kaminski ist evangelisch. Obwohl der Reformator Martin Luther wegen der Heiligenverehrung das Pilgern ablehnte, hat es sich mittlerweile auch in der evangelischen Kirche etabliert. "Wir sagen heute: 'Pilgern ist beten mit den Füßen'", sagt Kaminski.

"Viele Menschen fragen nach dem schönsten Weg. Dabei ist es beim Pilgern gar nicht so wichtig, ob der Weg von außen schön ist, sondern der schönste Weg beginnt zu Hause und führt einen zu sich selber."

Beim Pilgern neue Perspektiven finden

Michael Kaminski ermutigt Menschen, beim Pilgern neue Perspektiven zu finden. In der Trauer, einem Lebensumbruch, beim Ringen um eine Entscheidung. Aber: Er schätzt auch das Alleine-Gehen. Denn beim Pilgern gehe es darum, ganz in der Gegenwart zu sein, die Vergangenheit zu reflektieren und die Zukunft zu erahnen. Wer das erleben will, müsse sich auf den Weg machen, sagt Kaminski.

"Ich würde sagen, dass es beim Pilgern so ist, dass Gott mitgeht. Und es ist gut, wenn man das Gefühl dafür bekommt, wo man ihn spürt und wo nicht. Das passiert aber von alleine über die Zeit." Michael Kaminski, Religionspädagoge und Pilgerbegleiter

Acht Haupt- und viele Nebenwege führen heute durch Bayern Richtung Nordspanien, nach Santiago de Compostela. So steht beispielsweise in Schondorf am Ammersee seit dem 12. Jahrhundert eine St. Jakobskirche.

Die Legende des Heiligen Jakobus

Jakobus, Bruder des Johannes, war einer der ersten Jünger Jesu: Nach der Apostelgeschichte war er bei der Gefangennahme von Jesus im Garten Gethsemane dabei. Er starb als Märtyrer, er wurde in Judäa mit dem Schwert hingerichtet. Die Legende erzählt, dass seine Freunde den Leichnam gepackt und in ein Schiff gelegt haben. Dieses Schiff ist wie von Geisterhand geleitet nach Nordspanien geschippert. Als es dort angekommen ist, an der nordspanischen Küste, war es über und über mit Muscheln bewachsen, so sagt die Legende.

Bis heute ist deshalb die Muschel ein Symbol für den Heiligen Jakobus und ein Wegweiser für die Pilgerinnen und Pilger.

Buchtipps:

"Pilgern mitten im Leben – Wie deine Seele laufen lernt", Herder, 2016 und

"Pilgern quer durch's Jahr – 12 Wege für die Seele", Claudius, 2019.

Mehr zum Thema "Hilfe von nebenan" in der Sendung STATIONEN, 10. März 2021 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.