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Pilger und Bier: Wie geht es Kloster Andechs in Corona-Zeiten? | BR24

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Johannes Eckert ist seit 2003 Abt der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs

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    Pilger und Bier: Wie geht es Kloster Andechs in Corona-Zeiten?

    Das Benediktinerkloster in Andechs ist Wallfahrtsort, aber auch Wirtschaftsbetrieb. Beides ist von der Corona-Krise getroffen. Die Gastronomie läuft langsam wieder an, aber Wallfahrten sind noch bis August abgesagt. Wie geht Abt Johannes damit um?

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    Das oberbayerische Kloster Andechs ist ein Magnet für Touristen, Wallfahrer und Einheimische. Doch der Corona-Virus hat auch den "Heilgen Berg Bayerns" nicht ausgespart. "Wir sind gegründet worden für die Wallfahrt, und es ist eigenartig, wenn keine Gläubigen mehr zum Gottesdienst kommen, keine Wallfahrer, keine Touristen, keine Besucher im Bräustüberl. Es ist alles wie ausgestorben, das tut schon weh", sagt Abt Johannes Eckert.

    Kloster erhält keine Kirchensteuer

    Der 51-Jährige, der seit 2003 Abt ist, macht sich vor allem Sorgen um die Wirtschaftsbetriebe. "Wir bekommen ja keine Kirchensteuer, wir leben von den Betrieben. Alles was wir in den beiden Klöstern machen, Seelsorge und vor allem unsere soziale Arbeit, wird von hier finanziert," sagt Eckert. Die Frage wie es weitergeht, treibe Mönche wie Mitarbeiter um. Denn das Kloster ist in der Wohnungslosenhilfe aktiv. Die Abtei St. Bonifaz in der Karlstraße in München ist Anlaufstelle für Obdachlose. Die Arbeit wird über Eigeneinnahmen, Spenden und von der Stadt München finanziert.

    Was bedeutet Corona für den Wallfahrtsort?

    "Zunächst ist es eine Katastrophe. Wir mussten alle Wallfahrten bis Ende August absagen. Und das tut einem im Herzen weh", sagt Eckert. Denn das Kloster sei schließlich 1455 für die Wallfahrt gegründet worden. Und jetzt müsse man sagen: Bleibt daheim. Obwohl die Menschen im Moment genügend Anliegen hätten, die sie hierhertragen könnten.

    Verschwörungsmythen: "Menschen haben immer einfache Antworten gesucht"

    Zu den Verschwörungstheorien, die derzeit auch aus kirchlichen Kreisen zu hören sind, hat er eine klare Meinung.

    "Die Menschen haben immer einfache Antworten gesucht, man hat immer einen Schuldigen gesucht. Da muss man sehen, dass es oft die einfachen Antworten nicht gibt. Und auch nicht die Schuldigen." Abt Johannes Eckert

    Für ihn gehe es darum, die Frage des Leids auszuhalten. Und den Glaube an einen Gott zu vertrauen, der durch das Leid mitgeht. Da seien vor allem die Seelsorgerinnen und Seelsorger gefragt. "Da heißt es immer wieder zu vermitteln, dass es hier nicht zu einer Engführung des Geheimnisses Gottes kommt."

    Dass Menschen nun wieder verstärkt glauben, das denkt er nicht. Allerdings sei die Frage nach Gott wieder vermehrt aufgetaucht, weil man spürt: "Wir können nicht alles, wir sind nicht absolut. Durch den Virus wird das ganze System, all das, was Menschen geschaffen haben, auf einmal zerstört oder in Frage gestellt. Und vielleicht führe die Frage 'Was steht hinter diesem Leben?' zu einer neuen Demut, zu einer neuen Menschlichkeit, so Abt Johannes.

    Den ganzen Beitrag können Sie am am Mittwoch, 20. Mai 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen in STATIONEN sehen, und im Anschluss in der Mediathek.